Gabrielle von Schierstaedt leitet Praxis für Migranten

Im Malteser-Orden sieht sich der Adel verpflichtet

Die junge Frau weiß sich keinen Rat mehr und hat in ihrer Not die Praxis der Malteser-Migranten-Medizin in Münster aufgesucht. Sie ist eine von vielen ausländischen Kindern, Frauen und Männern, die sich in Deutschland ohne Krankenversicherung aufhalten. In gebrochenem Deutsch erklärt sie der ihr gegenübersitzenden Ärztin, was ihr auf der Seele brennt. Die Ärztin beruhigt sie und kann ihr helfen.

Gabrielle von Schierstaedt, Leiterin der Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung in Münster, hat Dienst. 2008 hat sie diese Einrichtung der Malteser gegründet und teilt sich bis heute mit fünf anderen Ärzten die Sprechstunden. „Diese Praxis ist mein Baby“, sagt von Schierstaedt. Ihr Name steht bei den Maltesern für viele soziale Tätigkeiten. Seit 2005 ist sie ehrenamtliche Diözesanoberin und stellvertretende Diözesanleiterin der Malteser.

Mutter von fünf Kindern

Sie kümmert sich zum Beispiel um den Besuchs- und Begleitdienst für alte, erkrankte  und einsame Menschen in Münster, den Klön- und Mittagstisch in Warendorf und den ambulanten Hospizdienst der Malteser im Bistum.

Die studierte Medizinerin widmet sich voll und ganz dem Ehrenamt. Während ihres Studiums und der Promotion hat sie fünf Kinder geboren und nur punktuell als Ärztin gearbeitet. Die Erziehung ihrer Kinder und die Sorge um die Familie hat sie der eigenen beruflichen Karriere vorgezogen.

Mit Kardinal von Galen verwandt

Gabrielle von Schierstaedt entstammt einer adeligen und im Bistum bekannten Familie. Die 68-jährige Malteserin ist eine geborene von Galen und mit dem 1946 verstorbenen Bischof und Kardinal Clemens August Graf von Galen verwandt. Ihr Urgroßvater und der Vater des Kardinals waren Brüder. Ihr Vater, der 1967 gestorbene Wilderich Graf von Galen, hat als Diözesanleiter der Malteser wesentlich den Aufbau der Organisation vorangetrieben und war Ordensritter. Das Engagement bei den Maltesern liegt von Schier­staedt also im Blut.

1990 kam der Stein ins Rollen. Für das Malteser Krankenhaus in Bockum-Hövel wurde ein neues Kuratoriumsmitglied gesucht. Sophie von Twickel, die Schwester des Oldenburgischen Offizials und Weihbischofs Max Georg von Twickel, war gestorben. Sie war als Ärztin im Kuratorium tätig gewesen. Weil man für das Kuratorium gern wieder eine Medizinerin gewinnen wollte, wurde von Schierstaedt gefragt.

Fast die ganze Familie gehört zum Orden

Zwei Jahre später schlug Gottfried Freiherr von Twickel sie für den Orden vor. „Ich war adelig und katholisch und engagierte mich darüber hinaus sozial“, erläutert von Schierstaedt. „Dass man adeliger Herkunft sein muss, steht zwar nirgendwo geschrieben, war aber sicher ein entscheidendes Kriterium. Damals zumindest“, fügt sie hinzu.

Ihr ist das soziale Engagement als Ordensdame jedoch mindestens ebenso wichtig. Ordensdame zu sein, war für sie letztlich eine Voraussetzung. Im Juni 1992 wurde sie in den Orden als „Ehren- und Devotionsdame“ aufgenommen. „Dabei zu sein, hat familiäre Tradition. Heute gehört fast die ganze Familie zum Orden.“

War die Aufnahme damals noch sehr einfach, wird die Zeremonie heute während eines ganzen Wochenendes vollzogen, in dem sich der Orden und das Werk vorstellen.

Mehr Bürgerliche werden aufgenommen

Auch wenn zunehmend Bürgerliche in den Orden aufgenommen werden, ist die Gemeinschaft fest in der Hand des Adels. „Der Orden ist von Adeligen gegründet worden“, sagt von Schierstaedt. Er bestimme nach wie vor das Bild der Gemeinschaft als geschlossene Gesellschaft.

„Man kennt sich, ist vielfach miteinander verwandt und hilft sich“, meint sie. Probleme ließen sich durch einen Telefonanruf zum Beispiel bei dem früheren Malteser-Chef, ihrem Vetter Karl Prinz zu Löwenstein, auf kurzem Dienstweg lösen. „Ganze Gliederungen des Ordens bestehen aus Familien“, sagt sie.

Als Mitglied einer adeligen Familie übernimmt man selbstverständlich Verantwortung, ist sich von Schierstaedt sicher. „Man tut das!“ Sei es als Schulsprecherin, im Pfarrgemeinderat oder in der Schulpflegschaft. „Für Adelige ist die Tätigkeit bei den Maltesern naheliegend“, sagt sie. Ihr ist dieses Engagement in Fleisch und Blut übergegangen.

Wie sich Herzog Rudolph von Croy und Elisabeth Freifrau von Loe bei den Maltesern engagieren, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von „Kirche+Leben“ (8. Oktober 2017). Hier geht es zum E-Paper und zum Abo.