„Fast alles hat seinen Ursprung in der St.-Johannes-Gemeinde“

Harald Schmidt wird 60: Seine katholische Seite

Mit Kriminaloberrat Gernot Schöllhammer im Schwarzwald-„Tatort“ ist es dann doch nichts geworden. Die Rolle hat Harald Schmidt kurz vor Drehbeginn abgesagt. Dabei hatte er klare Vorstellungen von der Figur, die er gern als „eine Art Thomas de Maizière in Uniform“ und „heterosexuellen, katholischen Familienvater“ angelegt hätte. „Unsere Gesellschaft ist reif, ein derart radikales Lebensbild am Sonntagabend anzuschauen.“

Da blitzte sie wieder auf, die katholische Seite von „Dirty Harry“. Der Late-Night-Talker und Schauspieler, der am Freitag 60 Jahre alt wird, hat seine Läster-Karriere in einer schwäbischen Pfarrei begonnen. „Egal, was ich heute beruflich verwerte, fast alles hat seinen Ursprung in der St.-Johannes-Gemeinde“, bilanzierte Schmidt einmal.

Im Badetuch den Priester gespielt

Schmidt wuchs in Nürtingen in einem sehr katholischen Elternhaus auf. Er lernte sogar das Orgelspiel, machte Zivildienst im Pfarramt. Mit Schwester Hildegard sei er zum Großhandel gefahren, um 120 Kilo Pfirsich-Kompott, 100 Kopfsalat und 150 Büchsen Thunfisch für die Seniorenfreizeit einzukaufen, so Schmidt. Und als Hilfsorganist sei er eine „Art Berufskatholik“ geworden. Er sei in dieser Maschinerie drin gewesen, „Sonntag für Sonntag“.

Seinen „Darstellungszwang“ entwickelte der Wahl-Kölner im Kirchenmilieu. „Erst habe ich viel den Priester gespielt, mir ein Badetuch umgehängt und gepredigt, Oblaten als Hostien verteilt. Später habe ich dann bei Kaffeerunden angefangen, die Nachbarn nachzumachen oder den Lehrer.“

„Größter Verehrer des Papstes auf Erden“

In der Kirche sei er früh mit Inszenierung konfrontiert worden: „Die Liturgie, der strenge, verworrene Ablauf, die Kostüme, der Weihrauch, die Musik, das Klingeln am Altar und die Choreografie der Ministranten – das alles macht ja den Erfolg der Kirche aus, wenn sie noch einen hat.“

Seine Herkunft, „dass da doch ein Fundament da ist“, sei ihm lange nicht bewusst gewesen. Im Kabarett sei eigentlich „antikatholisches Denken Pflicht“. Doch er habe beschlossen, „der größte Verehrer des Papstes auf Erden zu sein“. Was nicht bedeutet, mit ihm immer dieselbe Meinung zu haben. „Ich glaube, die katholische Kirche funktioniert so, dass der Papst diese hohe ethische Messlatte vorgeben muss und es danach wieder Möglichkeiten gibt für den einfachen Gläubigen, subjektiv zu handeln.“

„Beste Kirche der Welt“

Aber für die, wie Schmidt formuliert, „beste Kirche der Welt“ zahlt der Star gern Kirchensteuer. Insgesamt schätzt er sich als konservativen Menschen ein, dem eine intakte Familie, gute Ausbildung und „im Groben“ auch die Orientierung am Christentum wichtig ist.

Über die jüngsten Päpste hat sich der Entertainer ebenfalls Gedanken gemacht. An Johannes Paul II. bewundere er dessen quasi-öffentliches Sterben. Der Papst habe eindrucksvoll demonstriert, dass Krankheit, Leid und Tod dazugehörten. „Das ist mir eine Lehre. Vielleicht ist Dahindämmern ja schön.“

Franziskus, der „Gesamtschulen-Papst“

Den Wechsel von Benedikt XVI. zu Franziskus kommentierte er so: „Der Großes-Latinum-Papst geht – Vorhang auf für den Gesamtschulen-Papst.“ Unter Benedikt XVI. habe „jedes Taschentuch einen historisch aufgeladenen Hintergrund“ gehabt. Der neue Papst dagegen wolle „eher was Verbeultes“, eine Art „SPD-Kirche“, in der es „laut ist, brodelt und stinkt“.

Dem Kölner Domradio vertraute Schmidt an, er suche Gott nicht. „Aber ich glaube doch daran, dass es etwas gibt, das größer ist als wir.“ Und an das ewige Leben. „Wir sind ja gerade in der katholischen Kirche gewohnt, von Ewigkeit zu Ewigkeit zu denken. Da sollte man sich nicht mit allzu viel belasten – für die Jährchen, die wir hier auf Erden wandeln.“