Künstler schenkt das Kunstwerk – Stadt finanziert die Installation

Gerhard Richter installiert Pendel in Münsters Dominikanerkirche

Er habe ein solches Projekt schon seit etwa zehn Jahren im Hinterkopf, hat Gerhard Richter bei der Vorstellung seiner Planungen für eine Kunst-Installation in der profanierten münsterschen Dominikanerkirche verraten. Der international erfolgreiche Künstler wird seine Idee jetzt bis zum Frühsommer 2018 realisieren. Ein Foucaultsches Pendel, bestehend aus einer 35 Kilogramm schweren Messingkugel, wird über einer Natursteinplatte rotieren. Genau dort, wo bis vor wenigen Tagen noch der Altar des ehemaligen Gotteshauses stand.

„Eine solche Installation ist nicht nur schön“, sagte Richter in der Barockkirche an einer belebten Einkaufstraße in Münster. „Sie zeigt auch faszinierende Bewegungen.“ Dass mit einem solchen Pendel einst mittelalterliche Vorstellungen von der Form und Bewegung der Erde widerlegt wurden, macht für ihn die Kirche als Ort besonders interessant. „Es ist ein entscheidender Beweis für die Erdrotation – ein Sieg der Naturwissenschaft.“ Es ist nach dem bekannten Kirchenfenster im Kölner Dom erst das zweite Kunstwerk Richters in einem sakralen Raum.

Kein reines Museum

Das Pendel soll aus der 29 Meter hohen Kuppel an einem Stahlseil herunterhängen und über einer Bodenplatte mit vier Meter Durchmesser schwingen. Mit vier sechs Meter hohen farbigen Glasflächen will der Künstler die Wirkung intensivieren. Spiegelungen sollen dabei die Bewegung des Pendels reflektieren. Die Kunst soll die Dominikanerkirche aber nicht zu einem reinen Museum machen. Kulturelle Veranstaltungen sollen dafür sorgen, dass rund um das schwingende Pendel ein ebenfalls bewegter Ort entsteht.

Gerhard Richter
Gerhard Richter vor den Skizzen seines geplanten Kunstwerks. | Foto: Michael Bönte

Das Kunstwerk ist ein Geschenk des Künstlers, dessen Werke bereits zweistellige Millionen-Summen erzielt haben. Den Kontakt zu dem 85-Jährigen aus Köln hatte die münstersche Kulturdezernentin Cornelia Wilkens geknüpft. Die Stadt hat die Schenkung jetzt offiziell angenommen. Für die Installation des Kunstwerks werden im Haushaltsplan 2018 von der Stadt 650.000 Euro bereitgestellt.

Respekt vor dem Kirchenraum

Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe bezeichnete das Kunstwerk als eine unschätzbare Ergänzung der städtischen Kulturlandschaft. „Sie zeigt dabei auch Respekt vor dem Ort, der ehemaligen Kirche.“ Denn es werde ein Raum des Austauschens, der Begegnung und der Besinnung entstehen.