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Mika aus Münster empfing das Sakrament kurz vor seiner Erstkommunion

„Ich möchte getauft werden“ – warum sich ein Neunjähriger entschied

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Als seine Klassenkameraden von ihrer Erstkommunion erzählten, wurde Mika hellhörig. Warum war er nicht auch zu den Vorbereitungstreffen der Pfarrei eingeladen worden? Wenig später wurde er getauft.

Mika wusste gar nicht, was eine Erstkommunion ist. Aber irgendwann Anfang der dritten Klasse schnappte er das Wort zum ersten Mal auf. Es war Thema unter seinen Klassenkameraden. „Es ging vor allem um Geschenke“, sagt der Neunjährige. „Da gab es welche, die rechneten mit 500 Euro!“

Das beeindruckte ihn, keine Frage. „Es hörte sich an wie ein zweites Weihnachten.“ Fast alle seine Freunde sprachen vom anstehenden Fest. Sie berichteten von den Briefen der Pfarrei, von gemeinsamen Treffen und von Ausflügen. „Hörte sich cool an.“

Die Eltern waren ausgetreten

Mika besucht mit seiner Mutter die St.-Josef-Kirche. | Foto: Michael Bönte
Mika besucht mit seiner Mutter die St.-Joseph-Kirche. | Foto: Michael Bönte

Mika bekam aber keinen Brief. Was logisch war, denn er war nicht getauft und somit nicht in den Akten der Kirche. Seine Mutter Britta hatte sich im jugendlichen Alter entschieden, aus der Kirche auszutreten. Sie hatte sich dort mit ihren politischen Positionen nicht mehr zu Hause gefühlt. Mika sollte irgendwann selbst bestimmen, ob und wie er seinen Weg im Glauben gehen wollte.

Auf seiner katholischen Grundschule gab es durchaus eine Kontaktfläche zur Kirche. Aber Gottesdienstbesuche waren für Mika selten. „Ich wusste, dass es die Kirche gibt“, sagt er. „Und worum es beim Glauben ungefähr ging.“ Jetzt, als seine Freunde plötzlich auch auf dem Schulhof davon sprachen, wollte er mit dabei sein.

Sympathische Katechetinnen

Ein Wunsch, den er daheim äußerte und der bei seiner Mutter nicht auf taube Ohren stieß. „Ich kannte einige Eltern, die sich im Vorbereitungsteam für die Erstkommunion engagierten“, sagt die 49-Jährige. „Sie waren sympathisch und aufgeschlossen.“ Und sie hoffte, dass ihr Sohn in der Vorbereitung die Gelegenheit bekommen würde, über Dinge zu sprechen, „die in seinem Leben wichtig werden“. Themen, die auch bei Mutter-Sohn-Gesprächen immer wieder Platz haben: „Vertrauen, Ängste, Hoffnungen …“

Es gab also genug Gründe, Mika seinen Wunsch zu erfüllen. „Du darfst das aber nicht nur der Geschenke wegen machen – du musst richtig Lust dazu haben, in der Gruppe mit deinen Freunden etwas zu erleben.“ Hatte Mika.

Einladende Antworten

Aber wie sollte eine Erstkommunion eines ungetauften Kind funktionieren, bei dem Vater und Mutter aus der Kirche ausgetreten sind? Diese Frage nahmen sie mit zum Pfarrbüro. Die Antwort war einladend locker, erinnern sich beide. „Natürlich geht das“, sagte die Sekretärin. „Du musst vorher nur getauft werden.“

„Taufe“. Ein Wort, das bei Mutter und Sohn Gefühle auslöste. „Ich erinnerte mich an eigene schöne Erlebnisse in der Kirche von früher“, sagt Britta Kohorst. „In meiner Kindheit hatte ich die Stationen Taufe, Erstkommunion und Firmung ja selbst mitgemacht.“

Ordentlich Wasser über den Kopf?

Mika dagegen hatte großen Respekt, weil er noch nie zuvor eine Taufe miterlebt hatte. „Meine Freunde sagten mir, ich würde ordentlich kaltes Wasser über den Kopf kriegen.“ Es sollte aber anders kommen. „Es war nur ganz wenig Wasser – und es war vorgewärmt.“

Wenn er heute mit seiner Mutter die Fotos der Taufe auf dem heimischen Esstisch durchstöbert, dann ist herauszuhören, was die eigentlichen Erlebnisse in dieser Zeit waren. Das gemeinsame Basteln der Taufkerze zum Beispiel. „Mama hat sie einmal runtergeworfen und fast kaputt gemacht.“ Oder die Geschenke, die er von seinen Freunden bekam: „Die fanden die Aktion einfach total cool.“

Nach fast 30 Jahren wieder in die Kirche

Auch seine Mutter war beeindruckt. „Ich ging plötzlich wieder zur Kirche“, erinnert sie sich. „Nach fast 30 Jahren.“ Sie erlebte dabei nicht nur den Kirchenraum als beeindruckend. „Auch die Themen, um die es in den Familiengottesdiensten ging, sprachen mich an.“ Und dann erzählt sie von dem Kreis aller Gottesdienstteilnehmer, der sich um das Taufbecken formte, als Mika getauft wurde. „Sehr festlich, sehr herzlich, sehr innig – beeindruckend.“

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Damit war der Weg zu seiner Erstkommunion endgültig frei. Wenngleich er den schon lange begonnen hatte. An den ersten Vorbereitungstreffen hatte er weit vor seiner Taufe im vergangenen Februar teilgenommen. Auch davon gibt es jede Menge Fotos. Und die Erinnerungen am heimischen Küchentisch sind nicht weniger schön.

Foto mit Mika in Kutte

„Wir haben einen Film geguckt, haben die Kirche erkundet und waren im Sauerland in einem Kloster“, sagt Mika und zeigt ein Foto, auf dem er eine Ordenskutte trägt. Seine Mutter muss lachen: „Der Gruppenleiter schickte mir eine Kurznachricht mit dem Bild und dem Text: Ich glaube, Mika wird Mönch.“

Das bleibt abzuwarten. Tatsache aber ist, dass ihm durch Taufe und Erstkommunion ein Gruppenerlebnis möglich wurde, das er so noch nicht kannte. Das sagt er selbst, wenn er heute am Küchentisch in die Fotoalben schaut. „Das war irgendwie neu, wir haben anders miteinander gesprochen, uns viel besser kennengelernt.“ Auch ein wenig Stolz ist ihm in diesem Augenblick anzusehen.

Es gab Geschenke

Den teilt seine Mutter mit ihm. „Es gab viele schöne Momente.“ Auch, weil sie unerwartet kamen, sagt sie. „Ich habe durch Mika viele Menschen kennengelernt, Herzlichkeit erlebt und gute Worte gehört.“  Das seien „echte Geschenke“ gewesen. Ihr Sohn nickt.

Er gibt aber zu, dass das mit den Geschenken auch nicht so schlecht war. „Die Kommunion war wie ein drittes Weihnachten.“ 33 Verwandte und Freunde kamen, sie hatten einen Raum gemietet, feierten lange. Ein „Weihnachtsfest“, an dem nicht nur die Wünsche erfüllt wurden, die Mika auspacken konnte.

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