Vorsitzender der deutschen Regentenkonferenz kritisiert Vatikan-Vorgaben

Hartmut Niehues: Priesterseminare offen für Homosexuelle

Deutsche Priesterseminare nehmen grundsätzlich auch homosexuelle Männer auf: Für sie sei wie bei heterosexuellen Männern die entscheidende Frage, ob sie zölibatär leben könnten oder wollten, sagte der Vertreter der katholischen Priesterausbilder in der Bundesrepublik, Hartmut Niehues, am Mittwoch dem Internetportal domradio.de des Erzbistums Köln.

Die Forderung der Bildungskongregation im Vatikan, Männer mit „tief sitzenden homosexuellen Tendenzen“ vom Priesteramt auszuschließen, nannte der Vorsitzende der Deutschen Regentenkonferenz erklärungsbedürftig. „So, wie das für heterosexuell empfindende Menschen eine Frage ist, ob die Orientierung sie so prägt und so bestimmt, dass sie ihre Orientierung praktizieren wollen und müssen, so stellt sich diese Frage auch für Menschen, die homosexuell empfinden.“ Es gehe um die Interpretation des Begriffes „tiefsitzend“ und damit um die Unterscheidung von Orientierung und Praxis.

Priester-Outing nicht hilfreich

Mit den Bewerbern für das Priesteramt werde über die sexuelle Orientierung gesprochen, so Niehues, der das Münsteraner Priesterseminar leitet. „Das ist auf jeden Fall Standard in jedem deutschen Bistum.“ Die Frage nach der sexuellen Reife der Kandidaten werde immer wieder thematisiert.

Niehues sagte, er lehne es ab, dass Priester ihre sexuelle Orientierung öffentlich machten. Dies sei weder notwendig noch hilfreich. „Als heterosexuell orientierter Mensch oder als homosexuell orientierter Mensch muss ich meine Orientierung nicht auf der Stirn tragen.“

Overbeck: „Entpathologisierung der Homosexualität“

Auch der Leiter des Paderborner Priesterseminars, Michael Menke-Peitzmeyer, hatte zu Beginn der Woche dem WDR gesagt, dass das Erzbistum auch homosexuelle Priesteramtskandidaten akzeptiere, wenn sie den Zölibat einhielten. Praktizierte Sexualität sei aber ein Ausschlusskriterium, das für alle sexuellen Neigungen gelte. Bei der Entscheidung zum Zölibat würden die Kandidaten unter anderem von Psychologen unterstützt.

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck fordert in der Freiburger Zeitschrift „Herder Korrespondenz“ (Februar), dass die katholische Kirche ihre Haltung zu Homosexualität ändere. Nötig sei eine „Entpathologisierung“ der Homosexualität. Zudem wandte er sich gegen eine Verbindung mit der Missbrauchsdebatte. „Es wäre geradezu abwegig zu behaupten, das Problem sexuellen Missbrauchs ließe sich etwa dadurch lösen, den Zugang zum Priestertum nur auf heterosexuell empfindende Männer zu beschränken.“ Die sexuelle Orientierung sei keine Ursache für Missbrauch.