Diskussion im LWL-Museum in Münster

Hubert Wolf: Kirche muss zu dunklen Seiten ihrer Geschichte stehen

Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf von der Universität Münster hat die Kirche aufgefordert, sowohl zu den hellen wie zu den dunklen Seiten ihrer Geschichte zu stehen. „Indem ich das Versagen der Kirche aufzeige, schwäche ich sie nicht“, sagte Wolf am Dienstagabend im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster. Nichts sei nämlich schlimmer, als gegen die Wahrhaftigkeit zu verstoßen.

Die Dokumentation zum Anschauen in der ZDF-Mediathek.

Der Diskussionsabend hatte mit der Vorführung der ZDF-Dokumentation „Das Kreuz mit dem Frieden. Die Christen und der Krieg“ begonnen. Sie erweckt Schlüsselmomente der christlichen Friedensgeschichte mit Spielszenen zum Leben.

Wie stark vereinfacht ein Film?

Michaels Pilters, Leiterin der ZDF-Redaktion „Kirche und Leben“ hob in der Diskussion hervor, es habe in der Geschichte viel mehr Krieg als Frieden gegeben. Deshalb sei es ungleich schwieriger, Helden des Friedens zu finden als Kriegstreiber. Gleichwohl gehe es der Redaktion mit dem Film nicht darum, Kirche und Christentum zu rechtfertigen, sondern ein wichtiges aktuelles Thema journalistisch aufzugreifen.

Eine Frau im Dreißigjährigen Krieg bittet um ihr Leben.
Eine Frau im Dreißigjährigen Krieg bittet um ihr Leben: Spielszene aus der ZDF-Dokumentation. | Foto: ZDF/Ralf Gemmecke

Ingo Helm, Autor und Regisseur des Dokumentarfilms, sagte, ihm sei es darum gegangen, ein komplexes Thema wie den Umgang der Christen mit Krieg und Frieden handwerklich gut zu erzählen und möglichst Denkanstöße zu vermitteln. „Die Frage ist dann immer, ob man genug oder zu sehr vereinfacht“, gab Helm zu bedenken. „Wenn man zu sehr vereinfacht, spielt man den Demagogen, die einfache Lösungen wollen, in die Hände.“ Dass nur eine Million Menschen den Film im ZDF gesehen hatten, führte Helm darauf zurück, dass das Thema Krieg und Frieden den Deutschen nicht genug auf den Nägeln brenne.

Gewalt- und Friedenspotenzial der Religionen

Viktoria Weinebeck vom Kuratoren-Team der Ausstellung „Frieden. Wie im Himmel so auf Erden?“ im Landesmuseum erläuterte, der Schau gehe es um eine sachliche Darstellung des christlichen Verhältnisses zum Frieden. Bei manchen Konflikten – wie etwa den Sachsenkriegen Karls des Großen oder dem Dreißigjährigen Krieg – falle es gleichwohl schwer, zu trennen, ob sie eher religiös oder politisch motiviert gewesen seien, urteilte Weinebeck.

Einig waren sich die Teilnehmer der Diskussion, man müsse grundsätzlich der Frage nachgehen, wie gewaltbereit Religionen seien. „Ohne Religion lässt sich ein bestimmtes Aggressionspotential nicht freisetzen“, betonte Kirchenhistoriker Wolf. „Aber andererseits gilt auch: Kein Weltfrieden ohne Religionsfrieden.“