Kirche+Leben Lexikon

Heilige Heriburg – wer war das?

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Heriburg wurde im achten Jahrhundert in Friesland geboren. In Nottuln ist die Schwester des heiligen Liudgers, Bistumsgründer und erster Bischof von Münster, die bekannteste Unbekannte.

Heriburg war Äbtissin eines Benediktinerinnenklosters in Nottuln. Sie starb nach 834. Ihre Gebeine werden in der Stiftskirche St. Martinus in Nottuln verehrt.

Wenig weiß man über diese Frau, die vor 1200 Jahren gelebt und kaum belegbare Spuren in der Geschichte hinterlassen hat. Eine Straße in Nottuln ist nach ihr benannt. Ihren Gedenktag, den 16. Oktober, feiern die Christen in Nottuln.

Heriburg ist "geschichtslos"

Darüber hinaus kennen nur wenige jene Gläubige, die heute im Schatten ihrer Brüder Liudger und Hildegrim steht - zwei Heiligen, zwei Bischöfen, zwei Glaubensboten im Dienst der friesischen Mission.

Heriburg ist "geschichtslos". Gesichtslos ist sie deshalb nicht. Aus zwei Kirchenfenstern - im Billerbecker Dom und im Chorraum der Nottulner Stiftskirche - blickt sie heute herab. Im schwarzen Ordenskleid einer Nonne, mit dem goldenen Stab einer Äbtissin.

Prächtiger Ortskern Nottulns

Doch Heriburgs "Gesicht" zeigt sich viel mehr im prächtigen Ortskern Nottulns, der sich nach der Auflösung der klösterlichen Gemeinschaft auf deren Boden entwickelte. Im zehnten Jahrhundert stand dort eine Ludgeruskapelle. 1131 war diese neu errichtet, 1489 mit dem Bau der heutigen Hallenkirche spätgotischer Prägung über derselben begonnen worden.

Seit 1806 steht die kleine Kapelle nicht mehr im rechten Seitenschiff von St. Martinus. 1978 jedoch wurden bei Ausgrabungsarbeiten an dieser Stelle Gebeine in einem Eichenbaumsarg gefunden. Die sterblichen Überreste einer Frau, die seither dort als jene der heiligen Heriburg verehrt werden.

Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse

Nach Erkenntnissen des früheren Direktors des Staatsarchivs Münster ist Liudger nicht der Gründer des Damenstiftes in Nottuln gewesen. Zu diesem Ergebnis kommt Kohl in seiner Schrift "Das Freiweltliche Damenstift Nottuln". Die Ende 2005 herausgegebene Schrift ist Teil der Reihe "Germania Sacra", die vom Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen herausgegeben wird.

Das Werk korrigiert die bisherige Mutmaßung, dass Münsters erster Bischof Liudger, der 805 die Weihe empfing, eingangs des neunten Jahrhunderts das Stift Nottuln gegründet habe. Kohl konnte nachweisen, dass das Damenstift Nottuln wohl erst 60 Jahre später, also um 860, gegründet wurde.

Kohl: Heriburg nicht erste Abtissin

Nottuln sei eine Gründung von Nachfahren des Sachsenführers Widukind, die in Nottuln eine Burg besessen hätten. "Diese, Vater und Sohn, namens Liutbert, waren mit dem damaligen Bischof von Münster, Liutbert (849-870), verwandt, der die Stiftung unterstützte.

Die bisher verbreitete volkstümliche Meinung, Nottuln sei eine Gründung des ersten münsterischen Bischofs, Liudgers (805-809), gewesen, ist irrig und geht auf eine bewusste Urkundenfälschung des beginnenden 19. Jahrhunderts zurück." Ebenso wenig könne von Heriburg, der Schwester Liudgers, als erster Äbtissin die Rede sein.