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AfD und Nato, Laienpredigt und Kirchenreform: Das große Kirche+Leben-Interview mit Münsters neuem Bischof und Vorsitzenden der Bischofskonferenz.
Herr Bischof Wilmer, Sie wollen das Bistum Münster weiter kennenlernen – und die Menschen im Bistum ihren neuen Bischof. Darum: Wie haben Sie nach dem sicherlich ziemlich anstrengenden ersten Halbjahr Ihren Urlaub verbracht? Wie können Sie sich erholen?
Den ersten Teil meines Urlaubs habe ich im Bistum verbracht, inkognito in Jeans, Poloshirt und Turnschuhen. Die erste Woche war ich mit meinem Cousin in Kevelaer und Umgebung, wir sind mit Weihbischof Lohmann mit den Rädern den Rhein heruntergefahren bis Duisburg-Walsum. In der zweiten Woche ging es weiter, zum Beispiel nach Herten, wo ich beim Mittagessen in der Fußgängerzone saß, als mich ein Mann ansprach und mich fragte, ob ich wüsste, dass ich ein perfekter Doppelgänger des neuen Bischofs von Münster wäre. Da habe ich geantwortet: Sie sind tatsächlich nicht der Erste, der mir das sagt (lacht). Natürlich habe ich mich zu erkennen gegeben. Wir waren dann unter anderem noch in Recklinghausen, etwa in der Gastkirche und dem Gasthaus, und ich habe im Kino den neuen Film „Die Odyssee“ gesehen, denn ich liebe das Kino, Theater, Dramaturgie! Und auch dort oder etwa in Rhede, Hamm, Ahlen, Dorsten oder Haltern – ich bin überrascht, wie viele Menschen mich erkannt und angesprochen haben. Danach war ich noch eine Woche mit Freunden aus Bologna in Sterzing in Südtirol.
Ihre Doppelfunktion als Bischof von Münster und Vorsitzender der Bischofskonferenz lässt viele fragen: Wie präsent können Sie im Bistum sein?
Aus Gesprächen mit meinen Vorgängern als Vorsitzender weiß ich, dass diese Aufgabe wie die Leitung eines zweiten großen Bistums ist. Ich habe schon vor, so präsent wie möglich im Bistum zu sein. Zugleich bitte ich um Nachsicht, wenn es Überschneidungen mit meinen Aufgaben als Vorsitzender der Bischofskonferenz gibt. Aber ich bin guter Dinge! Denn zum einen hilft mir der Glaube. Mich tragen Freunde und Freundschaften. Und ich bin ein Team-Mensch. Es gibt wunderbare Teams. Eines hier in Münster, also in einem Bistum, das sehr gut mit hochkompetenten und sympathischen Mitarbeitenden aufgestellt ist. Zum anderen teilt sich das Team der Bischofskonferenz auf Bonn und Berlin auf, mit großartigen und engagierten Leuten. Und dann hoffe ich, dass der liebe Gott mir meine gute Gesundheit erhält.
Sie übernehmen die Leitung von Deutschlands größtem Bistum in Zeiten stark zurückgehender Zahlen bei Gläubigen, Pfarreien, Kirchen, Geld, Personal. – Was sagen Sie Eltern und Großeltern, die frustriert sehen, wie wenig der Glaube in der Gesellschaft, bei ihren Kindern noch von Bedeutung ist?