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Themenwoche (4) - Kältewinter und Energiekrise in sozialen Einrichtungen

Im Seniorenheim bleiben die Zimmer warm – wer trägt die Kosten?

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Strom, Sprit, Heizung: Auch die Dienstleistungen der Sozialwirtschaft, vom Kindergarten übers Krankenhaus bis zum Pflegeheim, sind von den Auswirkungen der Inflation und der Energiekrise betroffen. In einer Themenwoche berichtet "Kirche-und-Leben.de", wie sie damit umgehen. Teil 4: ein Seniorenheim in Ahlen.

Auch Pflege- und Seniorenheime kämpfen gegen die massiv steigenden Kosten. Fakt ist, dass Heimplätze durch die Krise erheblich teurer werden. Für manche Einrichtung wird es eng.

Mit Mehrkosten von 450.000 Euro im kommenden Jahr rechnet Silvia Keggenhoff, Einrichtungsleiterin des Elisabeth-Tombrock-Hauses in Ahlen. Mit 360.000 Euro schlage die Erhöhung des Gaspreises und mit 100.000 Euro die Strompreisanhebung zu Buche, berichtet Keggenhoff.

Inflation bei Lebensmittelpreisen

Hinzu kommt die hohe Inflation, wobei sich insbesondere die stark gestiegenen Lebensmittelpreise bemerkbar machen. Dazu auf der einen Seite hohe Personalkosten, auf der anderen Seite wiederum ein Mangel an Pflegekräften.

In dem Heim leben derzeit 145 Bewohnerinnen und Bewohner in sieben Wohnbereichen. Eine eigene Wäscherei verschlingt viel Energie. „Wir haben überall geschaut, wo wir Energie sparen können“, sagt Keggenhoff.

Lebensmittel im Keller

So seien unter anderem sparsame Leuchtmittel eingesetzt worden, Perlatoren an den Waschbecken seien ausgetauscht worden, um den Wasserverbrauch zu senken. Im Keller des Seniorenheims wurde inzwischen ein Notfalllager mit Lebensmitteln eingerichtet. Es sei geplant, bei der Photovoltaik nachzurüsten.

Frieren sollen die Bewohner nicht, ihre Zimmer bleiben warm. Die öffentlichen Bereiche wie Flure und Büros würden hingegen nicht mehr so stark beheizt. Wegen Corona müsse auch weiterhin regelmäßig gelüftet werden.

Ein Notstromaggregat würde nicht reichen

Die Mitarbeitenden – in Spitzenzeiten 200 Menschen – hätten sich Jacken mitgebracht, berichtet die Heimleiterin. Für den Fall eines Stromausfalls sind Notfallpläne erstellt worden. Bewegungsmelder und Taschenlampen seien angeschafft worden. Es gebe eine batteriebetriebene Notbeleuchtung.

„Wir hoffen natürlich, dass ein Blackout nicht eintrifft“, erklärt Keggenhoff. In Konferenzen mit dem Kreis Warendorf zusammen mit den Trägern von Pflegeheimen habe man beratschlagt, wie man sich auf den kommenden Winter einstellen kann. „Leider haben wir kein Notstromaggregat. Eins würde auch nicht ausreichen“, so die Heimleiterin. Eine Entscheidung über die Anschaffung solcher Geräte sei noch nicht gefallen.

Kosten nicht einfach umlegen

Silvia Keggenhoff, Einrichtungsleiterin des Elisabeth-Tombrock-Hauses in Ahlen | Foto: privat
Silvia Keggenhoff, Einrichtungsleiterin des Elisabeth-Tombrock-Hauses in Ahlen | Foto: privat

Ein großer Vorteil des Tombrock-Hauses sei, dass es - wie das Ahlener Krankenhaus - zur Franziskus-Stiftung in Münster gehöre und möglicherweise, dort angedockt, auch Heimbewohner dorthin verlegt werden könnten. Das sei in letzter Konsequenz allerdings noch nicht besprochen.

Die zusätzlichen Kosten können die Träger nicht einfach auf die Heimbewohner umlegen. Das liegt zum einen an den Verträgen mit den Pflegebedürftigen selbst. Darin sind die Kos­ten für die Leistungen während der Pflege geregelt.

Wie hoch werden die neuen Pflegesätze?

Den Preis berechnet das Pflegeunternehmen zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses. Heißt: Eine unvorhergesehene Explosion der Energiepreise trifft die Träger schwer. Denn die aktuell stark steigenden Kosten von Pflegeeinrichtungen können nicht zeitnah auf langfristig vereinbarte Pflegesätze umgelegt werden. Sie sind derzeit zudem schwer für ein Jahr im Voraus zu kalkulieren.

Eine Anpassung der Pflegesätze wird nur einmal im Jahr mit den Pflegekassen und Sozialhilfeträgern verhandelt. Der aktuelle Pflegesatz laufe am 31. Dezember aus, so Keggenhoff.

Völlig offen sei der Ausgang der Pflegesatz-Verhandlungen. Die Kostenträger hätten eine Steigerung von 2,4 Prozent angeboten. Das werde nicht ausreichen, um die Mehrausgaben auszugleichen. Silvia Deggenhoff blickt in eine ungewisse Zukunft.

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