Befürchtung: Die Quote wird sinken

In Voerde sieht man Pfarreiratswahl ab 14 Jahren skeptisch

Pfarrer Heinz-Josef Möller ist skeptisch, ob viele Jugendliche an den Pfarreiratswahlen im November teilnehmen werden – trotz des auf 14 Jahre herabgesetzten Wahlalters. „Da bin ich Realist“, sagt der Voerder Seelsorger von St. Peter und Paul. Es sei ein Unterschied, ob sich Menschen der Gemeinde verbunden fühlen oder auch Verantwortung übernehmen möchten und zur Wahl gehen. „Von dieser Vorstellung müssen wir uns verabschieden. Da ist ein Bruch erkennbar.“

Dennoch tritt der Pfarrer für die Absenkung des Wahlalters ein. Es sei nur gerecht, wenn Jugendliche schon mit 14 Jah­ren und nicht erst wie bislang ab 16 wählen dürfen, sagt er. Jugendliche, die zur Firmung gehen, seien kirchlich ja auch voll mündig, argumentiert er und hofft, so doch den einen oder anderen dafür gewinnen zu können, sich für die Gemeindearbeit zu interessieren und sich stärker mit der Kirche auseinander zu setzen.

Keine Briefwahl

Rund sieben Prozent der Gemeindemitglieder waren vor dreieinhalb Jahren zur Wahl des ersten, neu geschaffenen Pfarreirats gegangen. Damit lag Voerde im Bistums-Durchschnitt. Durch das niedrigere Wahlalter sind nun mehr Menschen zur Wahl aufgerufen. Wenn sie nicht teilnehmen, droht eine niedrigere Quote.

Dennoch gehört auch St. Peter und Paul zu jenen Pfarrgemeinden, die auf eine allgemeine Briefwahl verzichten. „Wir haben einen Moment überlegt, dass man so viele Menschen ansprechen kann, uns dann jedoch dagegen entschieden“, sagt Ludger Ochtrop, Vorsitzender des Pfarreirats. Nicht nur die Kosten haben abgeschreckt. Er hat ein weiteres Argument gegen die postalische Zusendung der Wahlunterlagen an 8.500 wahlberechtigte Gemeindemitglieder: „Wir hätten sehr früh mit den Vorbereitungen und der Kandidatenliste fertig sein müssen, im Grunde vor den Ferien.“ Das sei nicht machbar gewesen.

Es bleibt bei den Hauptwahltagen

Daher wird es in Voerde beim 11. und 12. November als Hauptwahltage bleiben. Auch an den Sonntagen davor haben die Pfarreimitglieder die Möglichkeit, ihre Stimme abzugeben. Möller: „Uns liegt daran, allen die Wahl zu ermöglichen.“

Der neue Pfarreirat wird sich paritätisch aus allen Gemeindeteilen zusammensetzen, damit auch alle in gleichem Maß vertreten sind. „Wir sind dabei, Kandidaten zu finden“, sagt Möller. „Im Pfarreirat arbeiten Menschen, die das Ganze mitgestalten.“ Er ist das übergeordnete Koordinierungsgremium für die Pfarrei, legt die Richtung fest und achtet da­rauf, wo es gut läuft oder ob etwas geändert werden muss. Im Unterschied zu den Gemeindeausschüssen, die das seelsorgerische Leben wie Pfarrfest, Katechese vor Ort oder Fronleichnamsprozession mitgestalten. „Für den eigenen Kirchturm ist immer der Gemeindeausschuss zuständig“, sagt Möller. „Wir wollen die Identität der einzelnen Ortsteile bewahren.“

Ehrenamtliche motivieren

Die Mitglieder der Gemeindeausschüsse könnten theoretisch zeitgleich mit dem Pfarreirat gewählt werden. „Doch das wollen wir nicht, sondern möchten alle Kräfte mitmachen lassen“, sagt der Pfarrer. Bei einer Wahl gebe es immer Menschen, die verlören. „Das ist aber schade. Wir können es uns nicht mehr erlauben, Ehrenamtlichen, die motiviert sind, zu sagen, dass er oder sie nicht mitmachen darf.“