Wertvolle Exponate sollen auch zum Schmunzeln einladen

Heilige Drei Könige: Sonderausstellung in Kevelaer

Nein, in diesem Jahr wird es im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte keine klassische Krippenausstellung geben. Veronika Hebben, seit Sommer Museumsleiterin im Wallfahrtsort, lächelt ein wenig spitzbübisch. „Aus unserer Sammlung werden acht schöne Krippen im Xantener Stiftsmuseum gezeigt“, fügt sie hinzu. Wer also Krippen sehen wollte, könne die dortige Sonderausstellung besuchen.

Die junge Kunsthistorikerin hat eine alternative Idee entwickelt: Sie möchte andere Objekte präsentieren, die ebenso gut in die Zeit passen. Sie hat in ihrem Fundus gestöbert, im Kölner Dombauarchiv nachgefragt und zahlreiche Darstellungen zu den Heiligen Drei Königen gefunden.

Nach einem Gedicht

Bis zum 6. Januar sind in Kevelaer Darstellungen der Magier oder Sterndeuter zu sehen. „Durch die Nacht drei Wanderer ziehn... – Die Heiligen Drei Könige in der Kunst“ heißt der Titel der Sonderausstellung. „Wir präsentieren diese Objekte nicht ohne Grund“, erläutert Hebben. „Denn einerseits haben wir viele Darstellungen im eigenen Bestand, die wir gern zeigen möchten, und andererseits konnten wir zahlreiche wertvolle Leihgaben aus Köln gewinnen“, sagt Hebben.

Der Titel der Ausstellung fußt auf einem Gedicht von Annette von Droste Hülshoff (1797-1848), das die spannende Reise der biblischen Gestalten zur Krippe dichterisch nachzeichnet. Die Heiligen Drei Könige werden in den Zeilen der westfälischen Dichterin zum Vorbild des Glaubens. Wie sie sollten auch die Christen dem Licht des Sterns „fromm und treu“ folgen. Dieses schöne Gedicht hat Hebben zur Ausstellung inspiriert, gesteht sie. „Auch wir möchten den Besuchern die Bedeutung der Drei Heiligen Könige näher bringen und hoffen, dass sie in die Welt der drei Wanderer eintauchen können und dem Stern folgen.“

Vielfältige Kunstrichtungen

Die Ausstellung ist chronologisch geordnet. Eine erste Kostbarkeit ist die Anbetung in einem Stundenbuch, das um 1520 in Paris entstanden ist. Links ist Maria dargestellt, die Könige, alte weise Männer, kommen von rechts, einer kniet. „Wahrscheinlich Balthasar“, meint Hebben. „Wir haben nicht nur die klassische Anbetungsszene“, sagt Hebben einige Stationen weiter und verweist auf eine Radierung von Jacob Duck aus dem 17. Jahrhundert. Hier ist Caspar alleine zu sehen.

Geburt Jesu in der Laube

Ein weiterer Druck von Alois Schön – er war der Stecher, und Johann Baptist Schmon, er hat den Druck ausgemalt – zeigt den Zug der Magier. Der Druck stammt aus dem 18. Jahrhundert. Otto Dix bringt die Szene der Anbetung „durch seine neue Sachlichkeit auf den Punkt“, erläutert Hebben die Szene einige Schritte nebenan. Schmunzeln muss man als Betrachter über die Darstellung von Richard Rother aus dem 20. Jahrhundert: Maria sitzt auf einem Wäschekorb und beruhigt das Jesuskind, Josef hängt die Wäsche auf, die Engelchen stehen Spalier. Es klopft, ein Engel öffnet, und herein kommen die Heiligen Drei Könige. Rother gelingt es, die Szene auf humorvolle Weise in den Alltag der Familie zu setzen.

Ein Buchdruck aus dem 18. Jahrhundert zeigt die Szene in römischer Architektur. Der Stall ist quasi in einem römischen Viertel zu sehen. Carl Gottlieb Peschel zeigt die Anbetung der Heiligen Drei Könige in seiner Federzeichnung im 19. Jahrhundert in einer Laube oder einem Hinterhaus. Die Darstellung von Guyla Tornai (1900) verrät orientalische Einflüsse. Sowohl die Gewänder der Könige wie ihre Haltung – es scheint, als ob sie mit ihren Gaben in den Händen auf einem Kaminsims sitzend eingeschlafen sind – verrät königliche Würde.

Führungen geplant

Die Ausstellung ist bis zum 6. Januar im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer zu sehen. Informationen zum Beispiel über weitere Führungen sind unter 0 28 32/95 41 10 erhältlich.