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Hilfe für Patienten, Angehörige und Mitarbeiter der Uniklinik im virtuellen Wartezimmer

"Helden der Krise": Klinik-Seelsorge nutzt Telemedizin in Münster

Die Klinik-Seelsorge in Münster muss ihren direkten Kontakt zu den Patienten minimieren. Um trotzdem für sie da zu sein, nutzt sie die Technik der Telemedizin. In Video-Gesprächen soll Nähe entstehen.

Das Wartezimmer ist geöffnet, von sieben bis 23 Uhr. Trotz Corona-Krise haben Patienten, Angehörige und Mitarbeiter im Universitätsklinikum Münster die Möglichkeit, Kontakt mit dem Seelsorgeteam aufzunehmen. Der Raum wird aber nicht durch eine Tür betreten, er öffnet sich per Kurzmitteilung auf dem Handy. Wer sich zurückmeldet, nimmt Platz in einem virtuellen Wartebereich.

Die Klinikseelsorge hat mit einer neuen Technik auf den derzeitigen Ausnahmezustand reagiert. Möglich ist das durch die Bereitstellung eines Programms, das für die Telemedizin konzipiert wurde. „Eigentlich tauschen sich darüber Ärzte und Patienten aus, die räumlich weit voneinander entfernt sind“, erklärt der leitende Klinikpfarrer Leo Wittenbecher. „Visiten, Diagnosen oder die Diskussion medizinischen Fachwissens kann dabei rund um die Welt geschehen.“ Jetzt ist die Software auch auf die Rechner der sechs katholischen und zwei evangelischen Seelsorger der Klinik aufgespielt worden.

Krankensalbung und Kommunion noch direkt am Bett

Die strengen Vorsichtsmaßnahmen dieser Tage machen das neue Angebot notwendig, sagt Wittenbecher, der auch Referent für Krankenhausseelsorger im Bischöflichen Generalvikariat in Münster ist. „Einfach so über die Stationen zu laufen, geht derzeit nicht.“ Wenn ein direkter Kontakt etwa zu den Patienten notwendig wird, ist das mit hohen Aufwand verbunden. „Bevor ich eine immungeschwächte Person besuche, muss ich entsprechende Schutzkleidung anziehen.“ Für die Krankensalbung und die heilige Kommunion gibt es jedoch keine Alternative.

Der Bedarf an seelsorglichen Gesprächen darüber hinaus ist aber da. „Vielleicht noch mehr als in anderen Zeiten“, sagt Diakon Jürgen Wiltink. „Die Patienten dürfen nur noch einen Besucher am Tag empfangen – da kann ihre Sehnsucht nach einem Gespräch mit uns umso größer sein.“ Auf den Stationen haben sie mit Plakaten auf ihr neues Angebot hingewiesen. Das Pflegepersonal hilft bei der Vermittlung der Handy-Nummern. Häufig klingelt das dann schon ein wenig später und übermittelt die Einladungs-SMS. Das Seelsorge-Team ist dafür gut aufgestellt und arbeitet 16 Stunden in doppelter Besetzung.

Letzte Video-Kamera im Regal

Wiltink hat dafür gestern noch die letzte Computer-Kamera im Regal eines großen Elektronik-Kaufhauses gefunden. „Die sind derzeit sehr begehrt.“ Vom Ergebnis ist er überzeugt, weil es eine ganz andere Dimension in der Kommunikation mit den Patienten ermöglicht, als das nur über das Telefon möglich wäre. „Wer den Gegenüber sieht, kann intensiver Kontakt aufnehmen.“ Das Bild ist hervorragend. Wichtig ist auch, dass das Programm alle Anforderungen des Datenschutzes erfüllt. Gerade im medizinischen und seelsorglichen Bereich ist das eine wichtige Voraussetzung.

In der Bereitstellung der Software von den Medizinern sieht Wittenbecher ein Zeichen der Wertschätzung, die der Seelsorge am Klinikum entgegengebracht wird. „Wir arbeiten mit den verschiedenen Berufsgruppen immer eng und vertrauensvoll zusammen.“ Etwa bei den wöchentlichen Konferenzen zu Patienten der Palliativ-Medizin. Das betont auch der dort leitende Arzt Dr. Philipp Lenz, wenn er sagt, dass „die Seelsorge ein fester Bestandteil des multiprofessionellen Teams“ ist. Der Austausch untereinander findet vorerst natürlich per Video-Konferenz statt, um unnötige direkte Kontakte zu vermeiden.

Auch Ärzte und Pfleger haben Gesprächsbedarf

Auch die etwa 11.000 Mitarbeiter des Krankenhauskomplexes könnten in den kommenden Wochen vermehrt Platz im virtuellen Wartezimmer der Seelsorger nehmen. „Wir werden auch für sie da sein, wenn sich die Corona-Situation verschärft“, sagt Wittenbecher. Denn es gibt für sie neben der Krise einen Alltag, der weitergeht. „Es wird weiterhin schwere Operationen, Todesfälle und Geburten geben.“ Nicht nur Patienten und Angehörige brauchen dann Halt, auch Ärzte, Pfleger und Physiotherapeuten.

Das Team der Seelsorger arbeitet für die bevorstehende Zeit an weiteren Ideen, um trotz Kontakt-Minimierung Angebote für die Menschen im Klinikum machen zu können. Diakon Wiltink plant unter anderem, sich an das Klavier in der Kapelle zu setzen und seine Musik live in die Krankenzimmer übertragen zu lassen. Die örtliche Nähe zu den Krankenzimmern spielt dabei ein wichtige Rolle, sagt er. „Es ist für die Kranken wichtig zu spüren, dass der Menschen, der nicht direkt bei ihnen sein kann, in diesem Augenblick trotzdem nicht weit entfernt ist.“ Nicht weit von der Krankenhauskapelle entfernt steht auch der Computer mit der Kamera für die direkten Gespräche. Darin steckt für die Patienten ebenfalls ein Stück Nähe, die in diesen Tagen verloren gehen kann.

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