Fachtagung „Rituelle Gewalt“ in Münster

Gewalt von Satanisten mitten unter uns – wie kann das sein?

Satanisten, Luziferaner, selbsternannte „reinrassige Blutlinien“ – und sie leben mitten unter uns. Wie ist das möglich? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Tagung „Rituelle Gewalt – Wissen schützt“ am Freitag in der Katholischen Hochschule NRW in Münster.

Rund 200 Therapeuten, Vertreter von Behörden, Polizei und Justiz, aber auch Betroffene waren zur Veranstaltung gekommen. Brigitte Hahn vom Referat Sekten- und Weltanschauungsfragen im Bischöflichen Generalvikariat Münster verdeutlichte, wie die Kulte planmäßig und systematisch zu Werke gehen, um ihre sexuellen und rituellen Gewalt-Phantasien auszuleben.

Satan als Weltherrscher

„Luzifer ist für sie der eigentliche Beherrscher der Welt“, verdeutlichte Hahn. Opfer seien vor allem Kinder aus satanistischen Familien, neuerdings aber immer mehr auch Kinder aus anderen Familien, die für die blutigen Rituale rekrutiert werden.

Hahn berichtete über einen Vater, der feststellte, dass seine beiden Söhne im Kindergarten gequält wurden. Ursprünglich wollte der Mann auf der Tagung über die Erlebnisse berichten, hatte aber kurzfristig abgesagt, weil er und seine Familie deswegen bedroht wurden.

Mut der Aussteigerinnen

Eindrücklich berichteten auf der Tagung zwei Aussteigerinnen von den ihnen zugefügten Quälereien wie Ekeltraining, stundenlangem Stehen auf einem Stuhl oder Nahtod-Erfahrungen. Sie machten aber auch Mut, den langen Weg heraus aus den destruktiven Kulten zu finden.

Die Satanisten führten ein Doppelleben: tagsüber als gute Bürger und Christen, nachts und an über 100 rituellen Feiertagen gingen sie den Kulten nach. Viele von ihnen seien in kirchlichen und gesellschaftlichen Ehrenämtern engagiert.

In allen Bereichen der Gesellschaft

Die Anhänger der Kulte seien in allen gesellschaftlichen Bereichen präsent, sagte Hahn: in Banken, Krankenhäusern, Psychiatrien, in der Justiz und Politik. Sie verdeutlichte, dass es bisher kaum gelungen sei, die Täter dingfest zu machen. Dazu sei eine konzertierte Aktion von Polizei, Justiz, Politik und Hilfeeinrichtungen notwendig. Wichtig sei es, das Thema immer wieder neu in die Öffentlichkeit zu bringen.

Veranstaltet wurde die Tagung vom Bischöflichen Generalvikariat Münster, dem Beratungsdienst Sekten- und Weltanschauungsfragen und dem Arbeitskreis Rituelle Gewalt der Bistümer Münster, Osnabrück und Essen.