Der neue Pfarrer im Porträt

Gregor Kauling: Ein Pilger wird Wallfahrtsrektor in Kevelaer

Die 42 Fußkilometer von Dinslaken nach Kevelaer ist Dechant Gregor Kauling schon gelaufen. „Sechs oder sieben Mal, immer am dritten Samstag in September“, sagt der Pfarrer von St. Vincentius Dinslaken. 2017 jähre sich die Traditionswallfahrt zum 75. Mal. „Fünf Uhr morgens Messe, kleines Frühstück, um sechs Uhr Aufbruch“, sagt er. „Mit kurzen Andachten und Pausen sind wir zwölf Stunden zu Fuß unterwegs.“ Dann sei er „Pilger unter Pilgern“. Dann genieße er die Konzentration auf das Wesentliche, die Entschleunigung vom Alltag, die Gespräche.

„Wallfahrer sind nicht unbedingt kirchengebunden“, sagt Kauling. Für ihn eine gute Gelegenheit, Menschen mit ihren Wünschen und Bedürfnissen kennen zu lernen. „Am Ende sind alle erschöpft. Wenn wir gegen 20 Uhr die Straße zur Kevelaerer Gnadenkapelle hinunterlaufen, ist das ein berührender Moment.“ Vor der Trösterin der Betrübten lege man seine Belastungen ab, könne sich innerlich befreien.

„Bewahrer und Hüter des Lichts“

Mitte November wird Kauling als neuer Pfarrer von St. Marien, neuer Wallfahrtsrektor und neuer Leiter des Priesterhauses nach Kevelaer ziehen. Bischof Felix Genn hat den 53-Jährigen zum Nachfolger von Rolf Lohmann berufen, der am 8. Juli zum Bischof geweiht wurde.

Was tut ein Wallfahrtsrektor? „Er ist verantwortlich für die Gestaltung der Spiritualität, für die Kultur des Empfangs“, sagt Kauling im Gespräch mit „Kirche+Leben“. „Der Ort hat etwas Heiliges. Der Wallfahrtsrektor ist so etwas wie der Bewahrer und Hüter dieses Lichts.“ Gleichzeitig sei der Wallfahrtsort offen für heutige Menschen. Er sehe seine zukünftige Aufgabe „zwischen Tradition und Öffnung“.

Stadtplaner mit Diplom

Kauling ist Jahrgang 1964, gebürtig aus Haltern, „in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen und katholisch sozialisiert in der Kinder- und Jugendarbeit, als Messdiener, im Ferienlager“.

Nach dem Abitur entschied er sich für ein ingenieurwissenschaftliches Studium mit viel Praxisbezug in Aachen. Er wurde Stadtplaner mit Diplom. Der Unterricht bei seinem einstigen Erdkundelehrer hatte ihn dazu inspiriert. „Stadtplaner beschäftigen sich mit sozialem Wohnraum und dem Lebensraum von Menschen“, sagt er.

Ein anderes Sehnen

Parallel gab es immer auch dieses andere Sehnen. Der Student besuchte Taizé, nahm an Jugendgebetstagen teil, suchte Kontakt mit neuen geistlichen Gemeinschaften. Im belgischen Moresnet fand er mit „Foyers de Charité“ eine solche Gemeinschaft, mit der er bis heute verbunden ist. 1987, anlässlich einer Jugendbegegnung mit Mutter Teresa in Kevelaer, horchte der damals 23-Jährige auf. „Es macht glücklich, sein Leben zu verschenken“, hatte die indische Ordensfrau gesagt.

Später, als er von 1993 bis 1999 in Münster und München Theologie studierte, kam er auch in Kontakt mit der Gemeinschaft Emmanuel. 1999 wurde er zum Priester geweiht. Pfarrer wurde er ganz schnell. 2003 erst in Warendorf, ab 2009 in Dinslaken.

Abschied mit Wehmut

Mit 23.000 Katholiken ist St. Vicentius die größte Pfarrei am Niederrhein. Dinslaken habe eine heterogene Bevölkerung: ehemalige Bergarbeiter, Muslime, eine in die Schlagzeilen geratene Salafisten-Szene, aber auch bürgerliche Stadtteile. Mitten hinein geriet Kauling in einen „anstrengenden und schmerzhaften“ Zusammenlegungsprozess von Gemeinden.

„Zwischen 2001 und 2012 hat es fünf Fusionen gegeben und eine, die rückgängig gemacht wurde.“ Heute gehören zu St. Vincentius sieben Gemeindestandorte. „Nach fünf Jahren sind wir jetzt wieder auf ein neues Fundament des Vertrauens und der Verlässlichkeit gekommen.“ Nicht zuletzt deswegen schwinge beim bevorstehenden Abschied viel Wehmut mit. „Vielleicht hängt deswegen mein Herz so an den Menschen“, sagt er.

„Berührt und erschüttert“ von der Ernennung

Er freue sich aber auch auf Kevelaer. Von der Ernennung zum Wallfahrtsrektor sei er völlig überrascht worden. „Nach einer Firmung nahm mich Bischof Wilfried Theising zur Seite, und hat mir gesagt, dass Bischof Felix Genn sich mit mir in Verbindung setzen will.“

Er sei so berührt und erschüttert gewesen, dass er oft abends allein in der dunklen Kirche gebetet habe. „Und dankbar, dass ich von Weihbischof Wilfried vorgewarnt wurde.“ Als Genn am folgenden Samstag bei ihm anrief, habe er zugesagt. Mitte November übernimmt er sein neues Amt