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Themenwoche „Menschen, die uns Hoffnung schenken“ (2) - aus Münster

Homosexueller Jan Baumann möchte „Stachel im Fleisch“ der Kirche sein

  • Jan Baumann ist Mitglied der Queergemeinde Münster und kämpft für die Belange queerer Menschen.
  • Im Bistum Münster erlebt er einen Wandel. So ist Bischof Felix Genn zum Fürsprecher geworden.
  • Weiterhin möchte Baumann ein „Stachel im Fleisch“ der Kirche sein.
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„Dieses Jahr war ein ambivalentes Jahr“, blickt Jan Baumann zu Beginn des Queer-Gottesdienstes zurück. „Ende August hat in Münster der größte CSD der Stadtgeschichte stattgefunden – an dem trans-Mann Malte zu Tode gekommen ist.“ Stille senkt sich über die Krypta der Münsteraner Antonius-Kirche. „Im Synodalen Weg hat sich keine Mehrheit für die Veränderung der Sexualmoral gefunden. Kurz darauf hat die Bischofskonferenz aber das katholische Arbeitsrecht geändert und die Rechte queerer Menschen gestärkt.“ Ein zwiespältiges Jahr für Baumann. Und eine Gewissheit: „Jesus kommt zu uns, er ist bei uns. Auch heute noch“, ist sich der 31-jährige Krankenpfleger sicher. „Vielleicht kann unser Herz seine Krippe sein.“

Baumanns starkes Gottvertrauen ist es, das ihn als homosexuellen Mann so manche Anfeindung aushalten lässt. Zermürbend sei für ihn dagegen, dass dazu die Frage anderer queerer Menschen käme, warum er noch in einer Kirche sei, die ihm oftmals das Gefühl vermittle: „Sie will mich nicht.“ Ohne dieses Vertrauen hätte er schon längst aufgegeben: „Gott ist mein Anker und Halt.“ Und er sieht Zeichen „der Hoffnung, dass Kirche in Bewegung ist“.

Das Bistum Münster sieht uns

In unserer Themenwoche „Menschen, die uns Hoffnung schenken“ stellen wir Leute vor, die durch ihr Handeln Vorbild für andere sein können. Dabei geht es um freiwillig Engagierte, Hauptamtliche oder Menschen, die sich immer wieder aufrichten. In Folge 2 stellen wir Jan Baumann vor.

So habe der Münsteraner Bischof Felix Genn den ehemaligen Generalvikar Norbert Köster, Professor für Kirchengeschichte an der Uni Münster, zum LSBTIQ*-Ansprechpartner und Iris Horstmann zur Diversitäts-Beauftragten des Bistums ernannt. „Das ist ein klares Signal, dass Bischof Felix dieses Anliegen wichtig ist“, ist sich der 31-Jährige sicher. „Das Bistum sieht uns und befasst sich mit uns.“ So habe Genn Not und Leid der queeren Menschen gesehen, verstanden und gehandelt. „Das wäre vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen.“ Zusammen mit Köster und Horstmann „sind wir Teil des Queer-Teams und arbeiten an einer Regenbogenpastoral des Bistums.“

Vom Himmel gefallen sei die bischöfliche Einsicht allerdings nicht. „Es hilft, dass wir mit Menschen im Gespräch sind“, erzählt Baumann mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht. „Es sind immer so kleine Erfolge, die wir dabei verbuchen können.“ So habe das Gespräch zwischen dem Oldenburger Weihbischof Wilfried Theising und dem Queer-Team „sicherlich dazu beigetragen, dass sich etwas in der Sichtweise des Weihbischofs verändert hat“, sodass er beim Synodalen Weg für die Änderung der Sexualmoral gestimmt habe. „Das hatte ich nicht erwartet. Und das gibt mir Hoffnung“, erzählt der Krankenpfleger, immer noch freudig überrascht. „Ich glaube, dass nur so etwas ins Rollen kommt. Bei Genn sieht man das ja auch.“

Kirchliche Heimat in der Queergemeinde

Im Januar hatte die Queergemeinde den Bischof besucht. „Und jetzt kann man fast den Eindruck haben, in ihm so etwas wie einen Fürsprecher gewonnen zu haben, wenn man so hört und liest, was er so sagt, wie er handelt.“ Baumann ist sich sicher, dass man den Menschen zeigen müsse, „dass auch wir Menschen sind. So schräg es sich auch anhört: auch wir wollen geliebt werden.“ Und er möchte nicht abgesprochen bekommen, „ein vollwertiger Teil der Kirche zu sein. Ich habe einen festen Glauben. Es zieht mich zur und in die Kirche.“

In der katholischen Kirchengemeinde St. Joseph in Münster, in der die Queergemeinde Münster regelmäßig am zweiten Sonntag im Monat Gottesdienst feiert, hat er seine kirchliche Heimat gefunden. „Da kann ich gut als homosexueller Mann Teil der Kirche sein“, erzählt Baumann mit leuchtenden Augen, der nebenberuflich Orgel spielt und im Pfarreirat der Gemeinde aktiv ist. Gleichzeitig ist sie für ihn ein Hoffnungszeichen. „Wir wurden hier sehr herzlich aufgenommen. Und freuen uns darüber, mit der Krypta der Antonius-Kirche einen Ort gefunden haben, in dem wir regelmäßig Gottesdienst feiern können.“ Die starke Gemeinschaft mache das Besondere des Ortes aus. „Ich gehe danach gestählt hinaus in den Alltag.“  

Kraft kann er brauchen, „um weiterhin für die Rechte queerer Menschen zu kämpfen, Flagge zu zeigen und Stachel im Fleisch zu sein.“ Die Etappenziele ermutigen ihn, weiterzumachen und geben ihm die Hoffnung, „auf dem richtigen Weg zu sein“.

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