Kirche+Leben Lexikon

Heiliger Liudger – Legenden über sein Leben

Kirche+Leben Lexikon Liudger Legenden

Als Liudger in der Nacht des Passionssonntags 809 in Billerbeck starb, hatte er zwar nur vier Jahre als Bischof gewirkt, doch als Missionar war er viele Jahre im Land der Friesen und Sachsen erfolgreich unterwegs, um die Frohe Botschaft zu verkünden. Den Mönchen des von ihm gegründeten Klosters in Werden ist es zu verdanken, dass vieles von seinem Leben der Nachwelt überliefert wurde – auch als schöne Legenden.

Die letzte "geistliche Pilgerstrecke" seines Lebens unternahm Liudger am frühen Morgen des 25. März 809, nachdem er in Coesfeld die heilige Messe gefeiert hatte. Über den Coesfelder Berg und durch die Bauerschaften Gerleve und Alstätte zog er nach Billerbeck, um auch dort noch einen Gottesdienst zu feiern. In der folgenden Nacht, am 26. März, starb er im Kreis seiner Begleiter.

Es wird erzählt, dass seine Schwester Heriburg und sein Neffe (und späterer Nachfolger als Bischof) Gerfrid es nicht rechtzeitig schafften, ans Sterbebett Liudgers zu kommen. Den Tod habe aber der Himmel bestätigt, denn vor ihrem Eintreffen in Billerbeck sahen sie "ein großes Licht wie Feuer in die Höhe steigen"; es sei genau die Todesstunde gewesen: "Der eifrige Hüter und Liebhaber des wahren Lichtes wanderte zum Herrn."

Legendäre Wundertaten

Wie stark die Münsterländer "ihren" heiligen Liudger verehrten, geht auch aus manchen Sagen und Legenden hervor, die sich um den Heiligen ranken. Die ältesten und bekanntesten sind die Geschichten von den Gänsen.

So wird bereits im zwölften Jahrhundert erzählt, dass auf dem Welderhof bei Neuss, einem Fronhof der Abtei Werden, ein Bauer dem Bischof klagte, dass die Wildgänse im Frühjahr auf seinen Feldern die neue Saat fressen würden und somit eine spätere Ernte unmöglich machten. Daraufhin befahl der Bischof den Gänsen, brav in einen Stall zu gehen. Die Felder wurden verschont, der Bauer konnte seine Ernte einfahren. Der Volksmund hat den Schauplatz der Sage später auch nach Billerbeck und Elte verlegt.

Ein anderes Gänse-Wunder soll sich ebenfalls in Billerbeck ereignet haben: Ein Bauer war über Wassermangel und Trockenheit auf seinem Hof betrübt und bat den Heiligen um Hilfe. Da nahm Liudger zwei Gänse, steckte sie mit den Köpfen in die Erde und befahl ihnen, dort zu graben. Der Bauer fand schließlich Wasser; und die Gänse kamen am Fuß des Bergs mit einer Quelle heraus. An dieser Wasserstelle – dem heutigen Ludgerusbrunnen in Billerbeck – soll Liudger dann auch getauft haben.

Ludgerusbrunnen und Legenden in ähnlichen Versionen gibt es aber auch in Heek und Lippborg. Eine Variation des Wasser-Wunders ist aus Haltern bekannt: Als dort ein Bauer über eine versiegte Quelle auf dem Tannenberg klagte, habe Liudger seinen Wanderstab in den Boden gerammt, und sogleich soll an der Stelle frisches Wasser geflossen sein. Und selbst in den trockensten Jahren sprudelte dort immer frisches Wasser hervor.

Heilung und gute Gaben

Auch soll Liudger einen blinden Mann in Ahlen und eine gelähmte Frau in Friesland geheilt sowie einen Toten im Hessen-Land zum Leben erweckt haben. Im Emsland bewahrte er einen Mann vorm Tod am Galgen, und in Leer verhalf er durch Fürsprache bei Gott verzweifelten Fischern trotz einer Flaute zu einem guten Fischfang.

Auch wenn heute manche Sagen und Mysterien über Liudger allzu fantastisch erscheinen und deren Inhalt letztlich nicht historisch verbürgt ist, über die Jahrhunderte haben sie dazu beigetragen, dass das Andenken an den ersten Bischof von Münster in breiten Schichten der Bevölkerung aufrecht erhalten wurde. Bilder und Brauchtum, Lieder und Legenden sagen manch einem oft mehr als nüchterne Lebensbeschreibungen.