Anwaltsbüro in Illinois veröffentlicht Namensliste

Hunderte Priester in den USA des Missbrauchs beschuldigt

Ein Anwaltsbüro in Illinois hat die Namen hunderter katholischer Priester veröffentlicht, die in den vergangenen Jahrzehnten in den Bistümern des US-Bundesstaates Kinder sexuell missbraucht haben sollen. „Das Datenmaterial enthüllt das erschreckende Ausmaß, in dem Priester Kinder bis zum heutigen Tag sexuell missbrauchen“, heißt es laut US-amerikanischen Medienberichten in dem am Mittwoch (Ortszeit) in Chicago vorgestellten Bericht der Kanzlei Jeff Anderson & Associates, die zahlreiche Missbrauchsopfer vertritt.

Unter den insgesamt 395 „glaubhaft Beschuldigten“ seien auch sechs Nonnen und einige Laien. Die Taten, auf die sich der Bericht bezieht, erstrecken sich über mehr als ein halbes Jahrhundert. Die meisten Täter seien tot oder nicht mehr im Dienst.

„Institutionelle Vertuschung“

In einigen Fällen seien Täter nach Vorwürfen gegen sie von der Kirchenleitung absichtlich versetzt worden, auch in Positionen mit direktem Zugang zu Kindern, obwohl das Ausmaß ihrer Verbrechen bekannt gewesen sei. Dem Erzbistum Chicago und den fünf übrigen Diözesen in Illinois warf Anwalt Jeff Anderson „eine institutionalisierte Vertuschung enormen Ausmaßes“ vor.

Die Diözesen wiesen die Vorwürfe zum Teil zurück. Die Diözese Joliet veröffentlichte eine Erklärung, sie habe alle bekanntgewordenen Fälle mit belastbaren Vorwürfen an die Strafverfolgungsbehörden gemeldet. Ähnlich äußerte sich die Erzdiözese Chicago.