Anzeige
Die Kinderbeichte sollte nicht mehr Teil der Erstkommunionvorbereitung sein. Warum Anne-Marie Eising das fordert.
Nach den Sommerferien beginnt wieder die Planung für die Erstkommunionvorbereitung. Viele Konzepte sehen auch die Bußkatechese, die Feier der Versöhnung und manchmal sogar die sakramentale Beichte vor. Letztere fordert ja das Kirchenrecht als Zugang zur Erstkommunion.
Vielfach wurde diese Praxis zurecht kritisiert. Zum Teil zur Missbrauchsprävention, zum Teil wegen des entwicklungspsychologischen Standes der Kinder, zum Teil aus pastoralen Gründen.
Vertrauensvolle Beziehung zu Gott
Ich lehne eine Bußkatechese für Kinder und erst recht die Kinderbeichte aus einem weiteren Grund ab: Denn damit wird der Wert des Sakramentes verwässert und die Weitergabe des Glaubens konterkariert.
Das Sakrament der Umkehr ergibt nur Sinn, wenn Menschen bereits eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott aufgebaut haben. Denn wie sollen sie zu ihm umkehren, wenn sie nicht an ihn glauben? (vgl. Röm 10,14)
Ja zu Gott
Die Autorin
Anne-Marie Eising ist Pastoralreferentin in den Pfarreien St. Mariä Himmelfahrt Ahaus und Graes, St. Mariä Himmelfahrt Alstätte und Ottenstein sowie St. Andreas und Martinus Wüllen und Wessum.
Glauben heißt, Ja sagen zu Gott, weil er schon längst Ja gesagt hat zu mir. Für die allermeisten Kinder – und oft auch für deren Eltern – gilt, dass sie erst einmal bekannt gemacht werden müssen mit der Liebe Gottes. Und dann hoffen, dass sie aus dem Bewusstsein des ersten Johannesbriefes leben wollen: „Wir wollen lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat“ (1 Joh 4,19). Dem folgt die Würzburger Synode, wenn sie sagt, dass das oberste Ziel der Katechese sei, „dem Menschen zu helfen, dass sein Leben gelingt, indem er auf den Zuspruch und den Anspruch Gottes eingeht“.
Zuerst der Zuspruch, dann erst der Anspruch. Nur wer den Gott Jesu gut kennt, hat Grund, zu ihm umzukehren. Der jüngere Sohn im Gleichnis vom barmherzigen Vater (Lk 15, 11-32) zeigt das eindrücklich, als er im tiefsten Dreck sitzt. Er kehrt zu seinem Vater zurück. Doch nicht die Erkenntnis, dass er schuldhaft gehandelt hat, bewegt ihn dazu. Vielmehr ist es die schiere Not. Nur weil er seinen Vater gut kennt, hat er Grund darauf zu vertrauen, dass es ihm bei ihm besser geht.
Die Kommunion als Zusage
Die Beichte hat ihren eigenen Wert für Menschen, die bewusst ihr Leben mit Gott und in seinem Sinn gestalten wollen. Wenn Katechese mit dem erhobenen Zeigefinger beginnt, bevor die Zusage seiner Liebe im Herzen angekommen ist, werden die Beichte und auch der Glaube zum Erziehungsmittel degradiert. Kein Wunder, wenn man sich davon spätestens als Erwachsener distanziert.
Also zuerst die Kommunion als Zusage, dann folgt die Beichte als Anspruch. Um der Evangelisierung und der sakramentalen Beichte willen sollte das Kirchenrecht geändert und die Kinderbeichte abgeschafft werden.
In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.