Ehrenamtliche unterstützen Menschen mit geistiger Behinderung

Inklusion beim Wohnen - ein Alltagsbeispiel aus Coesfeld

Heiter und entspannt ist die Stimmung am Kaffeetisch. Marie Bolsen wird herzlich begrüßt und setzt sich in die Runde dazu. Zwei Mal im Monat kommt die Ehrenamtliche zu Besuch in die Anne-Frank-Gruppe. Deren Haus liegt mitten in einem Baugebiet für Familien in Coesfeld. Erwachsene Menschen mit Behinderung haben dort ihr Zuhause gefunden.

Als alle Neuigkeiten ausgetauscht und die Tassen leergetrunken sind, geht Marie Bolsen mit Birgitt Maßmann und Edith Ameling in die Küche. Seit nahezu vier Jahren verbringt das Trio regelmäßig gemeinsame Nachmittage.

Gemeinsame Nachmittage

„Wir nehmen uns immer etwas vor, worauf alle Lust haben.“ Heute stehen Fruchtspieße auf dem Programm. Gemeinsam machen sich die drei Frauen ans Werk. Trauben werden auf Hölzchen gepiekst, mit heißer Schokolade überzogen und dann in Schokoraspeln oder in bunten Liebesperlen gewälzt.

„Das sieht cool aus“, meint Edith. Nach dem Abendessen sollen die fruchtigen Leckereien als Nachtisch verzehrt werden. Bedächtig taucht Birgitt die letzte Traube ins Schokobad.

Kleine Dinge bereiten große Freude

„Meistens unternehmen wir kleine Ausflüge“, erklärt Marie. Und dann zählen die drei Frauen gemeinsam auf: Entenküken fotografieren, ein Eis essen gehen, Minigolf spielen, mit dem Zug irgendwohin fahren.

Oft sind es die scheinbar kleinen Dinge, die große Freude machen. Ein besonderer Höhepunkt war der Katholikentag. Oder, ein anderes Mal, eine Einkaufstour in Münster. Nein, die Frauentruppe kam nicht mit riesigen Einkaufstüten nach Hause. Aber Edith ist bis heute glücklich über ihr T-Shirt mit Glitzer. Und Birgitt über ihre schwarzen Turnschuhe, die sie sich von ihrem Ersparten kaufen konnte.

Mehr Zeit im Ruhestand

„Den Kontakt hatte ich schon aufgebaut, als ich noch berufstätig war“, erinnert sich Marie Bolsen. Sie ist 64 Jahre alt. „Als Pensionärin habe ich jetzt mehr Zeit zur Verfügung und davon möchte ich gern etwas an andere Menschen abgeben.“ Es gibt Kinder, Enkel und Freunde in ihrem Leben und dazu nun auch ihre neuen Freundinnen am Elisabeth-Selbert-Weg.

„Vorher hatte ich überhaupt noch keinen Umgang mit Menschen mit geistigen Behinderungen.“ Vor der ersten Begegnung fühlte sie sich „schon etwas unbeholfen und hilflos“.

Fröhlichkeit steckt an

Sie war dann doch überrascht darüber, wie herzlich und vorbehaltlos sie von den Bewohnern und Betreuern aufgenommen wurde – „mit offenen Armen“. Was  ihr das Zusammensein zu dritt bedeutet? „Es ist das Zwischenmenschliche: das Spontane, das Herzliche und das Fröhliche, das die beiden ausstrahlen.“ Sie wirkt nachdenklich. Dann fügt sie an: „Ich habe von Birgitt und von Edith viel gelernt. Sie krempeln mich regelrecht um. Sie bringen Schwung in mein Leben.“

Den Einsatz der Ehrenamtlichen koordiniert Lydia Jost. Sie freut sich über Interessenten: Tel. 02542/7031007, lydia.jost@haushall.de.

Marie Bolsen ist nicht die einzige Ehrenamtliche. Auch an anderen Stellen in der Stiftung Haus Hall engagieren sich Freiwillige im direkten Kontakt mit Menschen mit Behinderung. Meistens trifft man sich zu Freizeitaktivitäten mit einzelnen Bewohnern. Andere begleiten behinderte Menschen am Sonntagmorgen, damit sie am Gottesdienst teilnehmen können. Oder sie engagieren sich, wenn bei großen Ausflügen zusätzliche Helfer benötigt werden.