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Pfarrei Liebfrauen trennt sich von mehreren Orten

Aus für Heilig-Kreuz-Kirche in Bocholt - Zukunft des Gebäudes offen

  • Die Pfarrei Liebfrauen in Bocholt wird die Heilig-Kreuz-Kirche als Gottesdienstort aufgeben.
  • Das Immobilienkonzept sieht weitere Verkleinerungen von Gebäuden und Flächen vor.
  • Die heute 15.500 Mitglieder zählende Pfarrei rechnet für 2040 nur noch mit 10.600 Gemeindemitgliedern.
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Rückläufige Katholikenzahlen und Gottesdienstmitfeiernde sowie die Veränderung des kirchlichen Lebens zwingen die Pfarreien, mit immer weniger Geld haushalten zu müssen und ihren Immobilienbestand dem tatsächlichen Bedarf anzupassen. Die Pfarrei Liebfrauen in Bocholt hat nun ein transparentes Immobilienkonzept vorgelegt. Es beschreibt, wie sie mit ihren Gebäuden künftig umgehen wird.

Aufgegeben wird danach die Heilig-Kreuz-Kirche als Gottesdienststandort. Zudem trennt sie sich vom benachbarten Pfarrheim, dem Kreuzbergheim. In Zusammenarbeit mit dem Bistum Münster und der Stadt Bocholt wird noch in diesem Jahr ein Architektenwettbewerb gestartet. Er soll klären, wie der ganze Bereich überplant und damit städtebaulich neu entwickelt werden kann. Möglicherweise muss für die große historische Kreuzigungsgruppe ein neuer Standort gesucht werden.

Umbauten in Barlo stehen an

„Erst nach Abschluss des Architektenwettbewerbs werden wir überlegen, wann und wie wir Abschied von der Heilig-Kreuz-Kirche nehmen und diese profanieren“, heißt es im Immobilienkonzept. Das 48 Meter lange Gotteshaus entstand 1936/37.

Weiterhin wird die Grundfläche von Pfarrheim und Kirchengebäude im Gemeindeteil St. Helena in Barlo reduziert. Der jüngere Kirchenanbau aus den 1960er Jahren soll umgebaut und anderweitig genutzt werden. Die weitere Nutzung des Pfarrheims und des „neuen alten Kirchraums“ soll mit den Gemeindemitgliedern in Barlo überlegt werden. Ein Planungsverfahren soll mit dem Bistum Münster erfolgen.

Stärkung des Standorts St. Paul

Der Standort St. Paul mit Kirche, Pfarrheim und Kirchplatz soll durch eine Renovierung des Pfarrheims ein attraktives pastorales Zentrum werden. Somit wird der östliche Bereich der flächenmäßig großen Pfarrei Liebfrauen gestärkt. Ebenso wird der Standort der Liebfrauenkirche zu einem Ort von „Gebet und Kultur“ weiterentwickelt.

Das Immobilienkonzept ermöglicht weiterhin an verschiedenen Orten der Pfarrei kirchliches Leben, „auch wenn es zu harten Einschnitten kommen muss und wir uns von vertrauten Gebäuden verabschieden müssen“. Im vom Kirchenvorstand, Pfarreirat und Pastoralteam beschlossenen Immobilienkonzept heißt es zu den Maßnahmen: „Weil wir aber auch in Zukunft eigenständig und handlungsfähig bleiben wollen, sehen wir keine Alternativen.“

Gremien tagten zwölf Mal bis zur Entscheidung

Kirchenvorstand, Pfarreirat und Pastoralteam hatten sich seit 2018 zwölf Mal zu Tagungen und Klausurtagen getroffen, um das Konzept zu erstellen und über Gebäudegrößen, Unterhaltskosten und anstehende Investitionen zu beraten. Weitere Diskussionen gab es über die Auslastung der Gotteshäuser und Pfarrheime.

Die Pfarrei Liebfrauen wird, so eine Prognose, deutlich an Gemeindemitgliedern verlieren: Zurzeit gehören 15.500 Katholiken zur Pfarrei, im Jahr 2040 werden es 10.600 sein. Entsprechend reduziert werden die Schlüsselzuweisungen aus den Kirchensteuereinnahmen, die eine Pfarrei bekommt.

Schmerzhafte Einschnitte

Die kirchlichen Gremien werben um Verständnis für die „schmerzlichen Einschnitte“: „Die Entscheidungen zu den Schließungen und zum Rückbau ist den mehr als 40 Frauen und Männern im Pfarreirat, Kirchenvorstand und im Pastoralteam schwergefallen. Das entscheidet man nicht einfach so.“

Es sind auch nicht die ersten schwierigen Entscheidungen, die die kirchlichen Gremien treffen mussten: Bereits 2010 hatte die Pfarrei die Kirche St. Martin zugunsten einer Erweiterung der Kindertageseinrichtung St. Martin aufgegeben.

Neues Hospiz auf früherem Kirchengelände

Vor wenigen Tagen konnten die Bocholter das Richtfest für das neue Edith-Stein-Hospiz feiern. Es entsteht auf dem Gelände der früheren Herz-Jesu-Kirche, die für den Neubau im Oktober 2020 abgerissen wurde. Eröffnet wird das stationäre Hospiz in der zweiten Jahreshälfte 2023.

Das Hospiz liegt in direkter Nachbarschaft zum Pfarrheim, zum Kindergarten und zur Grundschule. Heinrich Grunden von der Hospizstiftung Omega sagt dazu: „Diese Einbindung in gewachsene Wohnstrukturen bietet den Hospizgästen alle Möglichkeiten zur Teilhabe und Wahrnehmung von Alltagsleben. Nicht ausschließliches Sterben, sondern auch das Leben am absehbaren Lebensende ist prägendes Merkmal des verfolgten Integrativkonzeptes für das neue Hospiz.“

Eine millionenschwere Investition

Das zweigeschossige Gebäude mit einem großzügigen Garten und Platz für zehn Hospizgäste kostet 4,4 Millionen Euro. Zur Gesamtfinanzierung ist ein mittlerer sechsstelliger Eurobetrag an Spenden einzuwerben.

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