Fotoreportage aus der Gießerei »Petit & Gebr. Edelbrock«

Glocken-Guss in Gescher bei 1180 Grad

Ein Kran ist die einzige Möglichkeit, den ungefähr 600 Kilogramm schweren und glühend heißen Tiegel aus dem Ofen zu heben. | Foto: Constantin Rimpel
Ein Kran ist die einzige Möglichkeit, den ungefähr 600 Kilogramm schweren und glühend heißen Tiegel aus dem Ofen zu heben.Fotos: Constantin Rimpel
Fotostrecke

»Festgemauert in der Erden, steht die Form aus Lehm gebrannt. Heute muss die Glocke werden, frisch, Gesellen seid zur Hand.« Der erste Absatz von Schillers Lied der Glocke ist seit jeher Motto der Zunft der Glockengießer. Seit 325 Jahren produziert die Firma »Petit & Gebr. Edelbrock« aus Gescher im Westmünsterland Kirchenglocken.

»Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele Kirchen und ihre Glocken zerstört. Oder die Glocken wurden zu Waffen umgeschmolzen«, sagt Andreas Hahner, Geschäftsführer des mittelständischen Betriebes.

»Mittlerweile sind fast alle Kirchen wieder bestückt. Daher besteht unsere Hauptaufgabe in der Wartung bestehender Glockenstühle.« Aufgrund der geringen Nachfrage existieren nur noch eine Handvoll dieser Unternehmen in Deutschland.

 Wie das Tor zur Hölle

Ab und zu kommt es dann aber doch vor, dass die Öfen angefeuert werden, um neue Glocken zu gießen. Wie zum Beispiel für die Marienkapelle in der Bauerschaft Horst, die zur Pfarrgemeinde St. Christophorus in Werne gehört. Das seltene Ereignis eines Glockengusses lassen sich etwa 60 Gemeindemitglieder nicht nehmen.

Gebannt blicken sie auf den Ofen, dessen Feuer speiender Deckel auch das Tor zur Hölle sein könnte. Unter ohrenbetäubendem Rauschen werden Kupfer und Zinn zu Glockenbronze eingeschmolzen. Sobald die Temperatur von circa 1180 Grad erreicht ist, geht alles recht schnell. Die Gießer trennen die Schlacke von der Glockenspeise und füllen die beiden Formen mit dem glühenden Metall.

Einige Tage brauchen die Glocken zum Abkühlen, ehe die rohen Glocken aufgearbeitet mehrfach geschliffen und poliert werden, um ein makelloses Aussehen zu bekommen und den gewünschten Ton zu läuten.

Glockenweihe in der Gemeinde

Sechs Wochen nach dem Guss ist es dann so weit. Die Glocken hingen im Weihebock der Marienkapelle und warten auf die Einführung in die Gemeinde. Zur Weihe ist die Kapelle gut gefüllt. Pfarrer Jürgen Schäfer beschreibt den Weg der Glocken von der Sammlung der Spendengelder bis zur Fertigstellung und bedankt sich bei der Gemeinde und dem Bistum Münster für die Unterstützung.

Die neuen Glocken sind in ihrer Tonlage den bestehenden Glocken angepasst. Der Höhepunkt der Zeremonie ist das Anstimmen des »Te Deum«, zu dem alle vier Glocken ihren harmonischen Zusammenklang über den Dächern der Gemeinde hören lassen.