Bibelarbeit mit Benjamin Idriz und Pfarrer Ludger Kaulig

Imam beim Katholikentag: Islamisten missbrauchen den Koran

Mit einem „Grüß Gott“ begrüßte Imam Benjamin Idriz aus dem bayerischen Penzberg mehr als 150 Katholikentagsbesucher zur morgendlichen Bibelarbeit am Freitag. Zusammen mit Pfarrer Ludger Kaulig aus Ahlen, dem Islam-Beauftragten des Bistums Münster, legte er die Worte des alttestamentlichen Propheten Jesaja über das „neue Heil für Zion“ aus (Jesaja 52,1-12).

Benjamin Idriz ist ein Imam, der von sich sagen darf, ein Hafis zu sein. Schon im Alter von elf Jahren war er jemand, der den Koran vollständig auswendig beherrschte. Seit 1995 ist Idriz Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg bei München, die sich vornehmlich aus Mitgliedern mit bosnischem, türkischem, albanischem und deutschem Hintergrund zusammensetzt. „Wir sind eine moderne Gemeinde, und wir wollen zeigen, dass der Islam sehr wohl an einem religiösen Dialog interessiert ist“, sagte Idriz.

„Grüß Gott, Herr Imam“

Der islamische Gelehrte, der vor zwei Jahren das viel beachtete Buch „Grüß Gott, Herr Imam“ schrieb, machte deutlich, dass der Koran die biblischen Offenbarungen und Propheten anerkennt und wertschätzt. Auch wenn der Koran den Propheten Jesaja nicht ausdrücklich erwähne, seien seine Worte auch für Muslime wertvoll. „Der Koran erwähnt, dass Gott in vielen Propheten gesprochen hat. Und darunter fallen auch die Worte von Jesaja. Uns Muslimen fällt es daher nicht schwer, in Jesaja eine biblische Gestalt zu sehen.“

„Wir leiden unter dem Terror“

Idriz deutete die Worte des Propheten als Gottes Botschaft für Freiheit und Frieden: „Die Befreiung des Menschen geht von Gott aus.“ Der Prophet Mohammed habe nichts anderes verkündigen wollen. „Leider werden die Worte des Propheten Mohammed oft missverstanden und missbraucht.“

Es gebe einen Missbrauch des Islam durch so genannte Islamisten: „Wir leiden unter diesem Terror. Und die meisten Opfer des islamistischen Terrors sind die Muslime“, machte Idriz deutlich. Er wünschte sich in den Debatten um Integration und um die Stellung der Muslime in der deutschen Gesellschaft eine „Unterscheidung der Geister“.

Religion stiftet Identität in der Fremde

Pfarrer Kaulig, der sich seit mehr als 20 Jahren im christlich-islamischen Dialog engagiert, verglich das Leben im Exil, von dem Jesaja spricht, mit den heutigen Migrationsbewegungen und der Angst der Einheimischen, die eigene Identität und Gewissheiten zu verlieren. „Die Religion stiftet besonders für diejenigen Identität, die in der Fremde leben müssen.“ Das sei bei den deutschen Auswanderern in die USA im 19. Jahrhundert nicht anders gewesen. „In der Fremde spürten die Israeliten besonders: Gott ist da. Das ist heute für viele Muslime ähnlich“, verglich Kaulig das Schicksal, Heimat verlassen zu müssen.

Kaulig wünschte sich eine unaufgeregte Integrationsdebatte und einen selbstverständlichen Umgang mit Einwanderern, besonders wenn sie eine andere Religion hätten. Nur im Dialog insbesondere mit Juden und Muslimen könne man mutige Schritte auf dem Weg zu einem friedlichen Zusammenleben gehen. Unsere Botschaft lautet: „Religion ist nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung“, sagte Kaulig.