Worum geht es? Welche Symbole gibt es?

Gründonnerstag - Karfreitag - Osternacht: Die Gottesdienste

Kreuz
Große Gottesdienste führen auf das Osterfest zu.Foto: Martin Schmitz

Gründonnerstag, Karfreitag, Osternacht: An drei Tagen begehen die katholischen Christen den Höhepunkt ihres Glaubens. Und sie feiern drei Gottesdienste, wie es sie im ganzen Kirchenjahr nicht noch einmal gibt.

Große Liturgien erinnern an das Leiden, das Sterben und die Auferstehung Jesu. Wir erläutern die Gottesdienste und ihre zentralen Symbole.

Gründonnerstag

Getreu jüdischer Tradition versteht sich die Messe vom letzten Abendmahl am Gründonnerstag als vorabendlicher Auftakt des »Triduum Paschale«, des »österlichen Dreitags« – in einer überraschend feierlichen Liturgie. Als wäre von Fastenzeit keine Rede mehr, werden österlich-weiße Gewänder getragen, wird sogar das Gloria gesungen. Danach verstummen Orgel und Glocken: Stille Ernsthaftigkeit zieht ein in diesen von liebevoller Abschiedlichkeit geprägten Gottesdienst. Die erste Lesung aus dem alttestamentlichen Buch Exodus stellt die Verbindung mit dem Pessachfest her: der Abend des »Vorübergangs« des Herrn, an dem die Israeliten im ägyptischen Exil Lammblut an die Türpfosten streichen – als verschonendes Erkennungszeichen für Gott.

 Gottesdienst-DoFoto: Michael Bönte

Die zweite Lesung aus dem neutestamentlichen Korintherbrief setzt hier an: »Ich habe empfangen, was ich euch überliefert habe.« Und das Evangelium nach Johannes berichtet von der Fußwaschung beim Letzten Abendmahl Jesu. Das Verkündete wird schließlich getan – daher sollte die Fußwaschung auch überall praktiziert werden, als Einlösen des Gedächtnisauftrags. Darum wird in die Einsetzungsworte im Hochgebet eingefügt: »Das ist heute!« Danach wird der Altarraum leer geräumt, das Allerheiligste hinaus gebracht. Es bleibt der nackte, leere Raum: Jesus im Garten Getsemani. Die Liturgie endet ohne Segen, denn am Karfreitag wird das Gedenken fortgesetzt ...

Karfreitag

Wo der Gottesdienst am Gründonnerstagabend endete, geht es weiter in der leer geräumten Kirche. Es gibt nicht einmal eine förmliche Eröffnung. Priester und Altardienste ziehen in Stille ein (in roten Gewändern) und werfen sich ohne jeden Kommentar auf den Boden, die Gemeinde kniet schweigend. Nicht anbetend, sondern zutiefst bewegt von dem, wessen es da zu gedenken gilt. Es geht um nichts anderes als um Leiden, Sterben, Tod. Anders als sonst richten sich denn auch die ersten Worte des Priesters nicht an die Gemeinde, sondern an Gott: »Gedenke Herr, der großen Taten, die dein Erbarmen gewirkt hat.« Fast stumpf folgen die Lesungen: aus dem Gottesknechtlied des Propheten Jesaja (»ein Mann der Schmerzen, mit Krankheit vertraut«) und aus dem Hebräerbrief, der Jesus als den Hohenpriester vorstellt, den »Urheber des ewigen Heils«.

Gottesdienst-FrFoto: Michael Bönte

Dann wird die Passionsgeschichte gelesen – in der Überlieferung des Johannes-Evangeliums. Die Dramatik steigert sich bis zum Höhepunkt: dem Tod Jesu zur neunten Stunde (15 Uhr). Da schweigt die Gemeinde. Es folgen die »Großen Fürbitten« für die Kirche, die Welt, die Juden, selbst für jene, die nicht glauben können. Anschließend wird das verhüllte Kreuz hereingetragen, Schritt für Schritt enthüllt – und verehrt. Manche Gemeinden verzichten auf die Kommunionfeier, um die Leere nach dem Tod Jesu zu betonen. Die Liturgie endet, wie sie begann: mit einem Gebet, ohne Segen. Still ziehen alle aus. Was bleibt, ist das Kreuz.

Osternacht

Die größte, älteste, längste Liturgie ist die Osternacht. Ursprünglich eine »Vigil«, ein nächtlicher Wach-Gottesdienst mit Lesungen und Psalmengebeten. Damit sind eigentlich Diskussionen um den Zeitpunkt der Osternacht hinfällig.

Am Anfang steht das Feuer, ein »neues« Feuer, wie es heißt, das draußen entfacht und gesegnet wird. An dem neuen Feuer wird die Osterkerze entzündet. Der Priester spricht dazu: »Christus ist glorreich auferstanden vom Tod. Sein Licht vertreibe das Dunkel der Herzen.«

 Foto: Archiv

Von dieser beglückenden Botschaft erfüllt, zieht die Gemeinde in die stockfinstere Kirche ein. Wo zuletzt der todesdunkle Karfreitag begangen wurde, erklingt nun dreimalig der Ruf »Lumen Christi« – »Christus, das Licht«, und allmählich wird die ganze Kirche durch das sich ausbreitende Kerzenlicht in den Händen der Menschen erhellt.

Das »Exsultet«, das Osterlob, besingt diese »wahrhaftig selige Nacht«, in der durch den Tod alle Schuld genommen und das Leben neu geschaffen wurde. Diese Erlösungstat wird in den folgenden – mindestens fünf, maximal neun – Lesungen gedeutet. Unverzichtbar ist die Schöpfungsgeschichte am Anfang: »Es werde Licht! Und es ward Licht.« Das Chaos weicht, Ordnung entsteht: der Himmel oben, die Sterne, die Zeit in Tag und Nacht, die Erde, das Wasser, Tiere und Pflanzen, der Mensch. Und am Ende steht der siebte Tag, der Sabbat – letztlich der christliche Sonntag, der wöchentliche Gedenktag von Ostern. Verpflichtend ist auf jeden Fall die Lesung vom Durchzug des Volkes Israel durch das Rote Meer: Die Spaltung der Wassermassen, die den Verfolgern Tod und dem auserwählten Volk das Leben, Freiheit, Auszug in die Heimat geben – ein gewaltiges Bild für Tod und Auferstehung und natürlich für die Taufe, das »Wiedergeboren-Werden« im Durchgang durch dieses Wasser.

Gottesdienst-WasserFoto: Archiv

Langsam steigert sich die Feierlichkeit, denn bislang galt nach wie vor das am Gründonnerstag begonnene Schweigen von Orgel und Glocken. Nach der letzten alttestamentlichen Lesung wird das Gloria angestimmt – mit vollem Geläut und voller Orgel. Und im Anschluss an die Lesung aus dem Römerbrief ruft die Lektorin oder der Lektor: »Ich verkünde euch eine große Freude: das österliche Halleluja!« Wenn möglich, sollte dieses Oster-Halleluja dreifach gesteigert gesungen und das Evangelium von der Auferstehung Jesu mit großer Feierlichkeit begrüßt werden – am besten begleitet von der aufgehenden Sonne des Ostertags ...

»Wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, sind auf seinen Tod getauft worden.« So sagte es die Lesung aus dem Römerbrief. Entsprechend ist die Osternacht zugleich der Tauftag schlechthin. Wo keine Taufe stattfindet, gehört dennoch die Tauferneuerung aller Gläubigen unbedingt hierher. Wer den österlichen Dreitag bewusst und intensiv mitgefeiert hat, wird das Bekenntnis zu diesem Glauben umso inniger, überzeugter sagen und erneuern können. Mancherorts werden die anschließenden Fürbitten in Anlehnung an die zehn Fürbitten der Karfreitagsliturgie gestaltet – und, wo möglich, gesungen.

Es schließt sich die Eucharistiefeier an, die in den verschiedenen Hochgebeten zur Auswahl nochmals das Geschehen von Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern zusammennimmt – und die in dieser Nacht besonders aktuell klingen.

Schön ist es, wenn die Gemeinde anschließend zum Osterfrühstück zusammenbleibt.