Keine Kleiderkammer, sondern gutes Gebrauchtes für alle

In Hamminkeln bieten Ehrenamtliche günstige Kleidung an

„Nein, Kleiderkammer heißen wir nicht mehr. GuGe-Laden haben wir uns genannt.“ Und das habe seinen Grund, erklärt Walburga Kraayvanger, die ehrenamtliche Chefin von 32 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. Sie halten den Laden mit „guter und gebrauchter Kleidung“ und vielen anderen Artikeln in Hamminkeln-Mehrhoog in Schwung. Gutes Gebrauchtes hat dem Laden auch den Namen gegeben.

„Das in vielen Gemeinden gebräuchliche Wort Kleiderkammer trifft auf uns nicht zu“, sagt Kraayvanger. „Denn wir öffnen uns nicht nur Flüchtlingen und sozial schwachen Menschen, sondern allen, die für kleines Geld gute Sachen kaufen wollen.“ Dadurch würde man vielen Kunden die Berührungsängste nehmen. Auch der Standort in der Bahnhofstraße ist bewusst gewählt. Früher war die Kleiderkammer im Keller der Feuerwehr untergebracht.

Erfolgreiches Team

Das Modell ist erfolgreich. Darüber freuen sich die ehrenamtlichen Helferinnen. Die jüngste ist 19, die älteste 78 Jahre alt. An vier Tagen in der Woche arbeiten die Frauen im GuGe-Laden, dessen Träger jetzt die Kirchengemeinde Maria Frieden ist. Beraten wird das Team in technischen Dingen nach wie vor von der Caritas.

„Wir sind erstaunt, dass es so gut klappt“, sagt Kraayvanger. „Zurzeit kommen weniger Flüchtlinge, weil ihre Zahl zurückgegangen ist. Einheimische, Ortsfremde und Bekannte kaufen bei uns ein und natürlich sozial Benachteiligte.“

Kinderbetreuung inclusive

Eine Mutter mit einem Baby betritt den Verkaufsraum. Sofort nimmt ihr eine Mitarbeiterin das Baby ab und kümmert sich solange um das Kind, bis die Mutter das Passende ausgesucht hat. „Ja, wir betreuen auch mitgebrachte Kinder“, sagt die ehrenamtliche Helferin und lacht.

Auch eine aus Danzig stammende Altenpflegerin gehört zu den Kundinnen des GuGe-Ladens. Danach gefragt, wie zufrieden sie ist, erzählt sie, dass sie seit der Geschäftseröffnung oft dort eingekauft hat. Zwei Steppjacken für den Winter, Ohrringe, modische Stiefel und ein Armband habe sie schon gefunden. „Ich freue mich über diese guten Sachen für wenig Geld und komme gern wieder.“

Große Verkausräume

Die 150 Quadratmeter großen Verkaufs- und Präsentationsräume samt Regalen und Kleiderständern haben die Helferinnen freundlich dekoriert. Damen-, Herren- und Kinderkleidung werden übersichtlich angeboten. Kunden können hier auch Ledertaschen und Schuhe durchaus bekannter Marken finden. Tisch- und Bettwäsche, Spiele, Kinderspielsachen und Kuscheltiere in jeder Größe gehören ebenfalls zum Angebot. „Unsere Artikel kosten zwischen 50 Cent und höchstens 15 Euro“, sagt Kraayvanger. Die Einnahmen aus dem Laden kommen sozialen Projekten in Hamminkeln zugute.

Gestartet ist der Laden 2015 als Kleiderkammer für Flüchtlinge. Walburga Kraayvanger und ihr Mann Hans-Jürgen waren damals erschüttert von dem Bild des syrischen Jungen, der tot an einen Strand im Süden der Türkei angespült wurde. Das Foto ging um die Welt.

Start in einer Garage

Als die Flüchtlinge auch nach Hamminkeln-Mehrhoog kamen, richtete das Ehepaar zuerst in seiner Garage eine Art Kleiderkammer ein. Die Gruppe „Mehrhoog hilft“ bildete sich. Über 200 Flüchtlinge mussten damals im Ort betreut werden.

Doch die Garage wurde schon bald zu klein. Die Gruppe wich in den Keller der Feuerwehr aus. Zurzeit sind 160 Frauen und Männer engagiert. Örtliche Unternehmen unterstützen die Gruppe mit Spenden.

Schulmaterialkammer geplant

„Fast alle Flüchtlinge konnten in Wohnungen untergebracht werden“, sagt Walburga Kraayvanger. „Wir sind ein tolles Team, in dem viele Freundschaften entstanden sind.“ Zurzeit hat die Gruppe neue Pläne: Die Engagierten überlegen, eine Schulmaterialkammer einzurichten, in der benachteiligte Kinder Hefte, Stifte und Bücher bekommen.