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Melodien zum Mitsingen als wöchentliches Highlight in Corona-Zeiten

In Lohne spielen Musiker dienstags „Hofkonzerte“ vorm Altenheim

Was kann helfen gegen Langeweile und Einsamkeit der wegen Corona abgeschotteten Bewohner? Zum Beispiel eine halbe Stunde handgemachte Livemusik. Auf die können sich die Senioren im St.-Elisabeth Haus in Lohne jede Woche freuen.

„Ich freu mich schon drauf. Sonst ist ja nicht viel möglich“, sagt Maria Heikebrügge, „nur essen, trinken, schlafen.“ Wie alle anderen Altenpflege-Einrichtungen achtet auch das Lohner Altenheim St.-Elisabeth-Haus in Zeiten von Corona strikt auf die Einhaltung der Hygiene-Vorschriften. Besuche sind derzeit tabu.

„Normalerweise gibt es hier ein abwechslungsreiches Programm“, sagt die 85-Jährige Bewohnerin. Und jetzt wird ihr die Woche lang und einsam. „Jeder Tag ist wie der andere.“ Außer dienstags nachmittags, wenn „Hofkonzert“ auf dem Programm steht.

Bei den „Caprifischern“ wippen die Bewohner mit

Schon um halb drei baut Heike Bruns ihre Ausrüstung auf: Lautsprecher, ein kleiner Verstärker, Notenständer und Gitarre.  Heute ist die Lohner Hobbysängerin an der Reihe. Vorher müssen Instrumente und Musikanlage noch aufeinander abgestimmt werden. „Eins, zwei, eins zwei“, hallt es über den Platz.

„Hofkonzerte“ – so lautet die spontan organisierte Veranstaltungsreihe, mit der Mitarbeiter des Lohner Ludgeruswerks in der Corona-Krise „einfach etwas tun“ wollten. Norbert Hinzke, Mechtild Braje gehören dazu und auch Heike Bruns. Sie erklärt: „Wir haben uns gedacht: Wenn die Senioren nicht zu uns kommen können und wir nicht zu ihnen, dann stellen wir uns einfach vors Altenheim und singen.“

Eine halbe Stunde Hofkonzert

Derweil sieht man nach und nach immer mehr Bewohner auf den Balkonen. Pflegerinnen begleiten einige in die Sonne vor der Eingangstür. Gleich geht es los. Maria Heikebrügge lächelt. Ihr Stuhl vor dem Altenheim ist jetzt ihr Konzertsessel.

„Caprifischer“ steht als erstes Lied auf der Liste von Heike Bruns. Schon nach der ersten Strophe wippen einige der Bewohner im Takt mit. Von den Balkonen schwenken einige gemeinsam mit Betreuerinnen ihre Arme zur Musik. Gut eine halbe Stunde dauert das Konzert.

Konzerte sind ein Highlight der Woche

Egal ob „Caprifischer“, „Vor der Kaserne“ oder Volkslieder - auch Mechtild Braje aus dem spürt, wie wichtig die kleinen Darbietungen für die Bewohner sind. „Es ist ein Highlight der Woche, auf das sie sich freuen.“

„Meine Mutter ist selbst Bewohnerin und freut sich, dass wir wenigstens einmal in der Woche hier Kontakt aufnehmen können“, sagt Norbert Hinzke, der pädagogische Leiter der Famiienbildungsstätte Lohne, der auch zum Organisationsteam der Hofkonzerte gehört.

Beim nächsten Mal gibt es Akkorderonmusik

Den Auftakt als Musiker hat vor einer Woche Franz kleine Holthaus gemacht. Der ehemalige Kaufmann spielt immer noch in mehreren Bands. Normalerweise hat der 73-Jährige dabei Noten und Griffe von Rockmusik vor sich. Für die Konzerte vorm Altenheim hat er sein Repertoire umgestellt auf Volkslieder wie „Die Gedanken sind frei“ oder Schlager von Freddy Quinn. „Der schönste Moment für mich war, als einige der Bewohner auf dem Balkon getanzt und mitgesungen haben“, sagt er.

In der kommenden Woche ist Christian Jäger als Interpret an der Reihe. Der evangelische Pfarrer will sein Akkordeon mitbringen. Damit war er schon öfter im Altenheim zu Gast und weiß um die Bedeutung von Musik für die Senioren.

In anderen Seniorenheimen gibt es ähnliche Aktionen

„Es ist eine große Freude, zu erleben, dass die Bewohner gerade Wander- oder Herbstlieder auswendig können“, sagt er. „Und zwar auch diejenigen, die sonst gar nicht mehr so orientiert sind. Die dann aber zum Beispiel bei ,Der Mond ist aufgegangen‘ alle Strophen kennen.“

Auch im Altenheim St.-Anna-Stift im Lohner Ortsteil Kroge gehören ähnliche musikalische Angebote mittlerweile ins Programm,  dort immer sonntags um 18 Uhr. In Kroge können auch mit Corona infizierte Bewohner bei offenem Fenster der Musik lauschen. Die Aktion soll bis zum Ende der Krise fortgeführt werden. Auch vor dem Seniorenhaus für Menschen mit Behinderung des Andreaswerks in Lohne haben ehrenamtliche Musiker den Bewohnern die Langeweile verkürzt. Hubertus Bothor und Bernd Hofmann vom Vechtaer Kolpingorchester hatten sich spontan zu einem Zwei-Mann-Konzert mit ihren Saxophonen bereit erklärt.

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