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Beteiligung, Frauenfrage, Vielfalt - zentrale Streitthemen prägen Video-Diskussion

Hearing zur Weltsynode: Das geben Katholiken im Bistum Münster weiter

  • Bei einem Video-Hearing haben sich Interessierte aus dem Bistum Münster mit den Fragen des Vatikans zum weltweiten synodalen Prozess befasst.
  • Themen wie Laien-Beteiligung und Frauenfrage prägten die Diskussionen.
  • Parallel gehen die Rückmeldungen über die Internetseite zur Weltsynode weiter.
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Beteiligung von Laien, Frauen einladen, Strukturen ändern, Vielfalt in Einheit: Wenn es nach den mehr als 65 Teilnehmenden eines Video-Hearings zur Weltsynode geht, dann ist klar, welche Baustellen Papst Franziskus und die Weltkirche anzupacken haben. Die Arbeitsgruppe um Kerstin Stegemann und Professor Thomas Söding, die im Bistum Münster Rückmeldungen zum weltweiten synodalen Prozess sammelt, hatte Interessierte eingeladen, sich zu den Fragen auszutauschen, die allen Gläubigen weltweit gestellt werden.

„Eigentlich sammeln wir ja vor allem über die Website Rückmeldungen zu den Fragen der Weltsynode. Viele haben aber zurückgemeldet, dass ihnen der direkte Austausch fehlt und auch manche Fragen nicht auf den ersten Blick verständlich sind“, erläuterte Kerstin Stegemann, Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken, den Hintergrund des Hearings. „Wir wollten so ein Angebot des direkten Dialogs schaffen und auch jene zu einer Rückmeldung einladen, die nicht schriftlich für sich allein auf die Fragen reagieren wollen.“ Ganz im Sinn von Papst Franziskus, der möglichst viele Menschen am synodalen Prozess beteiligen möchte.

Wie kommen die Ergebnisse nach Rom?


Die Arbeitsgruppe Weltsynode im Bistum Münster (von links): Schwester Anne Kurz, Kerstin Stegemann, Helmut Flötotto (oben), Mechtild Pille, Thomas Söding und Susanne Deusch. | Foto: Screenshot.

Ergebnisse des Abends fließen in die zehnseitige Zusammenfassung ein, die die Arbeitsgruppe im Februar dem Diözesanrat zur Abstimmung vorlegen wird. „Bischof Felix hat zugesichert, dass er die Empfehlungen eins zu eins nach Rom weitergeben wird“, freute sich Susanne Deusch, Mitglied des Diözesanrats. Das sei „ein sehr schönes“ Zeichen: „Es wird nichts zensiert.“

„Was mich am Verfahren irritiert, ist die Frage: Wer entscheidet denn am Ende?“, gab Kreisdechant Jochen Reidegeld aus Steinfurt zu bedenken. Die Ergebnisse würden bei der Bischofssynode in Rom eingereicht, die im Oktober 2023 berate. „Das bildet das Hauptproblem in unserer Kirche ab. Eine echte Weltsynode wäre anders zusammengesetzt. So bleiben der Dialog und das Einbringen von Ergebnissen immer ein Zugeständnis nach dem Motto: Wir lassen euch mitreden, aber entscheiden tun dann am Ende die Bischöfe. Besser wäre es, wenn die Weltsynode wirklich die Weltkirche abbilden würde.“

„Wirklich die letzte Chance“


Einige Teilnehmende des Online-Hearings. | Foto: Screenshot.

In Kleingruppen kam es unter den Teilnehmenden, die sich mit sieben der zehn Fragen des Papstes beschäftigten, zu einem regen Austausch. Zugeschaltet hatten sich Menschen aus dem ganzen Bistum Münster – und auch aus dem Bistum Mainz.

„Wir sind selber eine kleine Synode heute Abend“, freute sich eine Teilnehmerin. Eine weitere forderte dazu auf, den Glauben mehr in den Mittelpunkt zu stellen und „sich nicht nur an den Strukturen“ abzuarbeiten. Eine Teilnehmerin aus Mainz sah in der Weltsynode „wirklich die letzte Chance“, das Ruder herumzureißen und die Kirche in ruhigeres Fahrwasser zu bringen.

Die zentralen Themen

Die Fragen zur Weltsynode zum Selbst-Beantworten.

Breiten Raum nahm die Frage ein, wie man es schaffen könne, Menschen „jenseits der katholischen Blase“ zu erreichen. Und: Wer ist letztendlich Kirche? Wer spricht im Namen der Kirche, im Namen des Volkes Gottes? Die verfasste Kirche und ihre Amtsträger wurden kritisch hinterfragt: „Wir alle sind Kirche! Und wir alle haben eine Mitverantwortung. Die sollten wir auch wahrnehmen können.“ Synodale Vielfalt müsse sich im kirchlichen Leben widerspiegeln, waren die Teilnehmenden einig.

Die Diskussionen des Abends, aber auch die bisher über die Internetseite eingegangenen 250 Rückmeldungen machten deutlich: Die Katholiken im Bistum Münster sehen Themen wie die Frauenfrage, Macht und Gewaltenteilung – mit denen sich auch der Synodale Weg der Kirche in Deutschland befasst – als zentral auch auf Weltebene an. Offen wurden und werden Problemfelder benannt und Lösungsmöglichkeiten skizziert. Die Erwartungen an Papst Franziskus und die Bischöfe sind groß.

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