Münster Bischof zieht gemischte Bilanz für 2018

Genn fordert in Silvesterpredigt Beitrag zur Reinigung der Kirche

Bischof Felix Genn hat in seiner Silvesterpredigt in der Lambertikirche in Münster eine gemischte Bilanz des abgelaufenen Jahres gezogen. 2018 sei ein Jahr mit vielen Umbrüchen und Aufbrüchen gewesen und habe „nicht nur Schatten, sondern auch viel Licht beschert“.

Der Bischof erinnerte an die Solidarität der Bevölkerung nach der Amokfahrt am Kiepenkerl und an die Gedenkveranstaltungen zum Ende des Steinkohlebergbaus in Nordrhein-Westfalen. Genn sprach außerdem die Jugendsynode im Vatikan und den Streit um die Orientierungshilfe zur seelsorglichen Pastoral an gemischt-konfessionellen Ehen an.

„Katholikentag hat positiv ausgestrahlt“

Den Katholikentag im Mai würdigte der Bischof als prägende Erfahrung. Das Treffen habe positiv über die Stadt Münster und das Bistum hinaus durch seine Begegnungen und Gespräche auf viele Menschen ausgestrahlt und sein nicht nur wegen des Wetters eine gelungene Veranstaltung gewesen.

Zur Diskussion um die Missbrauchs-Studie im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz sagte der Bischof: „Von Schmerz und Scham, von Reue und Bekehrung zu sprechen ist einerseits notwendig, hört sich aber auf Dauer auch sehr leicht an.“ Immer wieder würden Taten gefordert. Dabei werde aber leider oft übersehen, was im Bistum bereits in den letzten Jahren geschehen sei. Der Bischof versicherte, die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle müsse als Aufgabe weiter im Vordergrund stehen.

„Jeder sollte am Reich Gottes mitwirken“

„Ich habe Verständnis dafür, wenn manche die Kirche aufgrund dieser furchtbaren Ereignisse des Missbrauchs verlassen und ihr den Rücken kehren“, führte der Bischof weiter aus. Dennoch bitte er inständig darum, zu prüfen, ob ein Austritt wirklich der richtige Schritt sei. Es ist nach Ansicht von Genn besser, wenn jeder dazu beiträgt, auch wenn er persönlich nicht schuldig geworden ist, „durch seinen Einsatz und seine Solidarität die Kirche zu reinigen“.

Genn erklärte, er betrachte das Ende „dieses schwierigen Jahres“ als Ermutigung, „gerade jetzt am Reich Gottes mitzuwirken“. Positiv hob der Bischof das Schreiben "Gaudete et Jubilate“ (Freut euch und jubelt) des Papstes hervor. Franziskus warne eindringlich davor, an äußeren Strukturen, Gesetzen und bestimmten Vorschriften festzuhalten, die nur äußerlich erfüllt würden.

Die Erneuerung der Kirche kann nach Auffassung des Bischofs dann gelingen, wenn jeder Einzelne mit seinem Christsein ernst macht und sein Leben von Gott her als großartigen Entwurf ansieht, den es in der jeweiligen Aufgabe und im jeweiligen Beruf zu verwirklichen gilt.