Früherer EKD-Ratsvorsitzender kommt nach Münster

Huber: Kirchen verharmlosen religiösen Hintergrund bei Terror

Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, wirft den Kirchen eine Verharmlosung des religiösen Hintergrunds von Terroranschlägen vor. Weil der Islamismus immer auch islamfeindliche Stimmung provoziere, unterbleibe teils Aufklärung, sagte er der Wochenzeitung „Zeit“. „Und die liberale Islamtheologie erstickt in Morddrohungen. Dagegen helfen nur klare Worte.“

Toleranz brauche auch die Zurückweisung inakzeptabler Positionen. Auch das Christentum habe mühsam lernen müssen, „dass Selbstkritik ein Segen ist“, sagte Huber unter Verweis auf die Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken.

Gegen Selbstgerechtigkeit in Diskussionen

Generell brauche es eine neue Streitkultur. „Ich glaube wir erleben eine neue Kultur der Selbstgerechtigkeit: Man schließt sich im Kokon der eigenen Überzeugungen ein, bleibt unter Gleichgesinnten und pflegt seine Vorurteile“, sagte Huber. „Diese Selbstgerechtigkeit tötet den öffentlichen Diskurs.“ Menschenfeindliche Äußerungen verdienten eine klare Absage, so der frühere Bischof. Gleichwohl gelte: „Wir müssen schleunigst aufhören, uns gegen unliebsame Meinungen abzuschotten.“

Huber wird am 12. August 75 Jahre alt. Er war von 2003 bis 2009 Ratsvorsitzender der EKD und von 1994 bis 2009 evangelischer Berliner Bischof. Am 6. September spricht Huber bei den „Domgedanken“ in Münster zum Thema „Kampf der Kulturen? Religionen – Brandstifter und Feuerwehr“.