Priester und langjähriger Spiritual in Münster

Hans-Karl Seeger legt Buch vor: „Sehnsucht – aber wonach?“

Ein Satz des heiligen Augustinus hat den langjährigen Spiritual am früheren Theologenkonvikt Collegium Borromaeum in Münster und geistlichen Leiter Hans-Karl Seeger zeitlebens beschäftigt: „Denn geschaffen hast du Gott uns zu dir, und ruhelos ist unser Herz, bis es ruht in dir.“

Das Zitat greift der heute in Billerbeck lebende Seelsorger in seinem Buch „Sehnsucht – aber wonach?“ auf, um über Sinn und Sehnsucht nachzudenken. „In stillen Stunden kann in uns eine Sehnsucht erwachen, von der wir ahnen, dass sie auf Erden nicht zu stillen ist. In der Regel ist sie mit vielerlei Geschäftigkeit zugedeckt oder ertrinkt sogar in einer Sucht“, meint der 81-jährige Priester.

Sehnsucht als Kompass

Für religiöse Menschen ist die Sehnsucht wie ein Kompass und Wegweiser. Sie kann nicht sinnlos sein. Jenseits der erfahrbaren Wirklichkeit muss es etwas geben, bei dem diese Sehnsucht Erfüllung findet. Für viele ist sie die Transzendenz, Christen nennen sie Gott.
„Der Mensch ist von Gott und auf Gott geschaffen, dass er immer über sich hinaus denkt, immer nach mehr verlangt“, schreibt Seeger und widmet mit einem philosophischem Satz sein Buch all denen, „die sich nach dem Einssein mit dem All-Einen sehnen, in dem jegliche Illusion über das Leben zerplatzt“.

Grundfragen der Menschen

Mithilfe der Philosophie- und Theologiegeschichte geht der Autor den Grundfragen der Menschen nach: Wo komme ich her? Was ist der Sinn meines Daseins? Was darf ich hoffen?

Das Verlangen nach Vollendung des Lebens ist für den Geistlichen allzu menschlich und ist als die tiefste Sehnsucht der Menschen auf Erden nicht zu erfüllen. Eingebrannt ist im menschlichen Denken die Sehnsucht nach dem Unendlichen, Ewigen und Transzendenten. Der Schriftsteller Kurt Tucholsky habe dies auf die Formel gebracht: „Die Welt ist eine Nummer zu klein geraten, um die unendliche Sehnsucht eines Menschen stillen zu können.“

Vorzüge der Religion

Das neue Buch.
Das neue Buch. | Foto: Johannes Bernard

Auf 240 Seiten stellt Seeger die Vorzüge der Religion dar und antwortet aus christlicher Perspektive auf die existenziellen Fragen. Auf die Vielfalt der Religionen antwortet Seeger so: „Religion ist die älteste menschliche Einrichtung, denn ihr Ursprung liegt im Ursprung selbst. Es existieren zahlreiche Religionen und Wahrheitsansprüche. Vielleicht hat Gott diese Vielfalt gewollt, damit keine Religion sich anmaßt, selbst zu sein wie Gott. Somit sind Religionen vermutlich verschiedene Zugangsweisen zum selben Geheimnis.“

Ausführlich beschreibt Seeger die drei Grundtriebe im Menschen: Besitz, Macht und Liebe. Religion und Erotik sollten seiner Ansicht nach nicht feindlich gesinnt sein. Ein aufgeklärtes Verständnis von Eros und Geschlechtlichkeit ist für ihn ebenso unabdingbar wie eine Theologie der Erotik.

Der Priester warnt vor einer enggeführten Sexualmoral und einer leibfeindlichen Theologie. Was Gott geschaffen habe, dessen brauche sich der Mensch nicht zu schämen, meint Seeger und schreibt: „Nichts macht den Menschen so unterwürfig und beherrschbar wie ein durch anerzogene Angst ständig schlechtes Gewissen mit dem tief sitzenden Gefühl, schlecht zu sein und Strafe sowie schlechte Behandlung verdient zu haben. Nichts macht von der Begierde abhängiger als der befohlene Kampf gegen das Objekt der Begierde.“

Buchtipp
Hans-Karl Seeger: „Sehnsucht – aber wonach? Eins zu werden mit mir selbst und mit allem, was ich nicht bin“
240 Seiten, 13,95 €, nick emotion Medienproduktion Billerbeck 2017, ISBN 978-3-943884-07-4