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St. Marien Delmenhorst will Pfarrhaus abreißen und Pfarrheim umbauen

In Delmenhorst werden die Bagger rollen – neues Gebäudekonzept

  • St. Marien Delmenhorst steht vor baufälligen und schlecht genutzten Gebäuden.
  • Dem wollen Pfarreirat und Kirchenausschuss in den kommenden Jahren gezielt gegensteuern.
  • Unter anderem soll das Pfarrhaus abgerissen und das Pfarrheim umgebaut werden.

Mit dem E-Scooter gegen das große Weihwasserbecken – für den gehbehinderten Kirchenbesucher ging das glimpflich aus. Das Weihwasserbecken aber war zerstört. Geschehen in der Pfarrkirche St. Marien Delmenhorst. Und in der Gemeinde dort Anlass, über Baumaßnahmen nachzudenken. Denn der Zugang zur Pfarrkirche ist für behinderte Menschen schwierig; der E-Scooter musste die Türschwelle mit Schwung überwinden und kam nicht mehr rechtzeitig zum Stehen.

Im Pfarreirat war schnell klar: Die Kirche braucht einen barrierefreien Zugang ohne Stufen und Schwellen, dazu eine automatische Türöffnung. Doch das war nur der Anfang.

Den Gebäudebestand überprüfen

Denn St. Marien stand nach dem Beschluss eines Pastoralplans 2016 nun die Überlegung an, mit welchem Gebäudebestand die Diasporagemeinde künftig handeln will. Pfarreirat und Kirchenausschuss haben sich dieser Frage angenommen. Pfarrer Guido Wachtel formuliert die Grundfrage so: „Wie können wir handlungsfähig bleiben mit weniger Menschen und Ressourcen?“

Auf einer Pfarrversammlung im Gemeindezentrum sollten erste Überlegungen vorgestellt werden, vor wahrscheinlich mehreren hundert Menschen.

Wegen Corona nur ein Pfarrkonvent

Doch Corona hat diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Pfarrer Wachtel hat mit Pfarreirat und Kirchenausschuss eine andere Lösung gefunden: einen so genannten Pfarrkonvent. Dafür kommen neben den Leitungsgremien nur je ein Vertreter von Gruppen und Vereinen zusammen. 65 seien das in Delmenhorst, rechnet der Pfarrer vor. Insgesamt seien 95 Menschen zusammengekommen. „Die haben trotz der Corona-Regeln gut in unsere Kirche gepasst.“

Michael Gellermann für den Pfarreirat, Peter Schmitz für den Kirchenausschuss und Pfarrer Wachtel stellten dort „erste Vor-Überlegungen und Pläne“ vor, die das Umfeld der Pfarrkirche in der Innenstadt von Delmenhorst einschneidend verändern werden.

Das Pfarrhaus wird abgerissen

Das Pfarrhaus soll abgerissen werden. „Ein Sanierungsstau von 30 Jahren“, sagt Pfarrer Wachtel. Als er vor zwei Jahren nach Delmenhorst kam, ist er erst gar nicht dort eingezogen.

Das Pfarrbüro soll aus dem Pfarrhaus ins Pfarrheim umziehen. „Sinnvoll“, sagt Pfarrer Wachtel. Dort könne es viel besser mit der Finanzverwaltung zusammenarbeiten.

Das Pfarrheim wird barrierefrei

Das Pfarrheim wird dafür umgebaut und saniert. Denn auch Diensträume für den Pfarrer und Angestellte sind dort geplant. Zudem soll ein Aufzug eingebaut werden, um das Haus barrierefrei zu machen.

Die Gemeinde kann im Schwesternhaus des früheren katholischen Krankenhauses Wohnungen für den Pfarrer und Gäste einrichten. Zudem werden dort die Büros der Caritas und der Seelsorger zusammengefasst. Dafür kauft das Bischöfliche Offizialat das Haus und stellt es der Gemeinde zur Verfügung.

Pfarrer Wachtel betont im Gespräch, dass Delmenhorst als Diasporagemeinde sich nahezu komplett aus Kirchensteuern finanziere. Deshalb müsse die Gemeinde angesichts weniger Gemeindemitglieder frühzeitig entscheiden, „in welche Projekt, Menschen und Gebäude wir noch investieren.“ Eines sei klar: „Ein einfaches ‚Weiter so‘ ist auch hier nicht mehr möglich.“

St. Marien Delmenhorst
Die Pfarrgemeinde St. Marien Delmenhorst ist mit rund 14.000 Katholiken eine der größten im Oldenburger Land. In der Industriestadt in Nordoldenburg ist nur jeder siebte Mensch katholisch. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde stark von vertriebenen Katholiken etwa aus Schlesien geprägt. Auch heute gehören viele Zugewanderte zu St. Marien. Die Gemeinde gibt einen Ausländeranteil von 14 Prozent an, Katholiken aus mehr 50 Nationen.
Zu St. Marien gehören seit 2006 auch die früher selbständigen Gemeinden Allerheiligen Delmenhorst, St. Hedwig Ganderkesee, St. Michael Stenum, St. Bernhard Bookholzberg. 2015 kam die Stadtgemeinde St. Christophorus dazu.

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