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Der Limburger Bischof tritt nicht erneut für den Vorsitz der Bischofskonferenz an. Rückblick auf sechs Jahre - und auf das, was Bätzing selbst bewegt.
Noch im Dezember hatte er sich eine erneute Kandidatur für die Spitze der Deutschen Bischofskonferenz offen gehalten; es sei noch Zeit, um sich das gut zu überlegen. Nun hat der Limburger Bischof Georg Bätzing sich dagegen entschieden, erneut anzutreten – „nach Beratung und reiflicher Überlegung“, schreibt er in einem Brief an die Mitglieder der Bischofskonferenz.
Gründe für seine Entscheidung nennt er nicht. Im Dezember hatte er aber im Deutschlandfunk gesagt, es laste auf ihm, dass die deutschen Bischöfe „nicht mit einer Stimme in jeder Frage reden“.
„Ich kann nicht immer nur moderieren“
Seit Jahren war öffentlich sichtbar: Immer wieder hatten die Bischöfe Stefan Oster (Passau), Rudolf Voderholzer (Regensburg), Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln) und der frühere Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke der progressiveren Mehrheit in der Bischofskonferenz bei Kirchenreformen einen Strich durch die Rechnung gemacht. So gingen insbesondere beim Reformprozess Synodaler Weg die Meinungen auseinander.
Dabei könne er nicht nur moderieren, betonte Bätzing. „Da muss ich als Vorsitzender auch vorangehen und deutlich machen, was mir wichtig ist.“ Der Konferenz-Vorsitzende war reformwillig und trotzte auch Gegenwind aus Rom. Wenn Kritiker dem 2019 gestarteten Reformdialog vorwarfen, zu einer Abspaltung von Rom zu führen, machte Bätzing deutlich, dass kein deutscher Bischof auch nur entfernt in diese Richtung denke und dies auch nie Ziel der katholischen Laien gewesen sei.
Anti-AfD-Erklärung weithin beachtet
Der Limburger Bischof betonte im Dezember aber auch, die Bischofskonferenz sei kein zerstrittener Haufen: In etwa 80 Prozent der Fälle seien sich die 27 Diözesanbischöfe einig, etwa bei der ablehnenden Haltung gegenüber völkischem Nationalismus und beim Lebensschutz.
Unter Bätzings Ägide wurde im Februar 2024 eine weithin beachtete Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Titel „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“ veröffentlicht. Darin hatten die katholischen Bischöfe ausdrücklich die AfD genannt und damit erstmals eine im Bundestag vertretene Partei als nicht wählbar für Christen charakterisiert.
Corona, Missbrauch und die Woelki-Querelen
Der scheidende Bischofskonferenz-Vorsitzende wurde am 13. April 1961 im rheinland-pfälzischen Kirchen (Sieg) geboren und wuchs in der nahe gelegenen 4.000-Einwohner-Gemeinde Niederfischbach auf. Eines war ihm seit Jahren klar: Die Volkskirche, in der er aufwuchs als Sohn eines Bahnangestellten und einer Hausfrau, gehört der Vergangenheit an. „Diese Sozialstruktur, in der Kirche-Sein, in der religiöse Sozialisation irgendwie in einem Automatismus verlief, ist vorbei, und sie wird nicht wiederkommen“, sagte Bätzing: „Wir müssen ganz andere Wege gehen, um mit Menschen die Perspektive des Glaubens zu entdecken.“
Als Bätzing am 3. März 2020 als Nachfolger des Münchner Kardinals Reinhard Marx an die Spitze der Bischöfe gewählt wurde, konnte er nicht ahnen, was folgen würde: Erst kam Corona, dann auch noch die Debatte um Missbrauchs-Aufarbeitung und mangelnde Transparenz im Erzbistum Köln; immer wieder gab es Auseinandersetzungen um Kardinal Woelki.
Teamplayer mit Gelassenheit
Beim Umgang mit sexualisierter Gewalt warb Bätzing für einen innerkirchlichen „Kulturwandel“. Eine im Bistum Limburg von ihm in Auftrag gegebene Missbrauchsstudie hatte gezeigt, dass es auch in dieser Diözese Vertuschung von Missbrauchsfällen gab. Zu wenig sei den betroffenen Kindern und Jugendlichen geglaubt worden. Hier sei eine „Umkehrung des Denkens“ nötig. Nur durch Transparenz könne man neues Vertrauen gewinnen, sagte Bätzing.
Er sah sich nie als Einzelkämpfer, sondern als Teamplayer. Als er 2016 zum Bischof von Limburg geweiht wurde, wählte er den Wahlspruch „Congrega in unum – Führe zusammen“. Trotz krisenhafter Zeiten hat sich Bätzing seine Gelassenheit bewahrt - und im Amt an Profil gewonnen.
Erstmals eine Generalsekretärin
Bemerkenswert auch die Wahl einer Frau zur Generalsekretärin der Bischofskonferenz. Bätzing kannte Beate Gilles seit Jahren, sie war in seinem Bistum für das Thema Familie zuständig. Dass die Deutsche Bischofskonferenz als erste größere Bischofskonferenz der Welt eine Frau in dieses wichtige Amt gewählt hat, wird man künftig auch mit dem Namen Bätzing verbinden.