Viele Bischöfe und Priester tragen am Altar Dinklager Design

Gewänder aus der Werkstatt von Kloster Dinklage weltweit gefragt

Nur das gefärbte Garn kaufen die Schwestern zu. Von da an entsteht alles im Kloster Dinklage. Ganz am Anfang der Stoff, der nach und nach auf den hölzernen Webstühlen wächst und sichtbar wird. Wo das Schiffchen Reihe für Reihe durch die Kettfäden schießt. Alles unter dem sachkundigen Blick von Schwester Maria Regina, die den Bereich Weberei und Paramentik leitet.

Festliche Messgewänder, prächtige Stolen, prunkvoll Chormäntel sind ihr Alltag. Liturgische Gewänder nach ganz spezieller Dinklager Art. Mit einem Muster, das seine Ursprünge wohl im Koptischen habe, wie sie vermutet. „So weben nur wir!“, betont Schwester Maria Regina, „und wir kennen niemanden sonst, der das so macht.“

Auf Symbole wird verzichtet

Eine Mitschwester, die in Rom studierte, sei mal einem Priester mit einer violetten Stola begegnet, deren Muster ihr bekannt vorkam. „Sie hat nachgefragt“, sagt Schwester Maria Regina, „Und tatsächlich: Die Stola war von uns.“

Das Grundmaterial der Stoffe ist in der Regel komplett aus Seide. Daraus sind auch sämtliche Kettfäden, die auf den Rahmen des Webstuhls gespannt sind. Durch sie hindurch werden die so genannten Schussfäden „geschossen“, aus Seide, Baumwolle oder Wolle. Mit ihnen lässt sich nach und nach das Muster aufbauen.

Das Grundmaterial ist Seide

Auf Symbole verzichten die Schwestern völlig. Von dieser Dinklager Spezialität müssen Auftraggeber wissen, die sich wegen eines Priestergewandes an das Kloster wenden. Weder Kelche noch Kreuze finden sich auf den Stoffen.

„Für uns sind die Gewänder selbst Symbole“, sagt Schwester Maria Regina und erklärt: „Bildliche Darstellungen gehörten zu einer Zeit, als der Priester mit dem Rücken zu den Leuten stand und in einer Sprache redete, die die Menschen nicht verstanden. Da mussten die Leute etwas zu gucken haben. Insofern haben sie sich erübrigt.“

Die Farben stehen zeichenhaft

Wenn überhaupt etwas symbolisch dargestellt werden solle, dann höchstens über Farbe. Wie die Überstola, die den Sonnengesang des Heiligen Franziskus zum Thema hatte. Schwester Maria Reginas Mitschwester übersetzte dafür Begriffe wie Sonne, Erde oder Feuer in Gelb, Braun und Rot.

Auch die meisten Stoffe stellen die Schwestern selbst her. | Foto: Kloster Dinklage
Auch die meisten Stoffe stellen die Schwestern selbst her. | Foto: Kloster Dinklage

Für ein Messgewand kalkuliert Schwester Maria Regina je nach Muster 25 bis 40 Stunden Arbeitszeit für die Webarbeiten. „Wenn man gut im Fluss ist, dann schafft man schon einiges“, sagt sie.

15 Stunden dauert das Zusammennähen

Das Zusammennähen erfordere weitere 15 Stunden. Über einen Mangel an Arbeit brauchten sich die Schwestern in den vergangenen Jahren nicht zu beklagen. Gewänder aus Dinklage sind und waren gefragt. „Wir hatten in den vergangenen zehn Jahren eine Reihe von großen Aufträgen“, sagt Schwester Maria Regina.

Sie weiß aber: Auch Priestergewänder folgen einer Mode. Mal sind Stickereien gefragt, mal Seidenmalerei und mal wieder stärker Gewebtes à la Dinklage. Mal möglichst prunktvoll, mal möglichst einfach.

Ab und zu auch eine Mitra

Auch Bischöfe bestellen bei den Schwestern. Schwester Maria Regina erinnert sich etwa an einen großen Auftrag aus Würzburg. „Für Bischof, Hauptzelebranten und Diakone in Weiß, Rot und Grün.“ Ab und zu soll es auch mal eine Mitra sein.

Und auch Anfragen aus dem Ausland landen auf ihrem Tisch. „Im Moment eine aus Amerika für ein grünes Gewand für eine anglikanische Gemeinde“, sagt Schwester Maria Regina. „Von Auftraggebern, die etwas von uns gesehen haben oder im Internet gelesen.

Warum der Webstuhl derzeit ruht

Im Moment nehmen die Schwestern aber keine neuen Webaufträge an. Grund sind Sanierungsarbeiten im Kloster. Dafür muss ein Teil der Werkstätten, darunter die Paramentik, umziehen. Erst Mitte des Jahres soll die Produktion wieder anlaufen.

„Maximal 50 Gewänder fertigen wir im Jahr, mehr schaffen wir nicht“, sagt Schwester Maria. Die studierte Lehrerin und Pastoralreferentin hat erst im Kloster eine Weberinnen-Ausbildung absolviert.

Sie erfreut sich an der Schönheit der kunstvollen Stoffe und Gewänder. Auf die Idee, so etwas selbst gerne mal zu tragen, sei sie dennoch nie gekommen. „Weil eben immer klar war, dass es Paramente sind.“