Was Annegret Laakmann aus Haltern dennoch weiter antreibt

„Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche? Gibt es nicht.“

Ein Bibelvers hat es Annegret Laakmann besonders angetan. „Es gibt nicht mehr Mann und Frau, denn ihr seid alle ‚einer‘ in Christus Jesus.“ Der Vers aus dem Galater-Brief 3,28 bedeutet, dass alle Christen eine Einheit bilden, dass sie vor Gott gleich sind.

Von einer Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Kirche will Annegret Laakmann nicht sprechen. „Sie gibt es nicht“, meint sie, und in ihrer Stimme schwingt Enttäuschung mit. „Wir haben Jahrzehnte auf Kirchenreformen gesetzt. Passiert ist nicht viel“, sagt die streitbare Katholikin.

Warten auf Kirchenreformen

Die 74-Jährige ist um ein offenes Wort nicht verlegen: „Es ist vor allem diese unverändert überhebliche Haltung Frauen gegenüber, die die katholische Kirche an den Rand der modernen Gesellschaften gebracht hat.“

Da sie wenig Hoffnung auf Veränderungen habe, hätten ihre Mitstreiterinnen und sie im Verein „Maria von Magdala – Initiative Gleichberechtigung für Frauen in der Kirche“ vor einigen Jahren entschlossen, die Gruppe aufzulösen.

Prophetische Stimme verstummt

„Die Maria-von-Magdala-Frauen waren älter geworden, und ohne Nachwuchs jüngerer Frauen, die noch Zeit und Kraft in die Veränderung verhärteter Strukturen stecken wollen, macht es wenig Sinn, weiterzumachen“, sagt die Mitgründerin der Initiative und fügt an: „Die römisch-katholische Kirche ist um eine prophetische Stimme ärmer geworden.“

In gewisser Weise hat Annegret Laakmann die jüngere Kirchengeschichte in Deutschland mitgeprägt, auch wenn sie es so nicht formulieren würde. Als sie auf dem Katholikentag 1986 in Aachen auf die Reformbewegung „Katholikentag von unten“ aufmerksam wurde, stand für sie fest, dort mitzumachen.

Gegen Diskriminierung von Frauen

1987 gründete sie mit sieben Frauen den Verein „Maria von Magdala – Initiative Gleichberechtigung für Frauen in der Kirche“ mit dem Ziel, die „Diskriminierung von Frauen in der Kirche allein aufgrund ihres Geschlechts zu überwinden“.

Magdalena.
Das Gemälde in der Kirche in Flaesheim zeigt Maria Magdalena mit Jesus Christus als Gärtner. | Foto: Johannes Bernard

Als biblische Leitfigur für die Initiative wählten sie Maria von Magdala, die herausragende Jüngerin Jesu in den Evangelien. Sie gehört zu den Frauen, die bis zu seinem Tod bei Jesus aushielten und am Ostermorgen das leere Grab entdeckten. Sie wurde vom auferweckten Jesus mit der Osterbotschaft an die Jünger gesandt und gilt als „Apostelin der Apostel“. „Sie ist die Symbolfigur für die geistlichen Berufungen von Frauen im Christentum“, sagt Annegret Laakmann.

Frauengerechte Sprache in der Liturgie

Aus dieser Berufung Maria von Magdalas durch Jesus selbst habe die Initiative auf allen Ebenen der Kirche, auf Veranstaltungen, in Diskussionen, in schriftlichen Eingaben und Gesprächen mit Kirchenleuten für eine rechtlich verankerte Gleichstellung der Frauen in der Kirche gestritten und den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern und zu Entscheidungsgremien gefordert. Zentrale Forderungen waren eine frauengerechte Sprache in der Liturgie und die Aufarbeitung frauendiskriminerender Kirchen-Traditionen und nicht zuletzt eine Veränderung des Gottesbildes, das auf männliche Bilder und Sprache festlegt sei, wie die Initiative meinte.

Um diese Themen hat Annegret Laakmann gerungen. Dass sich die Gruppe nach Maria von Magdala nannte, hatte sie auch deshalb gefreut, weil sie aus einer Gemeinde kommt, die seit Jahrhunderten ihren Namen trägt.

Maria Magdalena als Zeugin der Auferstehung

Bei einem Rundgang durch die Kirche St. Maria Magdalena in Flaesheim zeigt sie eine Statue der Heiligen mit den Worten: „Das ist die Sünderin und Büßerin, die Jesus die Füße gesalbt hat.“ Und sie zeigt ein altes Gemälde aus dem 17. Jahrhundert (siehe Bild): Es zeigt drei Frauen im Grab mit dem Engel, der ihnen aufträgt: „Nun aber geht und sagt seinen Jüngern ...“ (Mk 16,7).

Doch beherrscht wird dieses Gemälde von einer anderen Szene: Maria von Magdala kniet vor Jesus mit dem Spaten, dem vermeintlichen Gärtner aus dem Johannes-Evangelium, und erhält den Auftrag „Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen ...“ (Joh 20,17). „Ein schönes Bild mit einer großen Aussagekraft“, sagt die Flaesheimerin.

Die Initiative
27 Jahre – von 1987 bis zur Selbstauflösung 2014 –  war die Initiative „Maria von Magdala – Gleichberechtigung für Frauen in der Kirche“ ein treibendes Element in der katholischen Kirchenre-formbewegung. Kompromisslos forderten ihre etwa 200 Mitglieder neben der Änderung des Frau-en- und Gottesbildes die völlige rechtliche Gleichstellung der Frauen in der katholischen Kirche: nicht nur mehr Mitsprache und Anerkennung ihrer unverzichtbaren Mitarbeit in der Kirche, sondern die Zulassung auch zum Priesteramt. Aus Enttäuschung, aber auch wegen fehlender neuer Mitglie-der  löste sich der eingetragene Verein im Dezember 2014 auf.