Jesuiten beraten in Rom Lage ihres Ordens

Größter Männerorden geht in Klausur

Die Jesuiten, der größte Männerorden der katholischen Kirche, beginnen Montag (03.10.2016) in Rom mit einer Debatte über die Lage und Herausforderungen ihrer Gemeinschaft. Im Anschluss an die mehrtägigen Beratungen wählt die 36. Generalversammlung der Jesuiten, voraussichtlich in der kommenden Woche, einen neuen Generaloberen. Eröffnet wurde das Treffen von 212 Provinzleitern und Delegierten am Sonntag (02.10.2016) mit einem Gottesdienst in der römischen Mutterkirche des Ordens, Il Gesu.

Nach der Lagebesprechung tauschen sich die Teilnehmer gemäß alter Tradition vier Tage lang in Zweiergesprächen über mögliche Leitungspersonen aus. Diese sogenannten Murmurationes sind eine Besonderheit der jesuitischen Meinungsbildung. Kandidaturen oder Absichtserklärungen gibt es nicht.

Beginn der Wahl nächste Woche

Mit dem Beginn der Wahlgänge für das Amt des Generaloberen ist erst in einer Woche zu rechnen. Es erfolgen so viele Abstimmungen, bis eine absolute Mehrheit von 107 Stimmen erreicht ist. Über das Ergebnis wird zuerst der Papst informiert. Erst dann wird der Name öffentlich bekanntgegeben.

Der amtierende Ordensgeneral, der Spanier Adolfo Nicolas (80), hatte bereits vor zwei Jahren angekündigt, 2016 sein Amt niederlegen zu wollen. Der Jesuitenorden zählt nach eigenen Angaben derzeit rund 16.400 Mitglieder weltweit. Wie andere Orden verzeichnet er weltweit einen Rückgang. Zudem verschiebt sich das Gewicht nach Asien und Afrika; dort ist die Gemeinschaft im Wachstum.

Auch die Generalkongregation berücksichtigt die Mitgliederstärke der einzelnen Ordensprovinzen. So stammen 59 Prozent der Wähler von der Südhalbkugel; bei der Generalkongregation 2008 waren es noch 45 Prozent.