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Erstmals hat Papst Leo XIV. einen Diözesanbischof in Deutschland ernannt – und gleich für das größte Bistum: den bisherigen Bischof von Hildesheim.
Heiner Wilmer, bisher Bischof von Hildesheim und seit einem Monat Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, ist neuer Bischof von Münster. Das wurde heute um 12 Uhr gleichzeitig in Rom und im vollbesetzten Münsteraner Paulusdom bekanntgegeben.
Es ist die erste Ernennung eines Diözesanbischofs in Deutschland durch Papst Leo XIV. seit dessen Wahl im Mai 2025. Münsters Dompropst Hans-Bernd Köppen stellte in der Kathedrale mehr als 1.000 Menschen den neuen Bischof vor, der daraufhin unter kräftigem Applaus den Chorraum betrat – treffenderweise am Hochfest des heiligen Liudger, des Gründungsbischofs des Bistums Münster.
Erstmals Laien beteiligt
Der 64-jährige Wilmer ist dessen 76. Nachfolger, nachdem der bisherige Bischof Felix Genn im März 2025 nach Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren zurückgetreten war. Mit Wilmers Ernennung hat das mit rund 1,6 Millionen Katholikinnen und Katholiken größte Bistum Deutschlands nach knapp 13-monatiger Wartezeit wieder einen Bischof.
An der Kandidatensuche waren erstmals nicht nur die 16 Domkapitulare beteiligt, die Wilmer schließlich aus einer Dreierliste des Papstes wählten, sondern im Vorfeld auch 16 Laiinnen und Laien. Nachdem der Gewählte zugesagt hatte, mussten gemäß Konkordat noch die Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zustimmen.
Wofür steht Heiner Wilmer?
Heiner Wilmer gilt als reformoffener, dialogbereiter und vermittelnder Bischof, dem der selbstkritische Blick nicht fremd ist. Seine Äußerung in einem Interview von 2018, dass der Missbrauch von Macht „in der DNA der Kirche“ stecke und insofern ein radikales Umdenken, weg von Selbstherrlichkeit etwa der Bischöfe, nötig sei, fand damals große Aufmerksamkeit.
Den verpflichtenden Zölibat für Weltpriester hält er für ebenso diskussionswürdig wie den Ausschluss von Frauen von den Weiheämtern. Wilmer spricht sich zudem für eine Reform der katholischen Sexuallehre, gegen jede Diskriminierung und für die römische Erlaubnis zur Segnung homosexueller Paare aus – ohne das Sakrament der Ehe zwischen Mann und Frau infrage zu stellen.
Der Lebensweg von Heiner Wilmer
Heiner Wilmer stammt aus dem Emsland, wurde 1961 in Schapen (Spelle) im Bistum Osnabrück geboren und wuchs auf dem elterlichen Bauernhof auf. Nach dem Abitur trat er 1980 in die Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) ein, studierte Theologie in Freiburg und Romanistik in Paris. Nach seiner Priesterweihe 1987 ging er an die Päpstliche Universität Gregoriana nach Rom, um dort Philosophie zu studieren. 1991 wurde Wilmer in Freiburg mit einer Arbeit zur Mystik von Maurice Blondel (1861–1949) promoviert, studierte parallel Geschichte bis zum Staatsexamen.
Zwei Jahre war er anschließend Schulseelsorger und Lehrer für Religion, Politik und Geschichte an der Liebfrauenschule in Vechta im niedersächsischen Teil des Bistums Münster, 1997 für ein Jahr an einer Jesuitenschule im New Yorker Stadtteil Bronx. Anschließend leitete er das ordenseigene Gymnasium Leoninum in Handrup (Emsland).
Rom – Hildesheim – Brüssel – Bonn
Leitungserfahrung machte Wilmer zudem in seiner Gemeinschaft, sowohl als Provinzial wie weltkirchlich ab 2015 als Generaloberer in Rom. Aus dieser Position ernannte ihn Papst Franziskus 2018 zum Bischof von Hildesheim.
In der Deutschen Bischofskonferenz war Heiner Wilmer von 2019 bis 2024 Vorsitzender der für internationale Politik zuständigen Deutschen Kommission Justitia et Pax. Seit 2022 steht er der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Bischofskonferenz vor, die er zudem bei der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) vertritt.
Erst vor einem Monat wählte ihn die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz zu ihrem Vorsitzenden. Er folgte damit auf den Limburger Bischof Georg Bätzing, der nach einer sechsjährigen Amtszeit nicht wieder zur Wahl angetreten war.