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Porträt des neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz

Georg Bätzing – Ein Bischof, der zusammenführen will

Als Nachfolger von Franz-Peter Tebartz-van Elst hatte es Bischof Georg Bätzing nicht leicht. Doch er etablierte einen neuen Stil im Bistum Limburg. Nun steht Bätzing zudem an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz. Ein Porträt.

Als Nachfolger von Franz-Peter Tebartz-van Elst hatte es Bischof Georg Bätzing nicht leicht. Doch er etablierte einen neuen Stil im Bistum Limburg. Nun steht Bätzing zudem an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz. Ein Porträt des Nachfolgers von Kardinal Reinhard Marx.

Als der Limburger Bischof Georg Bätzing (58) im September 2016 die Nachfolge des 2014 zurückgetretenen Franz-Peter Tebartz-van Elst antrat, stand er vor einer Herkulesaufgabe. Die Limburger Bischofsresidenz hatte jahrelang für Negativschlagzeilen gesorgt. Vorangegangen war der Skandal um die Verschleierung der Kosten für den rund 31 Millionen Euro teuren Dienst- und Wohnsitz von Tebartz-van Elst. Viele empfanden zudem dessen ganze Amtsführung als autoritär und stellten das System Kirche in Frage.

Und Bätzing war damals klar: „Als Bischof nach Limburg zu gehen, ist gegenwärtig schon ziemlich was Anderes als woanders hin.“ Er wusste, dass er Vertrauen erst einmal zurückgewinnen musste. „Der Bischof ist kein Fürst und Monarch, der auf niemanden zu hören braucht“, sagte Bätzing. Sein neuer, kommunikativer Stil kam gut an im Bistum - und offenbar auch darüber hinaus: Am Dienstag wurde er in Mainz zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt als Nachfolger des Münchner Kardinals Reinhard Marx.

„Kirchensprech“ liegt Bätzing fern

Bätzing wusste von Anfang an, dass die schlagzeilenträchtige Bischofsresidenz auf dem Domberg nicht zu ihm passt. Zugleich war ihm klar: „Ich kann um das Ding keinen Bogen machen.“ Es wurde zwar sein Dienstsitz, er wohnt aber in einem in den 1950er Jahren erbauten Einfamilienhaus, das dem Bistum gehört.

Bätzing hält Dialog für essenziell, um eine Diözese führen zu können: „Ich kann Entscheidungen treffen, aber ich vergemeinschafte gerne die Beratung dahin.“ Seine Gelassenheit und innere Ruhe hat er sich bewahrt. Aufbrausend kann man sich Georg Bätzing, der seine Worte sorgsam und druckreif formuliert, kaum vorstellen. Mit freundlich-einnehmendem Auftreten geht er auf die Leute zu. Abgehobener „Kirchensprech“ liegt ihm fern, obgleich er promovierter Theologe ist.

Gebürtiger Westerwälder aus dem Bistum Trier

Bätzing wuchs in Niederfischbach im Westerwald auf. 1987 wurde er in Trier zum Priester geweiht. Von 1996 bis 2010 war er als Leiter des Priesterseminars für die Priesterausbildung im Bistum Trier verantwortlich. Ab November 2012 leitete er dann als Generalvikar das Bistum Trier im Bereich der Verwaltung. Dort hat er auch Erfahrungen im Durchstehen von Konflikten gesammelt.

Als Bischof von Limburg kündigte Bätzing im April 2019 an, dass er durch eine externe Untersuchung Missbrauchsverdachtsfälle und Taten von Klerikern der vergangenen 70 Jahre „bestmöglich aufklären“ lassen wolle. Identifizierte Täter und die „für die Vertuschung von Taten Verantwortlichen“ in der Diözese sollten benannt und zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Im November 2019 gab das Bistum selbst bekannt, dass ein rund 30 Jahre zurückliegender Fall von sexuellem Missbrauch „vertuscht“ worden sei. Der Fall wurde im Detail offengelegt.

Bätzing zu Zölibat: Priester könnten frei wählen

Auch in der Debatte um Reformen hat sich Bätzing klar positioniert. Eine Aufhebung des Pflichtzölibats kann er sich gut vorstellen. „Ich glaube, es schadet der Kirche nicht, wenn Priester frei sind, zu wählen, ob sie die Ehe leben wollen oder ehelos leben wollen“, sagte er in einem Interview. Zugleich sei es aber wichtig, den Zölibat als Lebensform zu „retten“, ergänzte der Bischof: „Mir ist der Zölibat viel wert. Denn so hat Jesus gelebt.“

Den geltenden Ausschluss von Frauen von katholischen Weiheämtern - also Diakon, Priester, Bischof - sieht Bätzing kritisch. Er müsse als Bischof „ernstnehmen, dass der Ausschluss der Frauen von Weiheämtern als grundlegend ungerecht und unangemessen wahrgenommen wird in einer gesellschaftlichen Umgebung, die Frauen und Männer lange schon in ihren Rechten gleichstellt“, sagte er an Silvester.

Sein Wahlspruch: „Führe zusammen“

Den katholischen Reformdialog des Synodalen Weges verteidigte Bätzing massiv gegen Kritiker. Bei der ersten Synodalversammlung in Frankfurt war er der gastgebende Bischof. Bätzing wurde zudem zu einem der Vorsitzenden beim Synodal-Forum „Leben in gelingenden Beziehungen - Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“ gewählt.

„Die Entscheidung zum Synodalen Weg war kein von langer Hand vorbereiteter 'Aufstand' liberaler Kräfte mit dem Ziel, endlich lange angemahnte Veränderungen durchzudrücken“, sagte der Bischof. Die reformorientierten Kräfte wollten auch keine Abspaltung von der weltweiten katholischen Kirche. Zu spalten, das wäre gegen Bätzings Naturell. Sein bischöflicher Wahlspruch lautet „Congrega in unum“. Und das heißt: Führe zusammen.

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