Neue Dauerausstellung im Jüdischen Museum Dorsten

Im Museum in Dorsten lernen Kinder Hebräisch

Nach dreijähriger Vorbereitungszeit präsentiert das Jüdische Museum Westfalen in Dorsten eine neue Dauerausstellung. Die klassische Vitrinenschau weicht größtenteils einer auf Digitalisierung und Mitmachen ausgerichteten Präsentation. Zudem ist die Ausstellung inhaltlich erweitert worden. „Neben jüdischen Lebenswegen werden nun auch Aspekte wie jüdische Vielfalt, die Ein- und Auswanderung von Juden, jüdische Ethik und Jüdischsein in der Gegenwart aufgegriffen“, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter des Museums, Thomas Ridder.

Es ist die dritte Dauerausstellung, die in der 28-jährigen Geschichte des Museums zusammengestellt wurde. Mit der Ablösung der vor 18 Jahren konzipierten Schau reagiert das Haus auf aktuelle Forschungsergebnisse, veränderte Sehgewohnheiten und neue technische Möglichkeiten.

Liberales und orthodoxes Judentum

Nach Auskunft von Ridder stellt die neue Dauerausstellung das orthodoxe, konservative und liberale Judentum vor. Mehr Raum bekämen die Einwanderungswellen von Juden nach dem Ersten Weltkrieg und zu Beginn der 1990er Jahre aus Osteuropa.

Die Besucher können die Geschichte und Traditionen des Judentums selbst aktiv entdecken. So ist in der Mitte des großen Ausstellungsraumes ein spiralförmiger Tisch installiert, der den jüdischen Kalender und seine Feiertage erläutert. Auch die Bedeutung von Synagoge und Tora werden erklärt.

In 16 Lebenswegen aus Westfalen wird die jüdische Geschichte der Region anhand einer digitalen Beamer-Projektion dargestellt. Vorgestellt wird auch Marga Spiegel (1912-2014), die von 1943 bis 1945 bei katholischen Bauern im Münsterland untertauchte und so der drohenden Deportation entging. Ihre Überlebensgeschichte erschien erstmals 1965 in 17 Folgen in der Bistumszeitung „Kirche+Leben“.

Die erste Rabbinerin der Welt

Eine eigene Ausstellungsspur führt Kinder durch die Ausstellung und erklärt besondere Exponate und Mitmach-Stationen. Dazu gehört auch, die hebräischen Schriftzeichen kennen zu lernen, wie Museums-Mitarbeiterin Cordula Lissner erläutert. Auf einer großen Tafel können Kinder auf Hebräisch ihren Namen oder auch das Schalom schreiben. Ziel ist es, auch Schulklassen für einen Besuch des Museums zu gewinnen.

 

Im Herzen des großen Ausstellungsraums ist ein spiralförmiger Tisch installiert, der anschaulich den jüdischen Kalender und seine Feiertage erläutert. | Foto: Johannes BernardIm Herzen des großen Ausstellungsraums ist ein spiralförmiger Tisch installiert, der anschaulich den jüdischen Kalender und seine Feiertage erläutert. | Foto: Johannes Bernard

Sonderausstellungen erweitern das thematische Angebot. Derzeit wird bis zum 28. April das Lebensbild der ersten Rabbinerin der Welt, Regina Jonas (1902-1944) gezeigt. Erst 1992, fast sechs Jahrzehnte nach ihrer Ordination, erfuhr eine breitere Öffentlichkeit, dass die Berlinerin die erste Rabbinerin überhaupt war – und zwar für lange Zeit. Sie studierte nach Auskunft von Ridder an der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und wurde im Dezember 1935 ordiniert. 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert und zwei Jahre später in Auschwitz ermordet. Erst in den 1970er Jahren gab es im liberalen Judentum Rabbinerinnen. Weltweit sind heute mehr als 1000 Rabbinerinnen tätig. Die zurzeit in Deutschland amtierenden sieben Rabbinerinnen werden im Museum in Kurzporträts vorgestellt.

„Der Mann beherrscht nicht die Frau“

Das Leben von Regina Jonas illustrieren Dokumente wie ein Plakat aus dem Jahr 1938. Es kündigte eine Hawdala-Feier an, bei der die Rabbinerin sprach. Hawdala ist ein religiöses Ritual im Judentum, das am Samstagabend bei Nachteinbruch das Ende des Schabbat und den Beginn der neuen Woche kennzeichnet.

Jonas sah sich unter den Rabbinern als gleichberechtigt an: „Ich kam zu meinem Beruf aus dem religiösen Gefühl, dass Gott keinen Menschen unterdrückt, dass also der Mann nicht die Frau beherrscht.“

Sie sagte einmal: „Fähigkeiten und Berufung hat Gott in unsere Brust gesenkt und nicht nach dem Geschlecht gefragt. So hat ein jeder die Pflicht, ob Mann oder Frau, nach den Gaben, die Gott ihm schenkte, zu wirken.“