Indonesiens Ex-Präsident sprach über Islam und Demokratie an der Uni Münster

Habibie: Deutschland kann bei Integration von Indonesien lernen

Kann Indonesien, der demokratisch geprägte Inselstaat mit seiner mehrheitlich sunnitischen Bevölkerung, ein Modell für andere muslimische Gesellschaften sein? Kann er gar Deutschland bei der Integration von Flüchtlingen und beim Zusammenleben verschiedener Kulturen helfen? Indonesiens Ex-Präsident Bacharuddin Jusuf Habibie ist überzeugt, dass die Politiker in Berlin von Indonesien lernen können.

Unter dem Leitwort „Wie demokratiefähig ist der Islam?“ hatte das Zentrum für islamische Theologie (ZIT) und das Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster am Mittwoch zum Vortrag und anschließender Podiumsdiskussion ins münstersche Schloss eingeladen. Die Veranstalter gaben dem 80-jährigen Hauptredner, Ex-Präsident Habibie, ein ehrenvolles Forum, seine Ideen auszubreiten. Antworten auf die oben genannten Fragen blieben alle Beteiligten allerdings schuldig.

„Religion, Kultur, Wissenschaft und Technologie sind die wichtigsten Werte“

Habibie, der als Vater der 20 Jahre jungen indonesischen Demokratie gilt, studierte von 1954 bis 1960 an der TH Aachen Luft- und Raumfahrttechnik und promovierte auch dort. „Wenn ich beten wollte, ging ich in den Aachener Dom. Es gab ja keine Moschee. Beten kann man in jedem Gebäude, das im Sinne Gottes errichtet wurde.“

Nach dem Rücktritt von Diktator Suharto arbeitet Habibie in seinem Heimatland von 1998 bis 1999 maßgeblich am Aufbau demokratischer Strukturen mit und bildete eine Vereinigung intellektueller Muslime. „Religion, Kultur, Wissenschaft und Technologie sind die wichtigsten Werte, die wir vermitteln müssen. Mit ihnen kann man Menschen produktiver und konkurrenzfähiger machen“, sagte er. Er sei zu entferntesten Archipelen des Insel-Staats geflogen, um mit christlichen und muslimischen Schülern zu beten, zu essen und ihnen Bücher zu bringen. Damals habe es große Unterschiede in den Internaten gegeben. „Die christlichen hatten vier Schüler auf einem Zimmer untergebracht, die muslimische 20. Armut ist ein Hort für Revolution“, sagte er.

Pollack: Muslime fühlen sich in Deutschland nicht anerkannt

Bei der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Indonesien mit seiner multiethnischen Bevölkerung ein eigenes Gepräge hat und mit den arabischen Ländern kaum zu vergleichen ist. Der evangelische Theologe Hans-Peter Großhans sagte, dass neuerdings auch in Indonesien islamistische Staaten wie Saudi-Arabien Einfluss auf die sunnitische Mehrheit zu gewinnen versuchten. In begrenzten Gebieten sei die Scharia eingeführt.

Der Religionssoziologe Detlef Pollack verdeutlichte, dass es „für Menschen aus islamischen Kulturen schwer ist, die Prinzipen der westlichen Demokratien zu begreifen. Sie wollen sie bejahen und sich integrieren und gleichzeitig stolz auf ihre Herkunft hinweisen.“ Das Problem in Deutschland sei, dass viele Muslime sich nicht anerkannt fühlten. „Je gebildeter sie sind, umso mehr bestehen sie darauf, nicht Bürger zweiter Klasse zu sein“, sagte er.