Verhaftung einer Schwester wegen Verdachts auf Kindeshandel

Indische Behörden gehen gegen Mutter-Teresa-Orden vor

Nachdem eine Schwester des Mutter-Teresa-Ordens wegen des Verdachts auf Kindeshandel festgenommen worden ist, gehen indische Behörden offenbar verstärkt gegen christliche Einrichtungen vor. Christenvertreter unterstellen auch böswillige Absichten.

Von der Lage in Ranchi, der Hauptstadt des Bundesstaats Jharkhand in Nordostindien, lässt sich kein eindeutiges Bild zeichnen. Klar ist: Eine Ordensschwester der von der heiligen Mutter Teresa gegründeten Missionarinnen der Nächstenliebe wurde verhaftet, weil sie ein Kind aus einem ordenseigenen Heim an ein kinderloses Paar verkauft haben soll. Das berichten zwei Quellen, die katholischen Pressedienste Ucanews und Asianews.

Laienmitarbeiterin verhaftet, Geld beschlagnahmt

Ucanews („Union of Catholic Asean News“) mit Büros unter anderem in Hongkong und Bangkok unterhält nach eigenen Angaben ein Netz von Journalisten in der Region. Asianews wird von einer missionarischen Gemeinschaft mit Sitz in Italien betrieben, die einen Arbeitsschwerpunkt in Asien hat.

Neben der Mutter-Teresa-Schwester wurde nach Angaben beider Dienste eine Laienmitarbeiterin des Heims verhaftet. Bei ihr seien umgerechnet 805 Euro beschlagnahmt worden. Die Polizei halte das für die Anzahlung eines adoptionswilligen Paars für ein Kind.

Oberin Mary Prema aus Reken „geschockt“

Ans Licht kam der Fall, weil bei einer Inspektion der staatlichen Kinderwohlfahrts-Kommission im Heim des Mutter-Teresa-Ordens ein Baby fehlte. Das Haus wird laut Angaben häufig von Schwangeren aufgesucht, die keinen anderen Platz für eine Entbindung finden.

„Geschockt“ äußerte sich die Generaloberin der Missionarinnen der Nächstenliebe in Kalkutta, Schwester Mary Prema Pierick. Die Mutter-Teresa-Nachfolgerin stammt aus Reken im Kreis Borken. Kinderhandel stehe „vollkommen im Gegensatz zu unseren moralischen Überzeugungen. Wir werden diese Angelegenheit genau im Auge behalten. Wir werden alle notwendigen Vorsorgemaßnahmen ergreifen, damit Derartiges nie wieder passiert.“

Durchsuchungen durch die Behörden

Am Mittwoch berichtete Ucanews, Regierungsbeamte von der hindu-nationalistischen Partei BJP hätten in den vergangenen Tagen christliche Einrichtungen im Bundesstaat Jharkhand durchsucht, vor allem Häuser der Mutter-Teresa-Schwestern. Aus einem Heim seien 22 Kinder in eine staatliche Einrichtung gebracht worden.

Diese Aktionen geschehen nach Ansicht christlicher Vertreter nicht nur in guter Absicht. „Die Regierung zielt darauf ab, uns und unsere Einrichtungen zu diffamieren“, sagte Weihbischof Telesphore Bilung von Ranchi. „Damit will die Regierung beweisen, dass Christen und ihre Institutionen an illegalen Handlungen beteiligt sind.“

Spannungen zwischen Hindu-Nationalisten und Christen

Die hindu-nationalistische BJP stellt die indische Regierung und ist auch in Jharkhand und den meisten anderen Bundesstaaten an der Macht. Sie strebt einen hinduistischen Staat an. Diskriminierungen und Gewalt gegen die Minderheiten der Christen und Muslime haben nach deren Angaben seit der Machtübernahme der BJP deutlich zugenommen. Die Minderheiten sehen eine „Kampagne“, sie werfen staatlichen Stellen die stillschweigende Duldung extremistischer Attacken vor.

Die Vermittlung von Kindern zur Adoption hatten die Mutter-Teresa-Schwestern vor drei Jahren eigentlich eingestellt. Grund war ein Gesetz, das auch Einzelpersonen – möglicherweise für homosexuelle Paare – Adoptionen ermöglicht.