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Christen kritisieren „Kampagne“ der israelischen Regierung

Grabeskirche in Jerusalem geschlossen – aus Protest gegen Politik

Aus Protest gegen die israelische Politik gegenüber den Kirchen haben örtliche Kirchenführer die Grabeskirche in Jerusalem geschlossen. Den politisch Verantwortlichen werfen sie eine Kampagne gegen Kirchen vor.

Aus Protest gegen die israelische Politik gegenüber den Kirchen haben örtliche Kirchenführer die Grabeskirche in Jerusalem bis auf weiteres geschlossen. Die „systematische und offensive Kampagne“ gegen Kirchen und Christen habe mit der Ankündigung der Verantwortlichen in Jerusalem, Kircheneigentum wegen angeblicher Steuerschulden zu beschlagnahmen, „ein ungekanntes Ausmaß“ erreicht, heißt es in einer am Sonntag vom griechisch-orthodoxen Patriarchen Theophilos III. öffentlich verlesenen Erklärung. Zu den Unterzeichnern gehören neben Theophilos auch Franziskanerkustos Francesco Patton sowie der armenische Patriarch Nourhan Manougian.

Die Forderung nach einer Steuerpflicht widerspreche der historischen Stellung der Kirchen in Jerusalem, so die Kirchenführer. Die Maßnahmen der Stadt „brechen bestehende Abkommen und internationale Verpflichtungen, die die Rechte und Privilegien der Kirchen garantieren“.

Vergleich mit Judenverfolgung in Europa

Die Grabeskirche in der Jerusalemer Altstadt zählt zu den wichtigsten Orten der Christenheit und ist jedes Jahr Ziel Hunderttausender Besucher. Christen verehren dort den Ort der Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung Jesu. Die Kirche ist heute gemeinsamer Besitz verschiedener Konfessionen. Die größten Teile entfallen auf griechisch-orthodoxe, westlich-katholische (lateinische) und armenisch-orthodoxe Christen. Die drei Kirchen teilen sich die Besitzrechte und sind für den Status quo sowie die Verwaltung der heiligen Stätten im Heiligen Land verantwortlich.| KNA, Foto: Michael Bönte

Das Vorgehen Israels gegen die Kirchen gipfele in dem geplanten Gesetz der Parlamentsabgeordneten Rachel Azaria, das am Sonntag vom zuständigen Ministerrat beraten werden soll. Es sieht vor, dem Staat die Enteignung von an Privatinvestoren verkauftem Kirchenland zu ermöglichen.

„Dies erinnert uns alle an Gesetze ähnlicher Natur, die gegen die Juden in den dunklen Zeiten in Europa erlassen wurden“, so die drei Kirchenvertreter. Opfer des auf die „Schwächung der christlichen Präsenz“ angelegten Vorgehens seien verarmte Familien, „die ohne Nahrung und Wohnung ausgehen, ebenso wie die Kinder, die nicht mehr zur Schule gehen können“.

Grabeskirche nicht zum ersten Mal geschlossen

Laut der Stellungnahme handelt es sich bei der Schließung der Grabeskirche um einen Präzedenzfall. Vertreter der Franziskaner und des lateinischen Patriarchats bestätigten hingegen gegenüber der Katholischen Nachrichen-Agentur (KNA), dass es bereits 1990 während der ersten Intifada sowie 2000 während der zweiten Intifada ähnliche Schließungen der Kirche als Zeichen der Solidarität mit den Palästinensern gegeben habe.

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