HEILIGES LAND

Jerusalemer Abt Nikodemus Schnabel: Krieg wird heute „fast gefeiert“

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Der Benediktiner gilt als Kenner der Lage im Nahen Osten. Was er an der medialen Berichterstattung über die jüngsten Militärschläge kritisiert.

Von KNA

Der Jerusalemer Abt Nikodemus Schnabel sieht eine mediale Verharmlosung des Nahost- und Ukraine-Kriegs. Die Medien „servierten“ die Kriegsberichte nur „bekömmlich aufbereitet“, kritisierte Schnabel am Donnerstag im Gespräch mit der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“. „Man macht eine Grafik – Flugzeugträger hier, Stützpunkte dort - oder berichtet über Truppenstärken und heizt damit eher eine Art strategische Neugier an.“ Die grausame Realität des Kriegs, das Leiden und Sterben Unschuldiger gerate dabei aus dem Blick.

Jeder müsse sich bewusst machen, dass die Kriegsopfer „Menschen mit Namen und Gesichtern“ sind, sagte der Benediktiner-Abt. Er kritisierte auch Sprachbilder wie „ausschalten“ oder „chirurgisch entfernen“ im Blick auf die Tötung des iranischen Führers Ali Chamenei.

Schnabel erinnerte zugleich an die Bombardierung einer Mädchenschule im Iran mit etwa 170 Toten. „Manche betrachten das nach dem Motto ‚Wo gehobelt wird, da fallen Späne‘. Aber das ist nicht mein Menschenbild. Jeder ist ein Abbild Gottes.“

Keine Normalisierung

Schnabel, der seit 2023 der Dormitio-Abtei in Jerusalem vorsteht, wandte sich zugleich gegen eine Normalisierung des Krieges als politisches Instrument. „Früher war der Krieg eher eine ultima ratio. Man ist zerknirscht in den Krieg eingetreten, hat sich dafür geschämt, hat diesen Schritt als diplomatische Niederlage empfunden.“ Heute werde der Krieg dagegen „fast gefeiert“, sagte der Benediktiner. „Mir fehlt dabei das Erschaudern und Erröten vor diesem Schritt.“

Von der katholischen Kirche in Deutschland erhoffe er sich deshalb eine öffentliche Ansage, dass Kriege immer ein sittliches Übel seien. Auch wenn die christliche Theologie unter bestimmten Bedigungen die Theorie eines gerechten Kriegs anerkenne. Zum Iran-Krieg sagte Schnabel: „Den Maßstäben, die es bezüglich eines gerechten Krieges gibt, hält dieser Krieg nicht stand.“

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