Die Altenpflegerin aus dem oldenburgischen Lohne hofft auf Umdenken

Heldin der Krise: Yaquelin Rouco gibt alles für ihre Altenheim-Bewohner

Besuch ist derzeit verboten, auch für nahe Angehörige. „Unser oberstes Ziel ist es ja, unsere Bewohner zu schützen“, erklärt Yaquelin Rouco. Auch, wenn so ein Besuchsverbot den Mitarbeitern des Altenheims St. Elisabeth-Haus im oldenburgischen Lohne zusätzliche Arbeit macht.

Zum Beispiel sind jetzt manchmal zusätzliche Diskussionen mit Angehörigen nötig. „Manche verstehen die Sache mit dem Besuchsverbot einfach nicht“, sagt die Altenpflegerin. „Ihnen muss man das Ganze zwei oder drei Mal erklären.“ Das kostet sie und ihre Kolleginnen zusätzlich Zeit und Kraft. „Die würden wir lieber unseren Bewohnern schenken.“

Das Virus hat die Lage verschärft


Yacueline Rouco. | Foto: Michael Rottmann

Wo doch sowieso alle Pflegerinnen und Pfleger schon ziemlich müde seien. „Der Personalmangel hat uns ja auch vorher schon belastet. Und jetzt kommt auch noch das Virus dazu. Das hat die Lage noch verschärft.“

Für sich selbst hat die 41-Jährige, die alle im Haus „Schwester Yaquelin“ nennen, keine Angst. „Aber natürlich machen die Verantwortung und die Sorge um die Gesundheit mich unruhig.“ Denn das Risiko sei einfach da: „Man würde bei einer Ansteckung die Krankheit ja ins Haus tragen und die Bewohner extrem gefährden.“

Yaquelin Rouco kam aus Kuba nach Deutschland

Die Sorge zehrt an allen, auch an der Pflegerin, die sich neben ihrem normalen Dienst als so genannte Praxisanleiterin um die fünf Auszubildenden des Hauses kümmert. Vor zwanzig Jahren ist die gebürtige Kubanerin nach Deutschland gekommen, angeworben für das deutsche  Gesundheitssystem. „Ich habe mich für diesen Beruf entschieden, ich will für meine Bewohner da sein“, sagt sie. „Und im Moment geht es darum, sie zu beschützen. Ganz egal, ob wir selbst müde und am Ende sind.“

Zu Hause trägt die alleinerziehende Mutter einer 17-jährigen Tochter keine Schutzmaske. Aber sonst ist auch ihr Privatleben ganz auf den Beruf eingestellt. Einkaufen geht sie so selten wie möglich. Schon vor einer Woche hat sie sich mit Tiefkühlkost eingedeckt. „Die reicht noch ein paar Tage“, sagt sie. Auch Treffen mit Freunden sind schon länger tabu, nicht erst seit den neuen Gesetzen zur Kontaktsperre.

Auch ihr privates Leben ist anstrengender geworden


Im Lohner St.-Elisabeth-Haus herrscht Besuchsverbot. | Foto: Michael Rottmann

Sie sagt: „Nicht nur der Beruf, auch mein privates Leben ist durch die Krise anstrengender geworden. Weil ich eben nicht nur für mich selbst verantwortlich bin, sondern auch für meine Bewohner." Mit manchen sind derzeit auch zusätzliche Diskussionen nötig. Yaquelin Rouco meint nicht die dementiell beeinträchtigten Menschen. „Die meisten von ihnen verstehen ja nicht genau, was um sie herum geschieht.“

Aber es gibt auch noch die anderen: Menschen, die bisher gewohnt waren, Dinge auch noch selbständig zu entscheiden. Viele haben mehrmals am Tag Spaziergang gemacht. Das Altenheim liegt zentral. Innenstadt, Friedhof und Stadtpark sind leicht zu erreichen. Mit Spaziergängen haben die Bewohner ihrem Alltag Struktur gegeben. Sie wollen auch jetzt mal raus. Die Frage lautet: Wie geht man in Zeiten von Corona um mit dem Wunsch nach Bewegung?

Die Bewohner sollen nicht unruhig werden

„Man kann ihnen ja nicht per Ausgangssperre das Spazierengehen verbieten“, sagt die Altenpflegerin. Also müsse man auch mit ihnen reden und sie vielleicht dazu bewegen, ihre täglichen Ausflüge zumindest etwas einzuschränken.“ Auch das macht die Arbeit der Pflegerinnen und Pfleger nicht einfacher.

Für die Betreuungsangebote im Haus gilt: Die Mitarbeiter bieten möglichst Dinge an, die man auch auf Distanz machen kann. Ganz ohne ein Beschäftigungsprogramm würde es aber nicht gehen. „Sonst würden die Bewohner zu unruhig. Das wäre noch schlimmer.“

Yaquelin Rouco hofft auf Umdenken nach der Krise

Yaquelin Rouco nimmt die Herausforderung an. Sie sieht auch, dass die Gesellschaft jetzt hautnah spürt, wie wichtig Pflegepersonal ist. „Leider jetzt erst“, bedauert sie. Ihre Stimme klingt traurig, als sie sagt. „Darauf haben wir schon früher hingewiesen. Aber damals hat uns niemand gehört.“ Am Sonntag hat sie wie viele andere abends um neun eine brennende Kerze ins Fenster gestellt. Eine Whatsapp-Nachricht hatte dazu aufgefordert, als Zeichen der Solidarität für alle Menschen in der Pflege.

Und wenn alles mal vorbei ist – was muss sich dann ändern in der Pflege?  „Ich hoffe, dass man durch die schwierige Situation dann ein bisschen wacher geworden ist und sieht, dass Ärzte und Pflegepersonal in dieser Gesellschaft eine ganz große Rolle spielt.“ Eines dürfe nicht passieren: „dass man sagt: Wir haben den Virus besiegt – und alles vergisst.“