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Adlige stickte 15 Monate lang für Kapellengemeinde in ihrer Heimat

Hungertuch in Ahle gilt als Meisterstück des Textildesigns

  • 15 Monate stickte Carola Freiin von Dalwigk zu Lichtenfels an einem Hungertuch, das sie 1968 ihrer Heimatgemeinde im westmünsterländischen Ahle schenkte.
  • Die fünf Bilder des Hungertuchs stellen die fünf sogenannten „Geheimnisse des Schmerzhaften Rosenkranzes“ dar.
  • Das Werk steht in Tradition berühmter Fastentücher im Münsterland.
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In der Fastenzeit zieht in der Heilig-Kreuz-Kapelle in der Bauerschaft Ahle in Heek ein großes Hungertuch die Blicke auf sich. Aufgehängt ist es vor der Kreuzigungsgruppe im Chorraum, die noch schemenhaft durch das Tuch zu sehen ist. „Das Hungertuch ist traditionsbezogen und zeitgemäß“, sagt Pfarrer Josef Leyer von der Pfarrei Heilig Kreuz.

In der besonderen Textilverarbeitung steht das Ahler Hungertuch in einer Reihe von älteren und jüngeren Hungertüchern aus dem Münsterland. Dazu zählen die wertvollen historischen Hungertücher aus Telgte von 1623 und Vreden von 1619 sowie die neuentstandenen in Schöppingen 1985 und in Vreden 1994.

Stickerei-Arbeit dauerte 15 Monate

Die Heilig-Kreuz-Kapelle in der Bauerschaft Ahle.
Die Heilig-Kreuz-Kapelle in der Bauerschaft Ahle liegt in Nähe der Landstraße zwischen Heek und Ahaus. | Foto: Johannes Bernard

Leyer kennt die Geschichte des Ahler Hungertuchs, das erstmals 1968 im Altarraum der Kapelle gezeigt worden ist. Auf Anregung der ehemaligen Lehrerin Theresia Reinersmann und nach Beratung mit der Familie von Dalwigk hatte im Herbst 1966 die Textilkünstlerin Lotte Bach aus Nottun-Schapdetten fünf Arbeitszeichnungen zu einem neuen Hungertuch entworfen.

Die 70-jährige Carola Freiin von Dalwigk zu Lichtenfels aus Enschede hatte sich bereit erklärt, das Hungertuch in einer Größe von 4,15 mal 3,17 Meter in der alten Filetsticktechnik mit handgewebtem Leinen anzufertigen. Nach 15 Monaten Arbeit machte sie das neue Hungertuch im Frühjahr 1968 ihrer Heimatgemeinde Heilig Kreuz Ahle zum Geschenk. „Entsprechend den münsterländischen Vorbildern ist auch bei diesem Hungertuch der Wechsel von geschlossenen weißen Leinenflächen und gestalteten transparenten Feldern charakteristisch“, erklärt Leyer die Textilkunst.

Hirschgeweih im Familien-Wappen

Das Hungertuch ist durch das große dominierende kreuzförmige Mittelfeld und kleine quadratische Felder in den vier Ecken gegliedert. Die fünf Bilder stellen die fünf sogenannten „Geheimnisse des Schmerzhaften Rosenkranzes“ dar: die Todesangst Jesu, die Geißelung Jesu, die Dornenkrönung, Jesus trägt das schwere Kreuz und die Kreuzigung Jesu.

Unter der Kreuzigungsgruppe ist eine lateinische Inschrift eingestickt, die der Karfreitagsliturgie entnommen ist: „Ecce lignum crucis in quo salus mundi pependit. Venite adoremus“ (Seht das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen. Kommt, lasset uns anbeten). Betrachter entdecken im Hungertuch auch das Wappen der Familie von Dalwigk: ein Hirschgeweih von vier Enden, die jeweils mit einer Rose verziert sind.

Die Ahler Kapelle ist tagsüber geöffnet. Ein Kapellenverein errichtete sie 1922 als drittes Gotteshaus an dieser Stelle.

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