KIRCHE IN DEUTSCHLAND

Georg Bätzing gibt Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz ab

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Der Limburger stand seit 2020 an der Spitze der katholischen Bischöfe in Deutschland. Was jetzt bekannt wurde und wie Reaktionen ausfallen.

Der Limburger Bischof Georg Bätzing will sich im Februar nicht erneut zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) wählen lassen. Das teilte die DBK am Montag in Bonn mit.

Vor sechs Jahren war Bätzing zum Nachfolger des Münchner Erzbischofs Kardinal Reinhard Marx gewählt worden. Nach nur einer Amtszeit stellt er sich nicht erneut zur Wahl bei der Frühjahrs-Vollversammlung der Bischöfe vom 23. bis 26. Februar in Würzburg. Zuerst hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ darüber berichtet.

„Reifliche Überlegung“

In einem Brief an die Bischöfe schrieb Bätzing laut DBK, um im Vorfeld der Versammlung gute Überlegungen für die Wahl zu ermöglichen, wolle er mitteilen, dass er für eine erneute Wahl nicht zur Verfügung stehe. „Ich habe mich dazu nach Beratung und reiflicher Überlegung entschieden.“

Der 64-Jährige, seit 2016 Bischof von Limburg, hatte sich im Richtungsstreit in der katholischen Kirche in Deutschland auf die Seite der Reformer gestellt. Den Synodalen Weg, den Kardinal Marx nach einstimmigem Beschluss der Bischofskonferenz sowie das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) angestoßen und begonnen hatten, führte Bätzing fort. Wiederholt verteidigte er ihn gegen Kritik - unter anderem gegen die Unterstellung, die deutschen Katholiken wollten sich von Rom lösen und strebten eine Art nationalen Sonderweg an.

„Intensive Jahre“

Zuletzt stimmten die deutschen Bischöfe im Vatikan den Rahmen für ein Nachfolgegremium des Synodalen Wegs ab. In einer Synodalkonferenz wollen Bischöfe und Laien künftig Themen von bundesweiter Bedeutung gemeinsam beraten und sich dazu äußern. Die Satzung des Gremiums ist vom ZdK bereits angenommen, die Zustimmungen der Bischofskonferenz und des Vatikans stehen noch aus.

"Es waren sechs intensive Jahre, in denen wir Bischöfe gemeinsam mit vielen anderen aus dem Volk Gottes einiges bewegen und für eine tragfähige Zukunftsgestalt von Kirche in unserem Land realisieren konnten", bilanziert Bätzing nach DBK-Angaben in seinem Schreiben. "Jetzt ist es Zeit, diese für die Arbeit der Bischofskonferenz wichtige Aufgabe in andere Hände zu legen. Und ich bin mir sicher, es wird gut weitergehen."

So reagiert die ZdK-Präsidentin

ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp bedauert Bätzings Entscheidung. "Zugleich hat dieser Schritt meinen vollen Respekt", sagte sie der Katholischen Nachrichten-Agentur. Bätzing habe als DBK-Vorsitzender für die katholische Kirche in Deutschland in sechs Jahren viel geleistet: "Dem ZdK war er ein kollegiales, wahrhaftiges und hochengagiertes Gegenüber."

Den Limburger Bischof zeichne eine integre, herzliche Persönlichkeit aus, so die Präsidentin des höchsten katholischen Laiengremiums in Deutschland. "Insbesondere auf dem Synodalen Weg war Georg Bätzing ein mit Augenmaß agierender, zugleich zukunftsorientiert vorangehender Vorsitzender, mit dem ich im Co-Vorsitz der Synodalversammlungen und im Synodalen Ausschuss sehr gern zusammengearbeitet habe", sagte Stetter-Karp. Sie hoffe, dass sein Nachfolger in ähnlicher Weise zukunftsorientiert sein werde.

So reagiert die evangelische Kirche

Ähnlich äußerte sich die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs. "Die Entscheidung von Bischof Bätzing, nicht erneut zur Wiederwahl anzutreten, bedaure ich persönlich", sagte sie auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Zugleich würdigte die Hamburger Bischöfin die gemeinsame Arbeit: "Uns verbindet eine lange, vertrauensvolle Zusammenarbeit, in der wir gemeinsam an unterschiedlichen Orten Verantwortung getragen und wichtige Fragen von Kirche und Gesellschaft im guten ökumenischen Miteinander beraten haben", so Fehrs. "Für diese Zusammenarbeit bin ich sehr dankbar."

Die Deutsche Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss der katholischen Bischöfe in Deutschland - sowohl der Ortsbischöfe der 27 Bistümer und Erzbistümer als auch der in den Diözesen unterstützend tätigen Weihbischöfe. Derzeit hat die Bischofskonferenz 59 Mitglieder.

Die Konferenz mit Sitz in Bonn dient der Förderung der gemeinsamen Aufgaben, der Beratung und der Koordinierung der Arbeit. Sie gibt Richtlinien vor und pflegt Verbindungen zu anderen Bischofskonferenzen. Oberstes Organ ist die jeweils im Frühjahr und im Herbst tagende Vollversammlung. Die Frühjahrstreffen finden an wechselnden Orten statt. Die Herbstvollversammlung tagt normalerweise in Fulda und damit am Grab des "Apostels der Deutschen", des heiligen Bonifatius. | KNA

Erstmeldung von 14.45 Uhr mit mehreren Updates (mehr Details, Kasten, Reaktion ZdK und EKD)

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