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Godehard Brüntrup ist Experte für Grenzfragen von Theologie und Philosophie, etwa KI. Im Gespräch erklärt und bewertet er „Magnifica humanitas“.
Professor Brüntrup, Künstliche Intelligenz (KI) ist eine verhältnismäßig neue technische Entwicklung. Doch Papst Leo XIV. hat sie bereits in seiner allerersten Ansprache unmittelbar nach seiner Wahl zum Papst thematisiert. Warum ist ihm das so wichtig?
Weil er in ihr nicht bloß eine technische Neuerung unter vielen sieht, sondern ein gewaltiges Beben, das eine neue Epoche einleitet. Nicht zufällig unterschrieb er die Enzyklika am Jahrestag von „Rerum novarum“, dem großen Wort der Kirche zur industriellen Revolution. Die Botschaft dahinter ist unmissverständlich: Was die Dampfmaschine für das 19. Jahrhundert war, ist die Künstliche Intelligenz für unseres – nur dass der Umbruch noch tiefer reichen dürfte. Sie greift zugleich nach der Arbeit, nach der Macht und am Ende nach unserem Selbstbild. Wer dazu heute schweigt, kommt zu spät.
Vielen macht KI Angst, weil sie fürchten, sie könnte irgendwann den Menschen, seine Kreativität, seine Kultur ersetzen. Teilt Papst Leo diese Angst? Und wie geht er damit um?
Er nimmt diese Sorge ernst, aber er lässt sich von ihr nicht lähmen. Sein Konter ist eine klare Grenzlinie: Eine Maschine rechnet, sie erlebt nichts. Sie macht keine Erfahrungen, besitzt keinen erlebten Leib, sie reift nicht in personalen Beziehungen und hat kein moralisches Gewissen. Sie kann menschliche Zuwendung täuschend echt nachahmen, doch wo Worte nur simuliert werden, entstehe keine Beziehung, sondern nur der Anschein davon. Der Mensch wird also nicht entthront, weil das Eigentliche an ihm gar nicht kopierbar ist. Keine Maschine, schreibt Leo, schaffe ein Herz, das sich an andere hingibt, oder ein Gewissen, das das Gute erkennt. Da ist also keine Angst, da ist eher Gelassenheit aus Überzeugung. Allerdings liefert er nur wenige philosophische Begründungen dafür, warum Maschinen nach seiner Ansicht niemals denken oder fühlen können.
Welche Chancen sieht Leo in der künstlichen Intelligenz?
Die Enzyklika ist sparsamer mit positiven Visionen als mit dem Aufzeigen von Grenzen — eine Lücke, die man ihr ankreiden darf. Der Jesuit Teilhard de Chardin etwa hatte einst eine kühne, hoffnungsvolle Vision des kommenden Informationszeitalters entworfen; Leo dagegen belässt es bei der Forderung nach einer Technologie, die der Mensch in der Hand behält. Sein Kerngedanke aber ist befreiend nüchtern: Technik ist kein Schicksal. Sie sei „nicht neutral“, sondern nehme die Züge derer an, die sie konzipieren, finanzieren, regulieren und nutzen. Mit demselben Werkzeug lässt sich der gottlose Turm zu Babel bauen oder die heilige Stadt Jerusalem. Die Initiative liegt also nicht in der Maschine, sondern in unserer Hand: Es liegt an uns, ob wir eine KI schaffen, die Menschen verbindet, Teilhabe stiftet und den Schwächsten dient, statt sie zu entwürdigen und auszusortieren. Den Maschinen ausgeliefert sind wir nur, wenn wir aufhören, wachsam zu bleiben und uns politisch wie persönlich um eine verantwortbare KI zu bemühen. Die Botschaft ist also gerade nicht kulturpessimistisch.
Welche Empfehlungen gibt er im Umgang mit KI?