„Keine einfache Antwort, warum Gott eine solche Tat zulässt“

Hunderte Menschen bei Trauerandacht am Hauptbahnhof Frankfurt

Einen Tag nach dem gewaltsamen Tod eines achtjährigen Jungen im Frankfurter Hauptbahnhof haben Vertreter der Kirchen eine ökumenische Andacht gehalten. Zu dem Trauergedenken auf dem Bahnhofsvorplatz kamen am Dienstagabend mehrere hundert Menschen.

Am Montagvormittag hatte ein Mann eine Mutter und deren achtjährigen Jungen vor einen einfahrenden ICE aufs Gleis gestoßen. Die 40-jährige Frau konnte sich in letzter Sekunde retten, der Junge wurde von dem Zug erfasst und getötet. Ein 40-jähriger Eritreer wurde als Tatverdächtiger festgenommen.

„Jetzt nicht den Weg des Hasses gehen“

Die Vertreter der Kirchen und Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) gedachten nicht nur des getöteten Jungen und seiner Familie. Sie warnten auch davor, die „unfassbare“ und „sinnlose“ Tat für rassistische Hetze zu instrumentalisieren.

Carsten Baumann, Leiter der ökumenisch geführten Bahnhofsmission, äußerte die Befürchtung, dass die Tat „in Sozialen Netzwerken genutzt wird, um die Spaltung der Gesellschaft voranzutreiben“. Feldmann sagte, er hoffe, „dass der Hass nicht verfängt, den einige bereits im Netz geäußert haben“. Die Antwort auf die Tat könne „nicht sein, dass wir die Gebote unserer Religion verlassen und den Weg des Hasses gehen“.

Gebet auch für den Täter

Jutta Jekel, Pfarrerin der evangelischen Hoffnungsgemeinde, sagte, dass sie auch den mutmaßlichen Täter ins Gebet einschließe. Er müsse sich vor Gott verantworten. Jekel fragte auch, was ein Mensch zuvor erlebt haben müsse, „dass er so wird, so voll von Aggression und Menschenverachtung“.

Die katholische Pastoralreferentin Beatrix Henrich von der Dompfarrei St. Bartholomäus sagte, es gebe keine einfache Antwort darauf, warum Gott eine solche Tat zulasse. An der Gedenkandacht nahmen auch zwei Vertreter der eritreischen Gemeinden in Frankfurt am Main teil.