VATIKAN

Scharfe Kritik von Leo XIV. an Donald Trump: Was hat sich da verändert?

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Ungewöhnlich deutlich gegenüber Trump ist der Papst geworden. Der Jesuit und Philosoph Godehard Brüntrup sagt, welche Auswirkungen das hat.

Von KNA

Der Jesuit und Philosoph Godehard Brüntrup wertet die direkte Kritik von Papst Leo XIV. an US-Präsident Donald Trump als außergewöhnlichen Schritt. Dass der aus den USA stammende Papst die Drohungen Trumps gegen den Iran ausdrücklich verurteilt habe, lasse ihn zu einer - auch inneramerikanischen - moralischen Gegenautorität werden, sagte der in München lehrende Jesuit im Kölner Domradio.

Das Kirchenoberhaupt habe die traditionelle diplomatische Zurückhaltung des Vatikans verlassen: "Leos Intervention erschwert es der Regierung, eine moralische Rechtfertigung für ihre Drohungen zu beanspruchen, insbesondere unter den rund 70 Millionen amerikanischen Katholiken und 1,4 Milliarden Katholiken weltweit."

"Schwelle überschritten"

Päpste äußerten sich typischerweise in sorgfältig abgewogenen Allgemeinplätzen, um die Haltung des Heiligen Stuhls als vermittelnde, überparteiliche moralische Autorität zu wahren, erläuterte der Professor für Metaphysik, der lange in den USA gelehrt hat. Dass Leo XIV. am Dienstag Trump direkt angesprochen und dessen Vernichtungsdrohung gegen den Iran kritisiert hatte, signalisiere, dass der Papst glaube, eine Schwelle sei überschritten.

"Wenn ein Staatsoberhaupt öffentlich die Vernichtung einer Zivilisation androht, wird die übliche Indirektheit der vatikanischen Diplomatie fast zur Komplizenschaft", sagte der Jesuit. Das prophetische Amt der Kirche verlange, dass die moralische Wahrheit gegenüber der Macht ausgesprochen wird.

Brüntrup: Leos Rhetorik wurde schärfer

Brüntrup sieht Leo XIV. in einer Linie mit Johannes XXIII., der in der Kubakrise 1962 sehr direkt an US-Präsident John F. Kennedy und den Sowjetführer Nikita Chruschtschow appelliert hatte, den Frieden zu sichern: "Je schwerwiegender die Bedrohung ist, desto mehr besteht die Verpflichtung zur Konkretheit, und desto weniger sind diplomatische Verallgemeinerungen noch angebracht."

Der Philosoph sprach von einer "eskalierenden Abfolge in Leos eigener Rhetorik": Aufrufe zum Dialog Anfang März, ein privater Appell an Trump für einen "Ausstieg" vergangene Woche, die Osterbotschaft "Urbi et orbi", in der jene, die Waffen besitzen, aufgefordert wurden, sie niederzulegen, und nun eine direkte, vor laufender Kamera geäußerte Verurteilung sowohl auf Italienisch als auch auf Englisch. Darin wurde die Drohung Trumps als "nicht akzeptabel" und der Krieg als nach allgemeiner Meinung "ungerecht" bezeichnet.

"Aufruf an die US-Bürger"

Besonders außergewöhnlich nannte es der Jesuit, dass der Papst die US-Bürger aufgefordert habe, sich an ihre Regierungen und gewählten Vertreter zu wenden. "Dieser Schritt ist besonders ungewöhnlich: Er verwandelt eine spirituelle Ermahnung in eine zivilgesellschaftliche Mobilisierung."

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