Michael Bönte kommentiert die Situation in der St.-Martin-Gemeinde

In Raesfeld fehlt das gute Gefühl

In Raesfeld standen Vertreter von Regnum Christi und der Karl-Leisner-Jugend Rede und Antwort zu ihren Aktivitäten in der St.-Martin-Gemeinde. Reporter Michael Bönte fragt: Bei allen wichtigen Informationen – hat sich das Gefühl der Menschen verändert?

Glauben ist eine Gefühlssache. Das ist in der Fragestunde zu Regnum Christi und der Karl-Leisner-Jugend in Raesfeld sehr deutlich geworden. Denn trotz aller wichtigen Antworten, welche die Vertreter beider Gemeinschaften geben konnten, am Ende blieb bei vielen das Gefühl des Unbehagens, das die Pfarrgemeinde schon lange begleitet.

Es sind Unsicherheiten: Werden wir von außen unterwandert? Ist das noch meine Vorstellung von Kirche? Müssen wir Angst um unsere Kinder haben? Wichtig wäre es gewesen, einen Vertreter dieser Gefühle in die Fragerunde einzubinden. Einer, der mit viel Fachwissen eine deutliche Gegenposition zu den anderen Referenten hätte einnehmen können. Er hätte die zum Teil hochemotionalen Statements der Betroffenen aus der Pfarrgemeinde sortieren und sachliche diskutieren können.

Nachdenklich werden

Denn wenn eine alte Dame aufsteht und sagt, dass sie auch mal weinend aus der Kirche geht, weil ihr die Inhalte der Predigt Angst gemacht haben, dann sollte das aufmerken lassen. Wenn die Begriffe „mundtot“ oder „Ausgrenzung“ fallen, egal wie sachlich begründet sie sind, dann muss das nachdenklich machen. Dann stimmt etwas nicht mit der Gemeinschaft.

So bleiben nach diesem Abend die entscheidenden Fragen noch unbeantwortet. Sie wurden aufgeschrieben und sollen weiter angegangen werden. Im Kern geht es darum, welchen Stellenwert die Pfarrgemeinde künftig Regnum Christi und der Karl-Leisner-Jugend geben soll. Eine verschwindend kleine Gruppe, die so viel Unruhe bringt.

Sie darf nicht ausgegrenzt werden – das wollen viele auch nicht. Wenn eine Unterschriftenliste übergeben wird, auf der sich 120 Raesfelder dafür aussprechen, Regnum Christi keine Räume mehr zur Verfügung zu stellen, hilft das nicht. Die Pfarrleitung ist viel mehr aufgefordert, für Verhältnismäßigkeit zu sorgen.

Vernünftige Relation

Einige Schritte könnten dabei helfen. Es muss im Vorfeld immer deutlich werden, welche Veranstaltung, welcher Referent oder welche Publikation von den geistlichen Gemeinschaften kommt. Es darf nicht sein, dass eine Gruppe, die vorwiegend aus Gläubigen außerhalb der Pfarrgemeinde besteht, einen Platz in der Verkündigung bekommt, ohne dass dies deutlich gekennzeichnet ist.

Auch sollte die Zahl dieser Angebote in vernünftiger Relation zu anderen stehen. Eine kleine Gruppe, so rege sie auch ist, sollte den Terminkalender der Pfarrgemeinde nicht dominieren. Dafür kann die Leitung der Gemeinde auch sorgen, indem sie Aktionen aus anderen Bereichen intensiver fördert. Und sie sollte dringend darauf achten, gerade im Alltagsgeschäft zu vermitteln, sich für alle Ideen und Richtungen in der Gemeinde gleichermaßen zu interessieren und nicht zu mauscheln oder im Hintergrund Strippen nur in eine Richtung zu ziehen.

Allein so kann dem Gefühl der Ungleichheit, der Tendenz oder gar Unterwanderung entgegen gewirkt werden. Auch wenn dies nach den Ausführungen am gestrigen Abend unbegründet scheint. Es ist ein Gefühl. Glauben ist vor allem eine Gefühlssache.