Rita und Reinhard Schneider feiern Goldene Hochzeit

Heirats-Annonce in „Kirche+Leben“ vor 50 Jahren war erfolgreich

Das klingt alles so herrlich pragmatisch, wenn sie von den Anfängen ihrer Liebe berichten. So wie das damals eben oft war, vor mehr als 50 Jahren. Es waren Zeiten, in denen junge Frauen und Männer längst nicht so zwanglos in Kontakt kamen, wie das heute der Fall ist. Bei Rita und Reinhard Schneider half eine Kontaktanzeige in „Kirche+Leben“. Dieser Start hat aber nicht weniger Erfolg. Wenn sie heute, kurz nach ihrer Goldenen Hochzeit, mit ihren beiden Söhnen  zusammensitzen, wird im Rückblick oft geschmunzelt, manchmal auch laut gelacht.

„Katholische Ehe-Anbahnung“, hieß die Rubrik in der Kirchenzeitung damals. Und sie war gut gefüllt. Frauen und Männer suchten bewusst einen katholischen Partner, natürlich alles sehr züchtig: „Zwecks späterer Heirat“, endeten die Anzeigen oft. Und genau so war es bei Reinhard Schneider, als er 1968 seine Suche veröffentlichen ließ. Unter dem Kürzel „R2204“ sollten sich beim Verlagshaus Bitter in Recklinghausen jene „netten Mädchen“ melden, die den dunkelblonden 27-Jährigen mit festen Absichten kennenlernen wollten. „Raum Münsterland bevorzugt.“

Keine Zeit zum Tanzen

Schneider war damals Wehrpflichtiger in Münster. Gleichzeitig baute er in Dülmen ein Haus. „Da blieb gar keine Zeit für Tanzveranstaltungen oder ähnliches“, sagt der 78-Jährige. Die Bau-Anträge aber hatte er schon für ein Ehepaar gestellt. Also wurde es Zeit, die passende Frau per Annonce zu finden. „Da kam nur die Kirchenzeitung in Frage.“ Denn alles andere als „katholisch“ war ausgeschlossen.

Goldhochzeit 2019: Rita und Reinhard Schneider
Goldhochzeit im Jahr 2019: Rita und Reinhard Schneider. | Foto: Michael Bönte

Das spiegelte sich auch in den Worten seiner Anzeige. Er beschrieb sich mit einer „guten Vergangenheit“. Das hieß, „dass ich nicht rauchte oder trank und immer fleißig war“, übersetzte der Rentner das heute schmunzelnd. Seine heutige Frau fiel noch etwas ins Auge. „Nicht unvermögend“, stand dort. „Vielleicht hat er ja ein Auto“, dachte sie damals. „Das war zu der Zeit noch etwas ganz Besonderes“, sagt sie heute. Sie war Ende der 1960er Jahre Kinderpflegerin und wohnt bei ihren Eltern in Datteln. „Mit großer Aufregung“ schrieb sie an den Verlag, der die Rückmeldung weitergab.

Hundertprozentige Trefferquote

Was folgte, war ein Erfolg mit hundertprozentiger Trefferquote:  Es war das einzige Mal, dass sie sich auf eine solche Annonce meldete. Er hat in seinem Leben nur diese einzige aufgeben. Und es passte von Anfang an.

Und es ging schnell: Das erste Treffen war im September 1969. Ort: Auf dem Platz vor der St.-Amandus-Kirche in Datteln. Tatsächlich kam er mit eigenem Auto – einem grauen VW-Käfer. „Wir hatten die Kirche gewählt, weil ich sie schon von weitem sehen konnte.“ Ein Navigationsgerät gab es damals nicht. Über die anschließenden ersten gemeinsamen Stunden gehen die Erinnerungen auseinander. Fest steht, dass sie auch eine Runde durch die Kirche gingen, um später in einem Gasthaus Kaffee zu trinken. Dann ging es für ihn wieder nach Hause. „Um den Rückweg zu finden, bevor es dunkel wurde.“ Granz pragmatisch eben. Die folgenden Wochen brachten Romantik, auch wenn sie gut durchorganisiert blieben. Treffen gab es nur am Wochenende. „Am liebsten bei meiner Großmutter“, sagt sie. „Die fragte nicht so viel nach.“ Es gab Kaffee und Kuchen und gemeinsame Spaziergänge. Und natürlich Fahrten im grauen VW-Käfer. „Bevor es dunkel wurde, fuhr ich immer zurück.“ Züchtige Zeiten waren das damals.

Hochzeit ein Jahr später

Verlobt wurde sich schon im April 1969, fünf Monat später heiratete der Schreiner seine Rita. Dass das alles die Folge einer Zeitungs-Annonce war, verrieten sie nur wenigen. Ihre Schwester war eingeweiht, und seine Eltern. „Wenn mich einer meiner Freunde fragte, wie ich sie kennengelernt hatte, sagte ich immer, ich wäre tanzen gewesen“, sagt er.

Hochzeit 1969 in der St. Amandus-Kirche in Datteln.
Hochzeit 1969 in der St. Amandus-Kirche in Datteln. | Foto: privat

Ihre zwei Söhne wussten von Beginn an vom Werdegang der Liebe ihrer Eltern. Und so lag es auf der Hand, diese Anfänge noch einmal aufleben zu lassen, als im vergangenen September die Goldene Hochzeit des Paares anstand. Die Suche nach der Annonce in Archiv von „Kirche+Leben“ gestaltete sich aber nicht leicht. „Zum Glück hatten wir Unterstützung aus der Redaktion, die uns die Jahresbände herausgesucht hatten, die in Frage kamen“, sagt Thomas Schneider. Trotzdem mussten sie noch zwei Stunden in den dicken Büchern stöbern, bis sie fündig wurden. „Wir mussten einige Mal über die Texte anderer Anzeigen lachen.“ Wenn etwa die Schwester für ihren Bruder einen Partner suchte. Oder offen informiert wurde, dass die Haushälterin ausgezogen war, womit nun eine Ehefrau notwendig wurde. „Andere Zeiten.“

Heute geht´s per Internet

Völlig anders sind sie aber nicht. Das können auch Thomas Schneider und seine Partnerin Judith Stenzel belegen. Die haben sich nämlich auch über eine Kontaktanzeige gefunden, allerdings über das Internet. Auch wenn das weitere Kennenlernen durch die modernen Kommunikationsmöglichkeiten ganz anders aussah – ein wenig Familientradition steckt schon noch darin.