Professor aus Münster: Wenn Weichenstellungen – dann jetzt

Hubert Wolf: Amazonas-Synode entscheidend für Priesteramt

Der katholische Kirchenhistoriker Hubert Wolf von der Universität Münster erhofft von der Amazonas-Synode Weichenstellungen für neue Wege zum Priesteramt. „Jetzt ist der Augenblick der Entscheidung“, sagte Wolf. „Wenn die Möglichkeit nicht ergriffen wird, ist das Fenster zu.“

Ab Sonntag beraten im Vatikan Bischöfe und andere Kirchenvertreter über seelsorgliche Herausforderungen im Amazonasgebiet. Unter anderem geht es um Fragen wie eine Priesterweihe verheirateter katholischer Männer („viri probati“), die Übertragung von Leitungsaufgaben an Laien und neue Ämter für Frauen. In der südamerikanischen Region herrscht extremer Priestermangel.

Wolf: Eucharistie wichtiger als Zölibat

Wolf betonte, die regelmäßige Feier der Eucharistie gehöre zu den grundlegenden Vollzügen der Kirche. Um sie zu gewährleisten, dürfe das katholische Priesteramt nicht mit der Verpflichtung zur Ehelosigkeit, dem Zölibat, verbunden werden.

Der Professor sagte, in den Kirchen orthodoxer Tradition, die sich der katholischen Kirche angeschlossen haben, gebe es seit Jahrhunderten selbstverständlich verheiratete Priester. Gleiches gelte für evangelische verheiratete Geistliche, die katholische Priester und vom Zölibat entbunden würden. Auf diesen Traditionen könne eine Reform aufbauen. Deshalb nannte Wolf die „aufgeregten Diskussionen und Ängste“ unverständlich, wonach eine Aufhebung der Zöibatspflicht zur Kirchenspaltung führe.

Wiener Kardinal Schönborn: Es gibt verheiratete katholische Priester

Auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn verwies in Interviews am Mittwoch auf verheiratete katholische Priester, die aus anderen christlichen Konfessionen übergetreten seien. Zugleich sagte der Kardinal, bei der bevorstehenden Synode gehe es um Lösungen für Amazonien, nicht um Rezepte für die Weltkirche. Möglicherweise könnten regionale Regelungen eine weltweite Vorbildwirkung haben.